Knochenbruch-Erkrankung – Osteoporose

Osteoporotische Knochenbrüche gehören bei Frauen ab 50 Jahre zu den häufigsten Leiden. © thailoei92 / shutterstock.com

Osteoporotische Knochenbrüche gehören bei Frauen ab 50 Jahre zu den häufigsten Leiden. © thailoei92 / shutterstock.com

Die Osteoporose, die Knochenbruch-Erkrankung, ist auf die Dauer der Spitalstage gerechnet kostenintensiver als jede andere Erkrankung.

Obwohl die Osteoporose, die Knochenbruch-Erkrankung, in der westlichen Welt die häufigste Erkrankung der postmenopausalen Frau darstellt, ist sie zumeist unterdiagnostiziert und bedauerlicherweise auch untertherapiert. Wobei eine Vielzahl effektiver Therapien zur Verfügung stehen.

 

Knochenbruch-Erkrankung besser verständlich

Kaum ein Laie, respektive älterer Mensch, kann mit dem Begriff Osteoporose etwas anfangen: Knochenbruch-Erkrankung klingt da um einiges logischer und besser verständlich. Ärzte sollten damit beginnen, den Begriff Knochenbruch-Erkrankung zu verwenden.

 

Schon der erste Knochenbruch sollte verhindert werden

Es ist das erklärte (aber wahrscheinlich zu optimistische) Ziel, bereits den ersten Knochenbruch zu vermeiden, indem bereits bei einer verminderten Knochendichte und/oder bestehenden Risikofaktoren eine Therapie eingeleitet wird. Zur Frühselektion von frakturgefährdeten Menschen stehen uns altbewährte Methoden, wie die Knochendichtemessung, und neue innovative Methoden, wie die mikroRNA-Analyse zur Verfügung. Während Erste nur sehr selten das Frakturrisko des Einzelnen vorhersagen kann und die meisten Brüche bereits im Bereich der Osteopenie (T-Score -1.0 – -2.5 SD) auftreten und die Knochendichtemessung sich daher bestenfalls als weitverbreitete Screening-Methode eignet, ist die mikroRNA-Analyse ein Schritt in Richtung „personalisierte Medizin“ – sprich: das persönliche Risiko des Einzelnen kann bestimmt werden.

 

Unzureichende Therapie bringt viel Leid und hohe Kosten

Es gibt zahlreiche Daten dazu, dass einerseits die Verschreibungshäufigkeit von spezifischen Osteoporose-Medikamenten/Knochenschutzpräparaten auch bei Patienten mit bereits manifester Erkrankung, also bei bereits erfolgtem klinischen Knochenbruch, in Österreich nur bei rund 12 Prozent liegt, und bei Patienten nach hüftgelenksnaher Fraktur sind es gar nur 3 Prozent.

Eine Tatsache, die erschreckt, denn es wäre beispielsweise unvorstellbar, wenn Herzspezialisten Patienten nach einem Herzinfarkt nicht adäquat therapieren würden, oder Onkologen nach der Diagnose eines Krebsleidens den Patienten die manchmal lebensrettende oder zumindest lebensverlängernde Therapie vorenthalten würden.

 

Knochenbruch-Erkrankung: unsichtbar mit fatalen Folgen

Warum ist die Behandlungsrate in Österreich dann so beschämend unzureichend? Weil die Patienten, die an hochgradiger Knochenbruch-Erkrankung leiden, nicht sichtbar sind. Diese Menschen verschwinden im wahrsten Sinne des Wortes von der Bildfläche des öffentlichen Lebens. Betroffene mit zahlreichen Knochenbrüchen trauen sich nicht mehr ihre Wohnung zu verlassen, aus Angst vor dem nächsten Sturz und dem nächsten Bruch. Zahlreiche Patienten sind infolge der Knochenbrüche immobil und bettlägerig.

