Ikterus, Gelbsucht: Bilirubin und die Herausforderung in der Notaufnahme

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Bei Gelbsucht – als Ikterus bezeichnet – kommt es zu einem Anstieg des Gallenfarbstoffs Bilirubin im Blut und so zur Gelbfärbung der Haut und der Schleimhäute.

Gallensteine, Virusinfektionen wie Hepatitis, giftige Substanzen, Arzneimittelnebenwirkungen gehören zu den Ursachen, die zum Ikterus – der Gelbsucht – führen können. In verschiedenen Studien haben Forscher in den vergangenen Jahrzehnten die Krankheitsmechanismen des Ikterus bis auf die molekulare Ebene zurückverfolgt.

Im Grunde genommen ist für die meisten Patienten eine nicht lebensbedrohlich. Wobei der Notarzt die Pathophysiologie der Gelbsucht verstehen muss, damit er kritische Diagnosen erkennen kann. Denn manchmal benötigen die Patienten mit Gelbsucht intravenöse Antibiotika bis hin zu einer Notfalloperation. Sowie in schweren Fällen sogar einer Organtransplantation. Die Bewertung und Behandlung von Patienten mit Gelbsucht ist in der Notaufnahme jedenfalls eine Herausforderung.

 

Ikterus und Bilirubin

Bekanntlich verursacht das Bilirubin die gelbe Hautfarbe. Es ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes. Normalerweise kommt es mit der Galle in den Darm, wird dort weiter abgebaut und schließlich ausgeschieden. Doch bei den sogenannten cholestatischen Lebererkrankungen, die durch einen sogenannten Gallenstau – einem zu geringen Abfluss von Gallenflüssigkeit – gekennzeichnet sind, ist das nicht der Fall.
Aus den Leberzellen sollte das Bilirubin in die allerkleinsten Gallengänge abgegeben werden. Dafür ist das Mrp2-Protein als eine Art Pumpe verantwortlich, da es Substanzen aus der Zelle hinausbefördert.
Unter dem Strich steht ds Mrp2-Protein für Multi drug resistance related protein.

Das bedeutet, dass die Pumpe Zellen vor giftigen Substanzen schützen, also resistent machen kann. So zum Beispiel ist die Unempfindlichkeit mancher Krebszellen gegen Zytostatika darauf zurückzuführen, dass eine ähnliche Resistenz-Pumpe die Chemotherapeutika beseitigt, noch bevor sie den Tumorzellen gefährlich werden können.

 

Krankheiten reduzieren das Mrp2-Protein

In einer Studie untersuchten Forscher Mrp2 an Ratten als Versuchstiere, bei denen auf unterschiedlichem Weg eine Gelbsucht ausgelöst worden war. Entweder hatte man die Gallengänge der Tiere verschlossen oder man gab ihnen Bestandteile von Salmonellen-Bakterien bzw. ein künstliches Östrogen, um klinische Formen des Gallenstaus durch Gallensteinverschluss, Entzündungen (Hepatitis) und Medikamente zu imitieren. Dann wurden die Leberzellen der Tiere auf Veränderungen untersucht.

Dabei stellte sich heraus, dass die Zellen das Mrp2-Protein kaum mehr aufwiesen. Das Abtransportsystem für das Bilirubin war verschwunden. Die genetische Information für die Produktion des Mrp2-Eiweißes war in den Zellen zwar noch vorhanden. Doch das Umschreiben der Information und die Herstellung des Proteins waren gestört.

Literatur:

Taylor T, Wheatley M. Jaundice in the emergency department: meeting the challenges of diagnosis and treatment. Emerg Med Pract. 2018 Apr;20(4):1-24. Epub 2018 Apr 1.

Trauner et al. The rat canalicular conjugate export pump (Mrp2) is down-regulated in intrahepatic and obstructive cholestasis. Gastroenterology. 1997 Jul;113(1):255-64.

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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