Immuntherapie bei Kopf-Hals-Tumoren verbessern die Therapie deutlich

T-Lymphozyten attackieren Krebszellen, Checkpointinhibitoren sollen das verhindern und die Tumoren »verstecken. © UGREEN 3S / shutterstock.com

T-Lymphozyten attackieren Krebszellen, Checkpointinhibitoren sollen das verhindern und die Tumoren »verstecken. © UGREEN 3S / shutterstock.com

Bei der Kopf-Hals-Tumoren hat die Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren die Therapie dieser Krebserkrankungen enorm verbessert.

Unter dem Strich brachte die Veröffentlichung der Checkmate-141-Phase-III-Studie zur Kopf-Hals-Tumoren-Therapie mit Immuno-Checkpoint-Inhibitoren weltweit den Durchbruch. Dabei untersuchte die randomisierte, kontrollierte Studie die Wirksamkeit der Immuntherapie mit Immuno-Checkpoint-Inhibitoren bei Tumoren im Kopf-Hals-Bereich (HNSCC). Im Fokus stand dort die Immuntherapie mit dem Wirkstoff Nivolumab – dem sogenannten PD-[Programmed-Cell-Death]-1-Inhibitor. Dabei aktiviert der Wirkstoff das körpereigene Immunsystem durch Ausschaltung von Neutralisierungsmechanismen des Immunsystems – den sogenannten Checkpoints. Seitdem konnten weitere Immuno-Checkpoint-Inhibitoren zur Immuntherapie bei Kopf-Hals-Tumoren die Behandlung dieser Krebs-Erkrankungen deutlich verbessern.

 

Checkpoint-Inhibitoren zur Kopf-Hals-Tumoren-Therapie

Diese sogenannten Checkpoint-Inhibitoren blockieren PD-1 (Programmierter-Zelltod-Protein 1) und machen dann so den Tumor für das Immunsystem sichtbar. Danach können die körpereigene Abwehrmechanismen die Krebszellen effektiv bekämpfen. Mittlerweile sind Checkpoint-Inhibitoren ein fester Bestandteil der Kopf-Hals-Tumoren-Therapie.

Beispielsweise zeigte eine große internationale Phase-III-Studie die Wirksamkeit des PD-1-Inhibitors Pembrolizumab bei Patienten mit Rezidiv beziehungsweise Metastasen. Pembrolizumab war dabei dem bisherigen Standard einer Chemotherapie mit Cetuximab. Cetuximab ist ein Immuntherapeutikum, das den EGF(Epidemial Growth Factor)-Rezeptor fokussiert. Man spricht vom sogenannte  EXTREME-Protokoll.

Tatsächlich bestanden im Vorfeld Zweifel, ob eine Monotherapie mit einem PD-1-Inhibitor tatsächlich die sehr potente, aber auch toxische Dreierkombination des EXTREME-Schemas schlagen könnte. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit gegenüber diesen neuen spektakulären Ergebnissen.

 

Aktuelle Immuntherapie-Zulassungen für die Kopf-Hals-Tumoren-Therapie

Nivolumab (Anti-PD-1, Handelsname Opdivo) ist für Erwachsene mit einem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich zugelassen. Opdivo ist als Monotherapie zur Behandlung des rezidivierten oder metastasierten Plattenepithelkarzinoms des Kopf-Hals-Be- reichs bei Erwachsenen mit einer Progression während (innerhalb 6 Monaten) oder nach einer platinbasierten Therapie indiziert.

Pembrolizumab (Anti-PD-1, Handelsname Keytruda) ist als Monotherapie zur Behandlung des rezidivierenden oder metastasierenden Plattenepithelkarzinoms der Kopf-Hals-Region (HNSCC) mit PD-L1-exprimierenden Tumoren („tumor proportional score“,TPS ≥ 50 Prozent) und einem Fortschreiten der Krebserkrankung während oder nach vorheriger platinbasierter Therapie bei Erwachsenen angezeigt.

Avelumab (Anti-PD-L1, Handelsname Bevencio, Orphan-Drug-Status) ist zugelassen zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Merkel-Zell-Karzinom (MCC), deren Erkrankung nach mindestens einer Chemotherapie fortgeschritten ist.

Pembrolizumab (Anti-PD-1, Handelsname Keytruda) ist als Monotherapie oder in Kombination mit Platin- und 5-Fluorouracil
(5-FU)-Chemotherapie zur Erstlinienbehandlung des metastasierenden oder nicht resezierbaren rezidivierenden Plattenepithelkarzinoms der Kopf-Hals-Region bei Erwachsenen mit PD-L1-exprimierenden Tumoren (Combined Positive Score [CPS] ≥ 1) angezeigt. Zudem kommt der Wirkstoff als Monotherapie zur Behandlung des rezidivierenden oder metastasierenden Plattenepithelkarzinoms der Kopf-Hals-Region mit PD-L1-exprimierenden Tumoren (TPS ≥ 50 %) und einem Fortschreiten der Krebserkrankung während oder nach vorheriger Platin-basierter Therapie bei Erwachsenen zum Einsatz.

Cemiplimab (Anti-PD-1, Sanofi) Für das fortgeschrittene Plattenepithelkarzinom der Haut (heller Hautkrebs, cSCC) gibt es lange Zeit keine systemische Behandlung. Dann konnten aktuelle Studien zeigen, dass etwa jeder zweite cSCC-Patient auf den PD-1-Hemmer Cemiplimab mit einem Rückgang der Tumormasse reagiert. Mittlerweile ist Cemiplimab als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem kutanen Plattenepithelkarzinom zugelassen. Und zwar wenn eine kurative Operation oder kurative Strahlentherapie nicht möglich ist.


Literatur:

Hussaini S, Chehade R, Boldt RG, Raphael J, Blanchette P, Maleki Vareki S, Fernandes R. Association between immune-related side effects and efficacy and benefit of immune checkpoint inhibitors – A systematic review and meta-analysis. Cancer Treat Rev. 2020 Dec 3;92:102134. doi: 10.1016/j.ctrv.2020.102134. Epub ahead of print. PMID: 33302134.

Green SE, McCusker MG, Mehra R. Emerging immune checkpoint inhibitors for the treatment of head and neck cancers. Expert Opin Emerg Drugs. 2020 Nov 16. doi: 10.1080/14728214.2020.1852215. Epub ahead of print. PMID: 33196319.

Cohen EEW, Bell RB, Bifulco CB, Burtness B, Gillison ML, Harrington KJ, Le QT, Lee NY, Leidner R, Lewis RL, Licitra L, Mehanna H, Mell LK, Raben A, Sikora AG, Uppaluri R, Whitworth F, Zandberg DP, Ferris RL. The Society for Immunotherapy of Cancer consensus statement on immunotherapy for the treatment of squamous cell carcinoma of the head and neck (HNSCC). J Immunother Cancer. 2019 Jul 15;7(1):184. doi: 10.1186/s40425-019-0662-5. PMID: 31307547; PMCID: PMC6632213.

Ferris et al. Nivolumab for Recurrent Squamous-Cell Carcinoma of the Head and Neck. N Engl J Med. 2016 Nov 10;375(19):1856-1867. Epub 2016 Oct 8.


Quelle:

Statement » Die Revolution in der Tumortherapie – Integration von immunonkologischen Ansätzen. « Univ.-Professor Dr. med. Andreas Dietz. Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig. 90. Jahresversammlung der DGHNO-KHC.

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