Das Kontaktekzem – Kontaktallergie – eine Hautallergie

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Ein Kontaktekzem (Kontaktdermatitis) wird auch als Kontaktallergie bezeichnet. Welche Auslöser sind wesentlich? Was ist diagnostisch wichtig? Was ist therapeutisch bei Hautallergie zielführend?

Allergische Erkrankungen haben über die letzten Jahrzehnte in den modernen Gesellschaften dramatisch zugenommen und wurden erst kürzlich als »Geißel des 21.Jahrhunderts« tituliert, worin sich deren enorme gesundheitspolitische und sozioökonomische Bedeutung widerspiegelt. Hinter dem Begriff »Allergie« verbirgt sich eine Vielzahl von klinisch und pathogenetisch heterogenen Entitäten, deren Gemeinsamkeit die entzündliche Auseinandersetzung des Organismus mit zumeist von außen einwirkenden Stoffen darstellt. Da die klinisch erkennbaren Symptome auf einer aktiv-entzündlichen Reaktion des Immunsystems beruhen, ist deren Variabilität begrenzt. Was auf den ersten Blick als Vorteil erscheinen mag, erschwert jedoch für den Patienten wie den um Hilfe aufgesuchten Arzt oft ­erheblich die Suche nach dem konkreten Auslöser, da ein und dasselbe Reaktionsmuster durch verschiedene Allergene induziert sein kann, aber auch ein und das­selbe Allergen verschiedene Reaktionsmuster auszulösen vermag. Unter den häufigsten allergischen Haut­reaktionen finden sich das allergische Kontaktekzem und die kutanen Arzneireaktionen.

 

Das Kontaktekzem – eine Hautallergie, die auch Kontaktallergie genannt wird

Das Kontaktekzem (Kontaktdermatitis) genannt, ist eine Entzündung der Haut und gehört zur großen Gruppe der Ekzemkrankheiten, die zu den häufigsten Hautkrankheiten überhaupt zählen. Die Wahrscheinlichkeit, zumindest einmal im Leben an einem Ekzem zu erkranken, liegt bei nahezu 100%.

Das allergische Kontakt­ekzem – Kontaktdermatitis, Kontaktallergie, Hautallergie – setzt eine zumeist klinisch unauffällige Sensibilisierungsphase voraus und wird durch den nachfolgenden Kontakt mit dem auf die Haut einwirkenden Allergen ausgelöst.

Dieser Kontakt kann offensichtlich fühl- und spürbar sein, es ist aber auch möglich, dass er über feinste Substanzspuren in der Luft »aerogen« oder sogar innerlich »hämatogen« erfolgt.

 

Welche Auslöser sind ­bei einem Kontaktekzem wesentlich?

Prinzipiell können sowohl (Fremd-)Proteine wie auch kleins­te niedermolekulare Strukturen (<1kDa) und ­Metallionen – wahr­scheinlich aber keine Zucker – eine Sensibilisierung induzieren, wobei die allergene Potenz nur unzureichend aus der chemischen Struktur ableitbar ist.

Der in modernen Gesellschaften lebende Mensch hat mehr oder weniger regelmäßig Haut- oder Schleimhautkontakt mit ca. 50.000 chemisch defi­nierten Substanzen, von denen ca. 4.000 als Kontakt­allergene bekannt sind.

Nach Kontakt mit diesen Fremdstoffen hat die Haut mehrere Möglichkeiten, zu reagieren:

  • Keine sicht- und fühlbare Reaktion (Toleranz, bei weitem der häufigste Fall)
  • Innerhalb von Stunden brennende bis ­schmerzhafte Rötung, später vielleicht auch ­Bläschen, Blasen und Nekrosen (irritatives oder auch toxisches Ekzem); tritt die gleiche ­Reaktion erst nach vielfachem Kontakt und erst nach Tagen oder ­Wochen auf, spricht man von einer kumulativ-­toxischen ­Ekzemreaktion ­(»Hausfrauenekzem«)
  • Zuerst scheinbar keine Reaktion, aber ­innerhalb von 7bis 14 Tagen Sensibilisierung von Abwehrzellen; bei ­einem wiederholten Kontakt mit der ­sensibilisierenden Substanz innerhalb von Stunden oder Tagen Auftreten von lokalisiertem oder auch streuendem Juckreiz, ­Brennen, Rötung, Bläschen (allergische Reaktion)

Obwohl das allergische Kontakt­ekzem seltener als das irritative oder toxische auftritt, stellt es doch den hauptsächlichen Grund für eine Berufsunfähigkeit bzw. Umschulung wegen einer Hautkrankheit dar.

