Koffein und Stress mit positiver Wirkung und Verbesserung diverser Symptome

Kaffee und Stress © fizkes / shutterstock.com

Kaffee und Stress © fizkes / shutterstock.com

Der Wirkstoff Koffein kann bei chronischem Stress eine positive Wirkung entfalten und führt zur Verbesserung diverser Symptome.

Im Gunde genommen lindert Koffein vor allem die Angst unter chronischen Stressbedingungen. Dauerhaft eingesetztes Koffein verbessert auch die kognitiven Funktionen unter akutem und chronischem Stress. In verschiedenen Forschungen nahmen jedenfalls Wissenschaftler Koffein und Stress unter die Lupe. Es zeigte sich beispielsweise, dass synthetische Substanzen mit Koffein-artiger Wirkung bei erwachsenen Mäusen, die unter Stresssymptomen litten, zu einer Besserung der Beschwerden führten. Sie schnitten bei Gedächtnistests besser ab und depressive Symptome milderten sich im Vergleich zu unbehandelten Tieren. Zudem zeigten rezente Tiermodelle, dass kKoffein schluckende und alternde Tiere eine hohe Resistenz gegenüber oxidativem Stress brachten sowie die Expression antioxidativer Proteine erhöhten.

 

Koffein und Stress vorbeugen

Chronischer Stress macht bekanntlich krank. Wenn jemand dauerhaft im Alltag – beruflich und/oder privat – Probleme hat, im Schlaf häufig gestört wird oder unter großem Leistungsdruck leidet, bekommt allmählich schlechte Laune. Zudem droht sogar eine Depression. Unter dem Strich können sich BEtroffene nicht mehr richtig konzentrieren oder leiden zunehmend unter ihrer schlechten Stimmung.

Koffein kann diese gefährliche Stress-Spirale durchbrechen oder ihr sogar vorbeugen. Das hat ein internationales Forscherteam unter Federführung der portugiesischen Universität Coimbra unter Beteiligung der Bonner Universität herausgefunden.

Die Wissenschaftler behandelten Mäuse, die mehrere Wochen unter Stresssymptomen litten, mit Koffein oder einem synthetischen Wirkstoff, der – ähnlich wie das Koffein, aber viel stärker und mit hoher Spezifität – Adenosin-A2A-Rezeptoren blockiert. Die Tiere nahmen die Substanzen mit dem Trinkwasser oder mit der Nahrung auf. Daraufhin besserten sich die Stresssymptome.

Die Nager lösten sich aus ihrer depressiven Erstarrung, waren weniger ängstlich, schnitten bei Gedächtnistests besser ab als die unbehandelte Kontrollgruppe und zeigten auch im Hirnstoffwechsel eine Normalisierung der Botenstoffe und Gehirnzellen.

 

Adenosin-Rezeptor A2A ist für Stress-Symptome verantwortlich

Wie die portugiesischen Forscher mit ihren Kollegen aus Brasilien, Oman, USA und der Universität Bonn zeigen konnten, wird bei Stress der Adenosin-Rezeptor A2A im Gehirn hochreguliert und führt dann zu den entsprechenden Symptomen.

Die Rezeptoren stellen Proteine dar, an die ganz bestimmte Signalmoleküle binden und dadurch Signalprozesse im Inneren der lebenden Zelle auslösen können.

Wenn in den Mäusen das Gen, das den Rezeptor A2A codiert, stumm geschaltet oder wurde der Rezeptor durch Koffein oder spezifische A2A-Hemmer blockiert wurde, dann klangen die Beschwerden durch den anhaltenden Stress ab. Insbesondere verbesserte sich durch die Koffeingaben wieder die Gedächtnisleistung der Tiere.

Prof. Müller hatte in einer vorangegangenen Studie bereits gezeigt, dass sich Koffein auch positiv auf die Tau-Ablagerungen bei der Alzheimer-Krankheit auswirkt, die letztlich zu den fortschreitenden Gedächtniseinbußen bei dieser Erkrankung führen.

 

Forscher der Universität Bonn entwickelten synthetische Wirkstoff

Ein Pharmazeuten-Team der Universität Bonn hat für diese Studie die Synthese der Wirkstoffe entwickelt. Und sie stellten diese in größeren Mengen für die Experimente her. Die neue Substanz ist dem Koffein sehr ähnlich, hat aber weniger Nebenwirkungen, und blockiert ausschließlich die A2A-Rezeptoren.

Dadurch kommt es zu einer deutlich stärkeren Wirkung als die des Koffeins. Die Mäuse erhielten den Wirkstoff nicht in großen Mengen. Denn er entfaltete schon in geringerer Dosierung seinen Effekt.

 

Ansatzpunkt für neue Therapien

Intuitiv nutzen viele Menschen die Adenosinrezeptoren blockierende Wirkung von Koffein. Die Erfahrung zeigt: Wer unter Stress steht, trinkt meist mehr Kaffee oder Tee – in beiden Getränken ist Koffein enthalten.

Koffeinkonsum in höherer Dosierung kann zwar auch mit Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden einhergehen gehen. Aber gegen ein paar Tassen Kaffee oder Tee täglich sei für ansonsten gesunde Personen nichts einzuwenden.

Koffein könnte auch ein interessanter Ansatzpunkt für die Entwicklung neuartiger Stresstherapien zur Behandlung der Folgen von größerem Stress beim Menschen sein. Dazu gehören die Verbesserung der Gedächtnisleistung bis hin zur Therapie von posttraumatischen Belastungsstörungen.


Literatur:

Min H, Youn E, Shim YH. Long-Term Caffeine Intake Exerts Protective Effects on Intestinal Aging by Regulating Vitellogenesis and Mitochondrial Function in an Aged Caenorhabditis Elegans Model. Nutrients. 2021 Jul 23;13(8):2517. doi: 10.3390/nu13082517. PMID: 34444677; PMCID: PMC8398797.

Kasimay Cakir O, Ellek N, Salehin N, et al. Protective effect of low dose caffeine on psychological stress and cognitive function. Physiol Behav. 2017;168:1‐10. doi:10.1016/j.physbeh.2016.10.010

Kaster MP, Machado NJ, Silva HB, et al. Caffeine acts through neuronal adenosine A2A receptors to prevent mood and memory dysfunction triggered by chronic stress. Proc Natl Acad Sci U S A. 2015;112(25):7833–7838. doi:10.1073/pnas.1423088112

Die mobile Version verlassen