Kopf-Hals-Tumoren-Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren verbessern

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Lena Abensberg
Lena Abensberg
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Bei der Kopf-Hals-Tumoren-Therapie soll zukünftig die Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren die Behandlung dieser Krebserkrankungen revolutionieren.

Unter dem Strich brachte die Veröffentlichung der Checkmate-141-Phase-III-Studie zur Kopf-Hals-Tumoren-Therapie mit Immuno-Checkpoint-Inhibitoren weltweit den Durchbruch. Dabei untersuchte die randomisierte, kontrollierte Studie die Wirksamkeit der Immuntherapie mit Immuno-Checkpoint-Inhibitoren bei Krebs im Kopf-Hals-Bereich (HNSCC). Im Fokus stand dort die Immuntherapie mit dem Wirkstoff Nivolumab – dem sogenannten PD-[Programmed-Cell-Death]-1-Inhibitor. Dabei aktiviert der Wirkstoff das körpereigene Immunsystem durch Ausschaltung von Neutralisierungsmechanismen des Immunsystems – den sogenannten Checkpoints.

 

Checkpoint-Inhibitoren zur Kopf-Hals-Tumoren-Therapie

Diese sogenannten Checkpoint-Inhibitoren blockieren PD-1 (Programmierter-Zelltod-Protein 1) und machen dann so den Tumor für das Immunsystem sichtbar. Danach können die körpereigene Abwehrmechanismen die Krebszellen effektiv bekämpfen. Mittlerweile sind Checkpoint-Inhibitoren ein fester Bestandteil der Kopf-Hals-Tumoren-Therapie.

Beispielsweise zeigte eine große internationale Phase-III-Studie die Wirksamkeit des PD-1-Inhibitors Pembrolizumab bei Patienten mit Rezidiv beziehungsweise Metastasen. Pembrolizumab war dabei dem bisherigen Standard einer Chemotherapie mit Cetuximab. Cetuximab ist ein Immuntherapeutikum, das den EGF(Epidemial Growth Factor)-Rezeptor fokussiert. Man spricht vom sogenannte  EXTREME-Protokoll.

Tatsächlich bestanden im Vorfeld Zweifel, ob eine Monotherapie mit einem PD-1-Inhibitor tatsächlich die sehr potente, aber auch toxische Dreierkombination des EXTREME-Schemas schlagen könnte. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit gegenüber diesen neuen spektakulären Ergebnissen.

Aktuelle Immuntherapie-Zulassungen für die Kopf-Hals-Tumoren-Therapie

Nivolumab (Anti-PD-1, Handelsname Opdivo) ist für Erwachsene mit einem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich zugelassen. Opdivo ist als Monotherapie zur Behandlung des rezidivierten oder metastasierten Plattenepithelkarzinoms des Kopf-Hals-Be- reichs bei Erwachsenen mit einer Progression während (innerhalb 6 Monaten) oder nach einer platinbasierten Therapie indiziert.

Pembrolizumab (Anti-PD-1, Handelsname Keytruda) ist als Monotherapie zur Behandlung des rezidivierenden oder metastasierenden Plattenepithelkarzinoms der Kopf-Hals-Region (HNSCC) mit PD-L1-exprimierenden Tumoren („tumor proportional score“,TPS ≥ 50 Prozent) und einem Fortschreiten der Krebserkrankung während oder nach vorheriger platinbasierter Therapie bei Erwachsenen angezeigt.

Avelumab (Anti-PD-L1, Handelsname Bevencio, Orphan-Drug-Status) ist zugelassen zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Merkel-Zell-Karzinom (MCC), deren Erkrankung nach mindestens einer Chemotherapie fortgeschritten ist.

 

Erwartete Zulassungen

Pembrolizumab (Anti-PD-1, Handelsname Keytruda) wird auf Basis der Daten der KN-048 als Monotherapie und/oder Kombinationstherapie mit Cisplatin/Carboplatin zur Behandlung des rezidivierenden oder metastasierenden Plattenepithelkarzinoms der Kopf-Hals-Region (HNSCC) mit PD-L1-exprimierenden Tumoren („combined positive score“, CPS ≥ 1 oder 20) und einem Fortschreiten der Krebserkrankung in der Erstlinientherapie bei Erwachsenen angezeigt (persönliche Autorenmeinung, nicht offiziell bestätigt).

Cemiplimab (Anti-PD-1, Sanofi) Für das fortgeschrittene Plattenepithelkarzinom der Haut (heller Hautkrebs, cSCC) gibt es bisher keine systemische Behandlung. Allerdings konnten aktuelle Studien zeigen, dass etwa jeder zweite cSCC-Patient auf den PD-1-Hemmer Cemiplimab mit einem Rückgang der Tumormasse reagiert. Nach FDA-Zulassung und positiver EMA-Einschätzung erwarten Experten eine baldige Zulassung.


Literatur:

Ferris et al. Nivolumab for Recurrent Squamous-Cell Carcinoma of the Head and Neck.
N Engl J Med. 2016 Nov 10;375(19):1856-1867. Epub 2016 Oct 8.


Quelle:

Statement » Die Revolution in der Tumortherapie – Integration von immunonkologischen Ansätzen. « Univ.-Professor Dr. med. Andreas Dietz. Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig. 90. Jahresversammlung der DGHNO-KHC.

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