Fallbeispiel. Beispielsweise musste eine Patientin eine Schenkelhalsfraktur erleiden, aber aufgrund des Alters und einer Herzerkrankung wurde keine operative Sanierung der Fraktur durchgeführt. Was bedeutet dies aber für die Patientin? Diese Dame, die im April noch eine Koronarangiografie mit Stent-Implantation hatte und die bis zu ihrem Sturz vollkommen mobil war und aktiv am Leben teilnehmen konnte, liegt nun seit Wochen im Bett mit Schmerzen, vollgepumpt mit Morphium und einem größer werdenden Dekubital Ulkus (Druckgeschwür). Sie hat keine Aussicht, jemals wieder das Bett verlassen zu können, und wartet darauf „erlöst“ zu werden.

 

Tödliche Knochenbruch-Erkrankung, dramatische Folgen der Osteoporose für den Einzelnen

Patienten sterben an den Komplikationen unmittelbar nach einem Knochenbruch – häufig während der „Wartezeit“ auf die Operation, die bedauerlicherweise sehr oft nicht wenige Stunden, sondern einige Tage beträgt. Infektionen, Immobilisierung und Blutungen verstärken vorbestehende Herzerkrankungen, führen zu Thrombosen, Blutdruckkrisen, Tachykardien, Fieber und anderen Komplikationen. Und dann lautet die am häufigsten codierte Todesursache „kardiorespiratorische Insuffizienz“ – Herz-Kreislaufversagen. Aber Auslöser war die Osteoporose. Die Sterblichkeit nach einer hüftgelenksnahen Fraktur beträgt 20% innerhalb der ersten 12 Monate. Aber es sind nicht nur hüftgelenksnahe Frakturen, die mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergehen.

Jede klinische Fraktur erhöht das Mortalitätsrisiko des betroffenen Individuums. Mit jedem Wirbelbruch nimmt die Vitalkapazität, sprich die Fähigkeit zu atmen, ab. Dies wirkt sich natürlich enorm auf die Lebensqualität aus – nicht genug Luft zu bekommen. Bei multiplen Wirbelbrüchen nimmt durch die Rundrückenbildung der Druck der Bauchorgane auf das Zwerchfell zu, es kommt zum Zwerchfellhochstand beziehungsweise Zwerchfellbruch und die Lunge wird durch den Magen und den Darm verdrängt (Röntgenbild – man sieht, wie wenig Lungenvolumen hier dem Betroffenen noch zur Verfügung steht).

Besonders erschreckend ist die Kombination von Wirbelbrüchen und (Serien-) Rippenfrakturen. Damit wird der knöcherne Thorax so instabil, dass die Patienten ihren Brustkorb nicht entfalten können, nicht mehr atmen können und letztendlich an Sauerstoffmangel versterben. So führt  Osteoporose nicht selten zum Erstickungstod – als Todesursache codiert: „Respiratorische Insuffizienz“.

 

Osteoporose muss wahr- und ernstgenommen werden!

Patienten mit fortgeschrittener Osteoporose haben keine laute Stimme, keine Fürsprecher – sie verschwinden in Pflegeheimen, Spitälern oder sterben leise zu Hause. Patienten mit Knochenbruch-Erkrankung brauchen ein Sprachrohr. Ärzte sind zu einer besseren Verschreibungsmoral angehalten, die Gesellschaft sollte allgemein die Knochenbruch-Erkrankung Osteoporose ernster nehmen. Von großer Bedeutung ist auch die Therapietreue der Patienten.

Quelle: Statement » Therapie-Optionen – viel Leid durch Osteoporose ließe sich verhindern. Osteoporose – das „schleichende Monster“! « von Univ.-Doz.in Dr.in Astrid Fahrleitner-Pammer, Klinische Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie, Medizinische Universität Graz, Fachärztin für Innere Medizin, Additivfachärztin für Endokrinologie und Diabetologie.

www.knochenwelt.at

 

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