Präventionsprogramme: Kreuzbandverletzungen vorbeugen

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Man sollte wesentlich mehr investieren, um Kreuzbandverletzungen und andere Sportverletzungen effektiver vorbeugen zu können. Hierzu sind Präventivprogramme hilfreich.

Vor allem Frauen haben ein großes Risiko für Kreuzbandverletzungen. Sie verletzen sich beispielsweise zwei- bis achtmal häufiger am vorderen Kreuzband als Männer. Die genauen Ursachen sind unklar. Anatomische Unterschiede im Kniegelenk oder bei den Weichteilen, die das Kniegelenk stabilisieren und führen, könnten dazugehören. Aber auch Unterschiede bei der Knochenqualität sowie hormonell oder genetisch bedingte Faktoren könnten Risikofaktoren sein. Im Grunde genommen müssen aber alle Menschen, die intensive Sport betreiben, ihren Aufwand erhöhen, um Sportverletzungen wie Kreuzbandverletzungen wirksamer vorbeugen zu können.



 

Die meisten Kreuzbandverletzungen treten nicht im Kontakt mit anderen Spielern auf

Mehrere Studien zeigen, dass die Verletzungsrate durch Aufklärung und ein regelmäßiges präventives Training verringert werden kann.

Beispielsweise erhöht eine X-Bein-Stellung das Verletzungsrisiko am vorderen Kreuzband. Wenn das Knie bei dynamischen Bewegungen immer wieder nach innen gedreht wird, verdrehen sich Ober- und Unterschenkel-Knochen bei ungünstigen Bewegungsmustern schneller gegeneinander. Das erhöht die Gefahr für eine Verletzung des vorderen Kreuzbands oder sogar für einen Kreuzbandriss.

Die meisten Kreuzbandverletzungen treten nicht im Kontakt mit anderen Spielern auf, sondern bei Sprüngen, beim plötzlichen Abstoppen oder Drehen und bei schnellen Richtungswechseln.

 

Kreuzbandverletzungen vorbeugen mit Präventivprogrammen

Eine Metaanalyse aller Metaanalysen von Kate Webster und Timothy Hewett hat unlängst noch einmal das genaue Ausmaß der Risikoreduktion durch Präventivprogramme beziffert. Alle Athleten senken ihr Verletzungsrisiko durch ein Präventionstraining um die Hälfte, Frauen senken das Risiko für Kreuzbandverletzungen in Situationen ohne Kontakt mit anderen Mitspielern sogar um zwei Drittel.

Experten plädieren deswegen dafür, dass alle Sportler – besonders auch weibliche Freizeit- und Profisportlerinnen – gezielt über Präventionsprogramme informiert und zu den jeweiligen Übungen motiviert werden sollten. Denn die Möglichkeiten zum Vorbeugen vor Kreuzbandverletzungen beziehungsweise Sportverletzungen müssen besser genutzt werden.

Präventionsübungen sind keine verlorene Trainingszeit. Sondern sie eine wichtige Investition in die sportliche Zukunft zum Vorbeugen von Sportverletzungen wie die häufigen und dramatischen. Je frühzeitiger Sportler damit beginnen und je regelmäßiger sie das vorbeugende absolvieren, desto geringer ist das Risiko, sich beim Sport eine Verletzung des vorderen Kreuzbands zuzuziehen.

 

Wie Kreuzbandverletzungen entstehen

Das vordere Kreuzband zentriert das Knie und sorgt dafür, dass sich der Oberschenkelknochen nicht über das Schienbein hinaus bewegt. Bei Kreuzbandverletzungen spielt die Muskulatur meist eine wichtige Rolle. Gefährlich wird es, wenn sich das Knie nach innen dreht und der Schwerpunkt des Körpers gleichzeitig hinter dem Knie liegt. In einer solchen Situation ist die Muskulatur extrem angespannt.

Entscheidend ist also die massive Innendrehung und vermehrte X-Bein-Stellung des Knies – die Medizin spricht von Valgus-Stellung – gekoppelt mit einer ungünstigen Verlagerung des Rumpfs, einer ungleichmäßigen Belastung der Beine und einem Kontrollverlust beim Bewegungsablauf.