 

Welche Kontaktallergene ein Kontaktekzem hervorrufen

Insbesondere modische Strömungen unseres gesellschaftlichen Lebens beinflussen immer wieder die Häufigkeit bestimmter Kontaktallergene, wie am Beispiel der Sensibilisierungshäufigkeit auf Terpentin (durch häufigen Gebrauch von Teebaumöl-Präparaten) und besonders Farbstoffe wie das Para-Phenylendiamin (PPD) durch Tattoo-Applikation zu erkennen ist.

In den aktuellen Hitlisten der häufigsten Kontakt­allergene finden sich Nickel, Duftstoffe, Perubalsam, Para-Phenylendiamin und die Konservierungsmittel Methyldibromoglutaronitril (Kosmetika) Thiomersal (Impfstoffe) unter den führenden.

 

Welche diagnostischen Maßnahmen ­stehen bei Kontaktekzem zur Verfügung?

Die Diagnose ergibt sich aus dem klinischen Bild und anhand der dazugehörigen (Berufs-)­Anamnese, differentialdiagnostische Überlegungen beziehen sich vor ­allem auf die Abgrenzung zu anderen Ekzemformen. Zur Bestätigung bzw. zum Screening auf eine Kontaktallergie wird der bereits 1895 in die Medizin eingeführte und seither laufend verbesserte Epikutantest angewendet, wobei zur Vermeidung von Fehlinterpretationen folgende Punkte unbedingt beachtet werden müssen:

  • Der Test sollte dann nicht durchgeführt werden, wenn die zugrunde liegende Erkrankung noch »aktiv«, d.h. nicht weitgehend abgeheilt ist, denn sonst könnte der Patient einen neuen Schub erleiden.
  • Der Patient sollte in den Tagen zuvor keine intensive Sonnenbestrahlung (auch kein Sola­riumbesuch!) am Rücken gehabt haben.
  • Eine Vorbehandlung des Test­areals (Rücken) mit ­externen Kortikosteroiden sollte ebenfalls zumindest 10 Tage zurückliegen.
  • Des weiteren sollte der Test nicht durchgeführt werden, wenn ihm keine sinnvolle Frage zugrunde liegt.

Das bedeutet zum Beispiel, dass der Test nicht eingesetzt werden kann, um die vielleicht zukünftige Entwick­lung einer Allergie »vorauszusagen«. Ebenso kann er nicht zur Abklärung von Beschwerden dienen, die sich als nichtallergische »Befindlichkeitsstörungen« manifestieren. Eine Schwangerschaft ist übrigens in der Regel kein Grund, auf einen Epikutantest, wenn er erforderlich ist, zu verzichten.

 

Welche Maßnahmen sind bei Kontaktekzem therapeutisch zielführend?

Die Erscheinungsfreiheit der betroffenen Haut kann nur durch ein striktes Meiden der auslösenden Allergene erzielt werden, dies schließt auch das Meiden von kreuzreaktiven Allergenen ein. So sollte z.B. ein Nickel­allergiker auch kein Palladium oder Kobalt in Kontakt mit Haut oder Schleimhäuten bringen.

Bei beruflicher Belastung können ein Wechsel des Arbeitsplatzes oder gar eine Umschulung erforderlich werden, wenn geeignete Schutzmaßnahmen (Handschuhe etc.) fehlschlagen. Zwar wird oft der – durchaus sinnvolle – Einsatz von Hautschutzprodukten empfohlen, diese sind aber keinesfalls als ­eine Art »flüssiger Handschuh« zu verstehen und somit auch kein Ersatz für Schutzhandschuhe.

Zur Therapie stehen Medikamente wie die Kortikosteroide zur Verfügung, wobei die galenischen Grundsätzezu beachten sind. Dabei gilt: »feucht auf feucht«. Denn nässende Ekzeme benötigen Gel-, Milch- sowie Cremezubereitungen, damit die Wirkstoffe des Präparats in die betroffene Haut penetrieren können.

In der Naturheilkunde sieht man beispielsweise das Ekzem im Zusammenhang mit Darmproblemen, daher wird eine Darmsanierung eingeleitet. In der Pflanzenheilkunde werden Ekzeme seit Jahrhunderten mit pflanzlichen Salben, Lösungen und Tinkturen behandelt.

Die Phytotherapie wird auch von Dermatologen und anderen Spezialisten immer öfter eingesetzt. Nicht zuletzt, da dies dem Wunsch der meisten Patienten entspricht. Grundsätzlich kommen sehr viele verschiedene Pflanzeninhaltsstoffe zum Einsatz. Allerdings sollten Patienten aber jede Anwendung unbedingt mit einem Arzt besprechen. Denn man kann ein Kontaktekzem durch den Einsatz falscher Substanzen auch deutlich verschlechtern.

Quelle: Haut und Allergien. Kontaktekzem und kutane Arzneireaktionen. Univ.-Prof. Dr. Birger Kränke. MEDMIX 05/2006.

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Chefredakteur Dr. Reinhold Lautner

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