Kochsalz, Bluthochdruck und die Darmflora

Kochsalz © Itor / shutterstock.com

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Bislang ist unklar, wie der übermässige Konsum von Kochsalz Bluthochdruck verursacht – offensichtlich scheint die Darmflora eine wichtige Rolle einzunehmen.

Nich mehr als fünf Gramm Kochsalz pro Tag  sollte ein gesunder Erwachsener konsumieren, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO. In westlichen Ländern wird dieser Wert jedoch häufig überschritten. Problematisch dabei sind Fertigprodukte, die oft deutlich zu viel Kochsalz enthalten. Durch den zu hohen Konsum von Kochsalz steigt das Risiko für Bluthochdruck. Doch auf welche Weise das Salz den Blutdruck in die Höhe treibt, ist bislang weitgehend unklar. Eine von Dr. med. Nicola Wilck von der Berliner Charité vorgelegte Arbeit gibt Hinweise darauf, dass Veränderungen der Darmflora hierbei eine wesentliche Rolle spielen. Für die kürzlich im Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlichte Studie bekam Wilck den Theodor-Frerichs-Preis der die Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.

 

Blutdrucksteigernde Wirkung von Kochsalz bei Bluthochdruck

Lange Zeit wurde angenommen, dass die blutdrucksteigernde Wirkung von Kochsalz beziehungsweise des in ihm enthaltenen Natriums vor allem über die Nieren und das sympathische Nervensystem entsteht. Doch jüngste Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass auch das Immunsystem an diesem Prozess beteiligt ist. So steigt etwa die Aktivität entzündungsfördernder T-Zellen unter Kochsalz-Einfluss.

Besonders eine Gruppe, die so genannten Interleukin-17A-produzierenden CD4-positiven T-Helfer- Zellen (kurz Th-17), wurde in Studien durch einen hohen Kochsalz-Konsum aktiviert und in Verbindung mit der Entstehung von Bluthochdruck gebracht.

Auch bei Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) zeigte sich in Tierversuchen ein Zusammenhang zwischen hohem Kochsalz-Konsum, einer Aktivierung der Th-17-Zellen und einer Verschlechterung der Krankheit. An dieser Stelle kommt ein weiteres mögliches Bindeglied in der Kochsalz-Kaskade ins Spiel: Die Zusammensetzung des sogenannten Darmmikrobioms, also der Gesamtheit der Bakterien im Darm. Denn zum einen verändert sich die Darmflora in Abhängigkeit von der Ernährung, zum anderen erwiesen sich in früheren Studien gerade die Th-17-Zellen als besonders empfindlich gegenüber solchen Veränderungen.

 

Darmflora und hoher Kochsalz-Konsum im Mausmodell untersucht

Nicola Wilck und seine Kollegen haben untersucht, wie die Darmflora von Mäusen auf einen hohen Kochsalz-Konsum reagiert. Wie sich zeigte, nahmen einige Bakterienarten unter der salzreichen Ernährung zu, andere dagegen nahmen ab oder verschwanden ganz. Besonders der Verlust von Milchsäurebakterien war dabei bedeutsam. Wurden diese wieder zugeführt, milderte das die negativen Effekte einer salzreichen Diät ab. Bei den so behandelten Mäusen fiel der Blutdruckanstieg wesentlich geringer aus, und auch die unter Salzeinfluss auftretende Verschlimmerung einer MS-ähnlichen Erkrankungen wurde aufgehoben. Zuletzt konnten die Wissenschaftler noch Hinweise darauf sammeln, dass ihre Ergebnisse sich auch auf den Menschen übertragen lassen: Bei gesunden Probanden stieg unter einer salzreichen Kost der Blutdruck, die Zahl der Th-17-Zellen nahm zu, die der Lactobazillen ab.


Literatur:

Wilck N, Matus MG, Kearney SM, Olesen SW, Forslund K, Bartolomaeus H, Haase S, Mähler A, Balogh A, Markó L, Vvedenskaya O, Kleiner FH, Tsvetkov D, Klug L, Costea PI, Sunagawa S, Maier L, Rakova N, Schatz V, Neubert P, Frätzer C, Krannich A, Gollasch M, Grohme DA, Côrte-Real BF, Gerlach RG, Basic M, Typas A, Wu C, Titze JM, Jantsch J, Boschmann M, Dechend R, Kleinewietfeld M, Kempa S, Bork P, Linker RA, Alm EJ, Müller DN. Salt-responsive gut commensal modulates TH17 axis and disease. Nature. 2017 Nov 30;551(7682):585-589. doi: 10.1038/nature24628. Epub 2017 Nov 15. PMID: 29143823; PMCID: PMC6070150.

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