Wann Konflikte in Paarbeziehungen zu Trennung und Scheidung führen

Viele Paarbeziehungen sind durch chronische Konflikte und Krisen gekennzeichnet. © SIM VA / shutterstock.com

Viele Paarbeziehungen sind durch chronische Konflikte und Krisen gekennzeichnet. © SIM VA / shutterstock.com

Wichtiger Prädiktor für Trennung und Scheidung ist die individuelle emotionale Erregung in Paarbeziehungen während der Konflikte und Diskussionen.

Lassen sich Trennung oder Scheidung vorhersagen? Und wie lassen sie sich verhindern? Warum Prävention von Trennung und Scheidung? Über Kulturen hinweg bezeichnen Männer und Frauen eine stabile und andauernde Partnerschaft als zentralen und bedeutsamen Aspekt ihres Lebens. Allerdings enden in unseren Breiten mindestens 40 Prozent der Ehen zukünftig in Scheidung. Wobei häufig chronische Konflikte und Krisen viele Paarbeziehungen kennzeichnet. Schließlich können diese dann für viele Partner psychosoziale Langzeitbeeinträchtigungen nach sich ziehen. Und zwar besonders für die Kinder. Beispielsweise sind pro Jahr etwa 150000 minderjährige Kinder von einer Scheidung betroffen.

 

Kurse zur Förderung der langfristigen Zufriedenheit der Partner zur Prävention von Problemen und Konflikten in Paarbeziehungen

Die Tatsache, dass einerseits Trennungen und Scheidungen sehr häufig sind und andererseits eine zufriedenstellende Partnerschaft einen wichtigen Faktor zur Aufrechterhaltung des Wohlbefindens und der Gesundheit der Betroffenen und ihrer Familien darstellt, verdeutlicht den großen Bedarf an frühzeitigen und ökonomischen Interventionen zur Förderung der langfristigen Zufriedenheit der Partner und zur Prävention von Problemen und Konflikten in Paarbeziehungen.

Ziel von Angeboten zur Präventionsangeboten wie beispielsweise das „EPL: Ein Partnerschaftliches Lernprogramm“ ist es, angemessene Kommunikation und Problemlösung zu fördern. Weiter die Aufmerksamkeit der Partner füreinander zu verbessern. Wobei beziehungsrelevante Erwartungen und Einstellungen sowie der Bereich der Sexualität Berücksichtigung finden.

Die EPL-Kurse führen zwei zertifizierte Trainer  in Gruppen zu vier Paaren an einem Wochenende durch. Da Partnerschaftskonflikte einen wichtigen Bestandteil des Zusammenseins darstellen, geht es nicht darum, diese zu verhindern. Hingegen geht es vielmehr darum, die Kompetenzen des Paares für den Umgang mit zukünftigen Konflikten zu steigern.

In der Regel berichten Paare nach der Teilnahme am EPL eine hohe Zufriedenheit mit dem Programm. In drei Langzeitstudien an 180 Paaren mit Katamnesen von elf bis 25 Jahren konnte gezeigt werden, dass die Rate an Scheidungen um circa 50 Prozent gesenkt werden kann. Die Ergebnisse dieser prospektiven Längsschnittstudien verdeutlichen den Einfluss universeller Partnerschaftsinterventionen auf die Funktionsfähigkeit von Paaren über einen Zeitraum bis zu 25 Jahren.

 

Können wir Scheidung vorhersagen?

Im Grunde genommen ist die individuelle emotionale Erregung in Paarbeziehungen während partnerschaftlicher Konflikte und Diskussion ein bedeutsamster empirischer Prädiktor für Trennung und Scheidung. Die Sprachgrundfrequenz (f0) als vokaler Index emotionaler Erregung basiert auf der menschlichen Stimme. Wobei höhere f0-Werte als höhere Stimmlage wahrgenommen werden. Dies hängt mit einer Reihe ungünstiger Partnerschaftsfaktoren zusammen. Zum Beispiel mehr negatives und weniger positives Kommunikationsverhalten.


Literatur:

Kliem S, Weusthoff S, Hahlweg K, Baucom KJ, Baucom BR. Predicting long-term risk for relationship dissolution using nonparametric conditional survival trees. J Fam Psychol. 2015 Dec;29(6):807-17. doi: 10.1037/fam0000134. Epub 2015 Jul 20. PMID: 26192131.

Hahlweg K, Richter D. Prevention of marital instability and distress. Results of an 11-year longitudinal follow-up study. Behav Res Ther. 2010 May;48(5):377-83. doi: 10.1016/j.brat.2009.12.010. Epub 2010 Jan 4. PMID: 20053393.


Quelle:

Statement zu Paarbeziehungen von Professor em. Dr. Kurt Hahlweg, Niedersachsenprofessor für Klinische Psychologie und Psychotherapie, TU Braunschweig, Institut für Psychologie, Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Diagnostik. Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie „Beziehung und Gesundheit“, 2016.

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