 

Sportarten mit besonders hohem Risiko

Besonders verletzungsgefährdet sind Ballspieler, Skifahrer, Feldhockeyspieler und Kampfsportler. Die Konsequenzen sind erheblich: Eine Verletzung des vorderen Kreuzbands zwingt Profi- und Amateursportler zu einer längeren Ruhepause. Vor allem die Kreuzbandverletzungen gefährden die Karrieren der jungen Sportler beträchtlich.

Eine Untersuchung hat gezeigt, dass mehr als sechs von zehn Athleten in den 41 Monaten nach der Verletzung wieder mit dem vorher üblichen Einsatz spielen. Aber auch die langfristigen Konsequenzen sind eklatant: Mit der Verletzung des vorderen Kreuzbands steigt das Risiko für eine spätere Arthrose des Knies sowie für eine erneute Verletzung desselben Knies – selbst nach einer Operation.

 

Was Präventionsprogramme leisten, um Risikofaktoren entgegenzuwirken

Die verschiedenen Präventionsprogramme wirken in vier Richtungen. Sie fördern Balance und Kraft, trainieren die Kontrolle über die Bewegung der Beine und verbessern mit einem Sprungtraining die Reaktivkraft.

Ein einfacher Sprungtest zeigt beispielsweise, ob eine X-Bein-Stellung vorliegt. Dazu springt der Sportler von einem Kasten, landet und springt dann mit maximaler Kraft in die Höhe und landet wieder. So wird die Stellung der Knie analysiert.

Wenn die Knie beim Landen stets nach innen zeigen, liegt eine X-Bein-Stellung vor. Solche Sportler mit einer dynamischen X-Bein-Stellung sollten gezielt an ihrer Bewegungsmodifikation arbeiten. Denn X-Beine entstehen durch eine Schwäche der seitlichen Hüftmuskeln und der Rumpfmuskeln. Daher sollten diese Muskeln gezielt trainiert werden.

Es gibt nicht beeinflussbare Risikofaktoren für Kreuzbandverletzungen. Anatomie sowie Geschlecht sind Beispiele dafür. Am wichtigsten ist es deswegen, dass man beeinflussbaren Risikofaktoren entgegenwirkt. Beispiele für Präventionsprogramme sind: StopX, Sportsmetrics, Prevent Injury and Enhance Performance PEP, FIFA 11+ Die Übungen können ohne Probleme in das Aufwärmprogramm integriert werden.



Literatur:

Joseph AM et al. A multisport epidemiologic comparison of anterior cruciate ligament injuries in high school athletics. J Athl Train 2013;48:810–817

Sutton KM, Bullock JM. Anterior cruciate ligament rupture: differences between males and females. J Am Acad Orthop Surg 2013; 21: 41–50

Webster KE, Hewett TE. Meta-Analysis of meta-analyses of anterior cruciate ligament injury reduction training programs. J Orthop Res 2018. Doi:10.1002/jor.24043

Nessler T et al. ACL Injury Prevention: What does research tell us? Curr Rev Musculoskelet Med 2017; 10: 281–288

Deutsche Kniegesellschaft – https://stop-x.de/

Petersen W et al. Prävention von Knieverletzungen und VKB-Rupturen. OUP 2016; 10: 542–550

Mehl J et al. Evidence-based concepts for prevention of knee and ACL injuries. 2017 Guidelines of the ligament committee of the German Knee Society (DKG). Arch Orthop Trauma Surg 2018; 138: 51–61

[8] Ardern CL et al. Return to Sport following anterior cruciate ligament reconstruction surgery: a systematic review and meta-analysis of the state of play. Br J Sports Med 2011; 45: 596–606


Quelle:

Hintergrundinformation: » Kein Schicksal, sondern vermeidbar – alle Sportler profitieren von einem Training zur Prävention von Kreuzbandverletzungen, aber besonders Frauen « – Dr. med. Gerd Rauch, Kongresspräsident des DKOU 2018, Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Orthopädisch-chirurgische Gemeinschaftspraxis und Praxisklinik Kassel zum Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU), Oktober 2018, Berlin

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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