Die Versorgung Kopfschmerzen und Migräne ins Blicklicht rücken

Kopfschmerzen © Sebastian Kaulitzki / shutterstock.com

Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete neurologische Erkrankungen, die nach wie vor häufig unterschätzt und unzureichend behandelt werden.

Unter dem Strich informieren Experten immer wieder die Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger über die Versorgungssituation von Patienten mit Kopfschmerzen und Migräne. Im Sinne einer genauen Diagnostik und effektiven Behandlung ist es von Bedeutung, auf auf bestehende Defizite in der Versorgung von den betroffenen Patienten mit Kopfschmerzen und Migräne hinzuweisen.

 

Global Burden of Neurological Disease

Spannungskopfschmerz und Migräne gehören laut Daten der WHO zu den zweit- und dritthäufigsten Erkrankungen weltweit. Die Global Burden of Neurological Disease-Studie liefert darüber hinaus wichtige Informationen zur Dimension des Problems. Neurologische Erkrankungen insgesamt sind etwa für ein Zehntel der von Menschen in Krankheit und mit Einschränkungen und Beschwerden verbrachten und verlorenen Lebensjahre (DALY) verantwortlich.

Innerhalb dieser Gruppe von Erkrankungen wiederum nehmen Kopfschmerzen und Migräne die Spitzenplätze ein – noch vor Demenzerkrankungen. Spannungskopfschmerz als häufigste Kopfschmerzform belastet 1,5 Milliarden Menschen, an wiederkehrenden Migräne-Attacken leiden rund 986 Millionen Menschen weltweit. 58,5 Millionen Menschen leiden an Schmerzmittel-bedingten Kopfschmerzen, häufig aufgrund lang andauernder Selbstmedikation.

Auch österreichische Daten zeigen, welches Problem chronische Kopfschmerzen darstellen: So litten etwa 56,4 Prozent der befragten Patienten an episodischen Kopfschmerzattacken, 38,3 Prozent an chronischen Beschwerden. 79 Prozent der Betroffenen sind dieser Untersuchung zufolge Frauen – ähnlich wie in internationalen Studien. Mit einem Anteil von 45,5 Prozent stellten Migränepatienten die größte Gruppe von Betroffenen dar. Die Häufigkeit von Spannungskopfschmerzen lag bei 6,3 Prozent.

Trotz dieser deutlichen Fakten bestehen gegenüber Kopfschmerzen erhebliche Vorurteile und Missverständnisse. Kopfschmerzen und Migräne werden häufig nicht als ernst zu nehmende chronisch wiederkehrende Erkrankung wahrgenommen. Sie bedürfen jedoch einer fundierten und möglichst früh einsetzenden Behandlung.

 

Versorgungsnetz mit Lücken

Problematisch ist aber auch die Versorgungssituation. Was wir für diese große Zahl an Betroffenen brauchen, ist eine abgestufte und koordiniert funktionierende Versorgung der Patienten mit Kopfschmerzen und Migräne. Dabei sind Hausärzte zumeist die ersten Ansprechpartner der Betroffenen. Weiter sind niedergelassene Neurologen wichtige Versorger der Patienten bis hin zu spezialisierten Zentren für Patienten mit Kopfschmerzen und Migräne. Hierzu ist die Versorgung in den verschiedenen Staaten durchaus sehr unterschiedlich. Die Zusammenarbeit zwischen Primärversorgern, Spezialisten und Spezialeinrichtungen ist wichtig, um Patienten möglichst niederschwellig im Alltag und möglichst schnell von Spezialisten im Bedarfsfall zu versorgen.

 

Mehr Spezialversorgung für Patienten mit Kopfschmerzen und Migräne

Das Know-how von Spezialisten und Spezialeinrichtungen ist für die adäquate Versorgung von chronischen Patienten mit Kopfschmerzen und Migräne wesentlich. Die Spezialversorgung ermöglicht eine rasche präzise Diagnose mit einem sinnvollen, aber nicht überbordenden Einsatz bildgebender Untersuchungen. Zudem kann die Erkrankung dadurch besser von anderen potenziellen Krankheitsbildern abgegrenzt werden. Wichtig ist aber auch die korrekte Einschätzung von Begleiterkrankungen. Denn viele Patienten weisen zusätzlich Anzeichen von Angststörungen und Depressionen auf.


Literatur:

Biggin F, Emsley HCA, Knight J. Routinely collected patient data in neurology research: a systematic mapping review. BMC Neurol. 2020 Nov 27;20(1):431. doi: 10.1186/s12883-020-01993-w. PMID: 33243167; PMCID: PMC7694309.

GBD 2015 Neurological Disorders Collaborator Group. Global, regional, and national burden of neurological disorders during 1990-2015. A systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2015. Lancet Neurol. 2017 Nov;16(11):877-897. doi: 10.1016/S1474-4422(17)30299-5. Epub 2017 Sep 17. PMID: 28931491; PMCID: PMC5641502.

Zebenholzer K, Andree C, Lechner A, Broessner G, Lampl C, Luthringshausen G, Wuschitz A, Obmann SM, Berek K, Wöber C. Prevalence, management and burden of episodic and chronic headaches. A cross-sectional multicentre study in eight Austrian headache centres. J Headache Pain. 2015;16:531. doi: 10.1186/s10194-015-0531-7. Epub 2015 May 19. PMID: 25990699; PMCID: PMC4437990.


Quelle:

Statement » Kopfschmerzen und Migräne: Weit verbreitet, häufig unterschätzt und unzureichend behandelt « von Prim. Univ.-Prof. Dr. Mag. Eugen Trinka, FRCP, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN); Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie, Christian Doppler Universitätsklinik Salzburg zum Europäischen Kopfschmerz- und Migränetag 2018

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