Krätze – Scabies: die häufige Infektion der Haut ist weiter auf dem Vormarsch

Krätze Skabies Milben: Bei hoher Bevölkerungszahl und schlechter Hygiene kann bis zu 30 % der Bevölkerung infiziert sein. © http://www.usda.gov/wps/portal/usda/usdahome

Krätze Skabies Milben: Bei hoher Bevölkerungszahl und schlechter Hygiene kann bis zu 30 % der Bevölkerung infiziert sein. © http://www.usda.gov/wps/portal/usda/usdahome

Die Krätze – auch Scabies genannt – ist eine häufig vorkommende Infektion der Haut, die durch Skabies-Milben ausgelöst wird.

Die Krätze – aus als Scabies bezeichnet – ist eine häufige Infektion der Haut, die bei etwa 1 % der Bevölkerung auftritt. Und zwar kommt es dazu, wenn die Skabies-Milben Sarcoptes hominis die Haut besiedeln beziehungsweise dort dann eine Infektion auslösen.

Bei hohen Bevölkerungsdichten und schlechten Hygienebedingungen kann die Scabies bei etwa 30 % der Bevölkerung vorkommen. Weitere Faktoren wie die Häufigkeit an Körperkontakten, individuelle Hygienebedingungen und der Immunstatus spielen bei der Infektion, beim klinischen Erscheinungsbild und bei der Abheilung der Erkrankung eine entscheidende Rolle.

Die Krätze ist jedenfalls eine hoch ansteckende parasitäre Erkrankung der Haut. Wichtig ist ein gesteigertes Bewusstsein dafür in der Bevölkerung. Zudem ist eine genaue Diagnose und eine schnellere Behandlung wichtig. Nur so kann man Krätze wirksam bekämpfen und die weitere Ausbreitung der Erkrankung der Haut verhindern.

 

Krätze – Scabies: Infektion der Haut

Die Krätze tritt an bestimmten bevorzugten Körperstellen der Haut auf. Ein direkter Kontakt durch ein begattetes Scabies-Milbenweibchen über 15 bis 20 Minuten kann die Infektion der Haut zur Ausbreitung bringen. Der Nachweis der Infektion erfolgt durch mikroskopische Identifizierung der Milbe oder auch durch Auflichtmikroskopie.

Bei der Scabies bestehen oft diagnostische Schwierigkeiten. Eine „gepflegte Scabies“ bei guten Hygienebedingungen ist nicht leicht erkennbar. Schwierig ist auch die Behandlung bei Patienten in Alters- und Pflegeheimen. Ein synchrones Behandeln aller Kontaktpersonen ist erforderlich.

 

Behandlung der Krätze

Entsprechend der Leitlinien der deutschen dermatologischen Gesellschaft und der Leitlinien der österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie wird zur Therapie der Krätze 5% Permethrin empfohlen. Man behandelt damit topisch den ganzen Körper und lässt den Wirkstoff 8 Stunden lang einwirken. Eine Wiederholung der Behandlung nach 2 Wochen ist zu empfehlen, um auch die danach ausgeschlüpften Larven erfolgreich bekämpfen zu können.

Eine Behandlung der Krätze mit Ivermectin 200 µg/kg im Abstand von 10 bis 14 Tagen soll vor allem gegen einen hartnäckigen Verlauf wirken. Vor allem auch, wenn immer wieder erneute Beschwerden auftreten. Die Therapie der Krätze mit Ivermectin wirkt übrigens auch bei Patienten in Altersheimen. Denn sie hilt auch bei geistig und körperlich behinderten Personen, bei denen die Lokaltherapie schwierig ist.

Weiters wird eine Scabies norvegica, einer schweren Verlaufsvariante mit Ekzemen, so behandelt. Alternative Wirkstoffe sind Benzylbenzoat, Crotamiton und Präzipitatschwefel als Lokaltherapie. Keine Alternative stellt heute mehr Lindan dar.

 

Wichtige Maßnahmen

Zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung muss man alle Personen, die engen Hautkontakt mit den Betroffenen haben, zeitgleich ebenfalls behandeln. Dies sollte auch dann geschehen, wenn keine Scabies Symptome zu entdecken sind.

