Kopfschmerz-Studie in Österreich zeigt große Mängel in der Behandlung

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Unlängst konnte eine Studie zu Kopfschmerz in Österreich zeigen, dass die Vorbeugung und die Behandlung nicht den medizinischen Möglichkeiten entsprechen.

Migräne, Spannungskopfschmerzen, autonome Trigeminus-Kephalalgie und andere primäre Kopfschmerzerkrankungen sind eine eigenständige Krankheit. Es wurden mehr als 200 Kopfschmerzarten beschrieben. Der Kopfschmerz ist dann nicht nur ein Symptom. Wobei Kopfschmerzen sowie Schwindelgefühle zu den häufigsten Beschwerden in der ambulanten Versorgung und in der Notaufnahme gehören. In Österreich belastet massiver Kopfschmerz in seinen verschiedenen Formen unter dem Strich regelmäßig einen großer Teil der Bevölkerung in Österreich. Jedoch unterschätzt man das Problem und die Versorgung der Kopfschmerz-Patienten bleibt oft hinter den Möglichkeiten der Medizin zurück.

 

Patienten aus acht Kopfschmerz-Zentren in Österreich untersucht

Unlängst untersuchte eine Kopfschmerz-Studie Art und Häufigkeit von Patienten aus acht österreichischen Kopfschmerz-Zentren in Österreich. Dabei analysierten die Wissenschaftler auch die Qualität der Schmerztherapie bei den 441 Patientinnen. Darüber hinaus wurde erhoben, inwiefern sich der Kopfschmerz auf den Alltag der Betroffenen auswirkt.

Es zeigte sich, dass mehr als 56 Prozent der Befragten an episodischen Kopfschmerzen litten. Das heisst sie hatten weniger als 15 Kopfschmerz-Tage pro Monat. Weiter waren bei rund 38 Prozent der Fälle die Schmerzen  chronisch. Das heisst sie hatten 15 und mehr Kopfschmerz-Tage pro Monat.

Schließlich litten die Hälfte (48,5 Prozent) der Untersuchten an Migräne. Der Begriff chronische Migräne bezieht sich übrigens definitionsgemäß auf Kopfschmerzen, die an mindestens 15 Tagen pro Monat mindestens 3 aufeinanderfolgende Monate lang aufgetreten sind. Außerdem müssen sie die für Migräne festgelegten Kriterien an mindestens 8 Tagen pro Monat erfüllen.

Weiter litten etwa 16 Prozent der Patienten an medikamenteninduzierten Kopfschmerzen sowie sechs Prozent an Spannungstyp-Kopfschmerzen.

 

Kopfschmerz beeinträchtigt Alltag und Beruf

Kopfschmerz kann für die Patienten schwere Konsequenzen haben. Denn die Betroffenen verlieren nicht nur viele an Lebensqualität. Sondern sie verlieren auch häufig ihre Leistungsfähigkeit und letztendlich den Arbeitsplatz. Tatsächlich berichteten mehr als ein Drittel (34,3 Prozent) der Patientinnen, dass der wiederkehrende Kopfschmerz ein Hemmnis für die berufliche Karriere darstellt.

Dabei waren vor allem chronische Kopfschmerz-Patienten arbeitslos oder im Ruhestand. Jeder Fünfte (21,5 Prozent) gab an, dass sich die Kopfschmerz-Erkrankung negativ auf das Einkommen auswirkt. Außerdem verdienten zwei von drei chronischen Kopfschmerz-Patienten (65,2 Prozent) weniger als 1.500 Euro pro Monat. Übrigens stießen nur die die Hälfte der Patientinnen bei ihren Arbeitskollegen auf Verständnis für die gesundheitlichen Probleme und die Schmerzen.

 

Verlorene Tage

Menschen mit chronischen Kopfschmerzen sind besonders oft durch verlorene Tage  belastet. Verlorene Zeiten sind Zeiten, in denen berufliche wie soziale Aktivitäten durch den Schmerz sehr stark beeinträchtigt oder unmöglich sind. Rund 45 Prozent aller Studienteilnehmer gaben an, mehr als 20 Tage pro Jahr aufgrund ihrer Kopfschmerzen zu verlieren. Wobei es bei chronischen Kopfschmerzpatienten sogar über 63 Prozent waren. Schließlich zeigten die Patienten mit chronischen Kopfschmerzen auch wesentlich öfter Symptome von Angstzuständen und Depression. Und zwar verglichen mit den Patienten, bei denen die Schmerzen nur episodisch auftraten.

 

Verbesserungsmöglichkeiten

Viele der Studienteilnehmer waren erst zum ersten Mal in einem Kopfschmerz-Zentrum. Das zeigt, dass hier Potenzial für Verbesserungen in der Behandlung bestehen. Denn eine schnellere Zuweisung in eine spezialisierte Einheit würde den Betroffenen viel Leid ersparen. Hier herrscht noch Aufklärungsbedarf.

Schmerzspezialisten fordern auch ein Umdenken bei der medikamentösen Versorgung der Betroffenen. Denn laut der Studie konzentrieren sich die meisten Patienten fast ausschließlich auf die Behandlung von akuten Schmerzattacken. Hingegen hat nur ein Drittel der Studienteilnehmer in den vorangegangenen Monaten vorbeugende Medikamente genommen. Allgemein hatte nur die Hälfte (52,3 Prozent) der Patienten jemals eines der fünf Standardmedikamente zur Prophylaxe verwendet.

Außerdem bekam fast ein Drittel der Studienteilnehmer im vorangegangenen Jahr eine Bildgebung des Gehirns. Und zwar eint MRT oder CT, um Fehldiagnosen auszuschließen. Zudem wollen offenbar viele Betroffene mit langandauernden Kopfschmerz-Historien, dass man bereits durchgeführte bildgebenden Untersuchungen nach ein paar Jahren wiederholt. Weil sie mit ihrer Behandlung unzufrieden sind. Doch diesen übermäßigen Gebrauch von bildgebenden Verfahren sollte man reduzieren, Stattdessen brauchen Allgemeinärzte und Neurologen bessere Informationen, um die medikamentöse Behandlung zu verbessern.

Literatur:

Karin Zebenholzer, Colette Andree, Anita Lechner, Gregor Broessner, Christian Lampl, Gernot Luthringshausen, Albert Wuschitz, Sonja-Maria Obmann, Klaus Berek, Christian Wöber. Prevalence, management and burden of episodic and chronic headaches. A cross-sectional multicentre study in eight Austrian headache centres. J Headache Pain. 2015; 16: 46. Published online 2015 May 19. doi: 10.1186/s10194-015-0531-7

Arne May. Hints on Diagnosing and Treating Headache. Dtsch Arztebl Int. 2018 Apr; 115(17): 299–308.
Published online 2018 Apr 27. doi: 10.3238/arztebl.2018.0299


Quelle: Österreichische Schmerzgesellschaft

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Alfred Felsberger

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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