Von engem Hautkontakt spricht man, wenn Personen mit Erkrankten engen, großflächigen Haut-zu-Haut-Kontakt über einen längeren Zeitraum hatten. Und zwar länger als 5 bis 10 Minuten. Das ist beispielsweise durch gemeinsames Schlafen in einem Bett, Kuscheln, Körperpflege sowie Liebkosen von Kleinkindern, Geschlechtsverkehr und Körperpflege von Kranken der Fall.

Andere Kontaktpersonen, die keinen engen Kontakt haben, sind in der Regel nicht gefährdet. Wer sich Sorgen macht, sollte sich einfach mehrere Wochen lang beobachten und bei Auftreten von Symptomen sofort mit einer Therapie beginnen.

Betroffene Personen und Familien sollten die Körper- und Unterkleidung sowie Bettwäsche alle 12 bis 24 Stunden wechseln. Dies gilt auch für Handtücher, die man auf jeden Fall zweimal täglich wechseln sollte.

Für Bettwäsche, Unterbekleidung und Handtücher reicht das Auskochen bzw. Waschen bei 60 bis 90°C aus. Die Oberbekleidung braucht in der Regel nicht entwest zu werden. Siebentägiges Durchlüften oder chemische Reinigung wird aber bei Patienten mit Skabies norvegica empfohlen. Auch ein bis 7-tägiges Nichtbenutzen der Textilien in luftdicht verschlossenen Plastiksäcken schädigt die Milben so weit, dass sie nicht mehr befallsfähig sind.

Mit intensivem Staubsaugen kann man die Scabies-Milbe von den Betten, Polstersessel und Fußbodenbeläge befreien. Ein wiederholtes Staubsaugen ist im Falle von Scabies norvegica unverzichtbar. Plüschtiere und Schuhe können durch Lagerung über 24 Stunden in einem Plastiksack im Tiefkühler bei -10°C schnell milbenfrei gemacht werden.

 

Situation bei älteren Menschen

Krätze, Scabies, ist gerade auch bei älteren Menschen eine bedeutsame Infektion der Haut. Denn es bestehen bestimmten Risikofaktoren, die die Situation bei ihnen verschärft. Dazu gehören die eingeschränkte Beweglichkeit sowie das Leben in Pflegeheimen. Denn dort besteht auch eine größere Gefahr der Ansteckung an Mitbewohner und Pflegepersonal. Zudem haben Ältere Schwierigkeiten bei der Durchführung bestimmter Behandlungen der Krätze.

Vor allem die verkrustete Krätze, die hoch ansteckende Variante der klassischen Krätze, ist bei älteren Menschen ein große Problem. Die betroffene, häufig ältere Menschen sind meistens immungeschwächt und leiden an Krankheiten mit einer signifikanten Morbidität und Mortalität.

Eine aktuelle Fallstudie berichtete beispielsweise über eine ältere Frau, die in einer Einrichtung für betreutes Wohnen lebte und eine diffuse verkrustete Krätze an Rumpf, proximalen Extremitäten, Kopfhaut, Händen und Füßen aufwies. Nach der Diagnose verkrustete Krätze hat man sie von anderen Patienten isoliert und anschließend mit Permethrin 5% Lotion und Ivermectin behandelt. Schließlich starb sie zwei Wochen nach der Erstvorstellung an Sepsis.


Literatur:

Cartron AM, Boettler M, Chung C, Trinidad JC. Crusted scabies in an elderly woman. Dermatol Online J. 2020 Oct 15;26(10):13030/qt4c36775g. PMID: 33147672.

Sunderkötter C, Feldmeier H, Fölster-Holst R, Geisel B, Klinke-Rehbein S, Nast A, Philipp S. Sachs B, Stingl J, Stoevesandt J, Hamm H. S1 guidelines on the diagnosis and treatment of scabies – short version. J Dtsch Dermatol Ges. 2016 Nov;14(11):1155-1167. doi: 10.1111/ddg.13130.

Leung A, Lam J, Leong KF. Scabies: A Neglected Global Disease. Curr Pediatr Rev. 2019 Jul 17. doi: 10.2174/1573396315666190717114131. [Epub ahead of print]


Quellen:

http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/scabies/basics/definition/con-20023488

http://www.nlm.nih.gov/medlineplus/scabies.html

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