Klimakterium virile und Alterung der Männer – die Wechseljahre des Mannes

Erst typische Beschwerden des Klimakterium virile bringen Mann dazu, einen Urologen aufzusuchen, der sich dann mit dem männlichen Hormonhaushalt beschäftigen muss. © haru natsu kobo / shutterstock.com

Erst typische Beschwerden des Klimakterium virile bringen Mann dazu, einen Urologen aufzusuchen, der sich dann mit dem männlichen Hormonhaushalt beschäftigen muss. © haru natsu kobo / shutterstock.com

Die Wechseljahre des Mannes, Klimakterium virile, sind natürlicher Bestandteil der Alterung bei Männern, bei der der Testosteronspiegel abnimmt.

Grundsätzlich bewirken Androgene – allen voran das Testosteron – den Unterschied zwischen Mann und Frau. Warum sich die von Männern dominierte Medizin bis heute mehr mit den weiblichen als den männlichen Geschlechts­hormonen beschäftigt hat, liegt schlichtweg an der Zielgruppe der Patienten. Denn Urologen haben diesbezügliche Nachteile gegen­über den Gynäkologen, weil Männer keine monatlichen Hormonumstellungen zu ertragen haben, nicht schwanger werden können und auch keine »Pille« brauchen. Das Klimakterium virile, die Wechseljahre des Mannes, verursacht vor allem psychosoziale Beschwerden und Belastungen sowie eine zurückgehender sexueller Aktivität, aber auch anderer körperliche Symptome.

 

Klimakterium virile: die Wechseljahre des Mannes sind keine richtige Andropause

Meist erst wenn es »im Bett« nicht mehr klappt oder wenn es beispielsweise durch ­eine Prostatahyperplasie zu Harnverhaltungen kommt, geht Mann zum Männerarzt. Urologen sind dann gefordert, sich mit dem männlichen Hormonhaushalt zu beschäftigen.

Wobei auch der Mann zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr an hormonelle Veränderungen leidet. Bei vielen Männern wird in dieser Phase ein Abfall der Testoste­ron-Produktion und in Einzelfällen ein Androgenmangel-Symptome beobachtet.

Die unten angegebenen Werte des Serumtestosterons sind mit einer enormen Streubreite nach oben und unten gemessen worden, ein Zeichen für ihre Variabilität.

Parallel dazu steigt das ­Luteinisierungshormon (LH) als physiologischer Stimulierungsfaktor stetig an. Nur die Östrogenspiegel bleiben beim Mann über die Jahre ­immer gleich. Ein totaler Ausfall der Androgenproduk­tion wird fast nie beobachtet, weshalb man auch nicht wirklich von der ­Andropause sprechen kann.

Klimakterium virile ist die zutreffendste aller Bezeichnungen geworden, wobei eine Testosteronsubstitution nur in ausgewählten Fällen zu empfehlen ist, den solange die Hypothalamus-Hypophyse-Gonaden-Achse funktionsfähig ist, bringt die Substitution wenig.

 

Die Beschwerden des ­Klimakterium virile

Die Beschwerden im Klimakterium virile sind ähnlich wie bei Frauen und sind auf den beschleunigten Rückgang des freien Testoste­rons zurückführen. Es kommt zu Leistungsabfall, Hitzewallungen, Gewichtszunahme, Schlafunregelmäßigkeiten, Abnahme der Muskelmasse, Merk- und Konzentrationsschwäche, Abfall von Libido und Potenz sowie einer geringeren Rasurfrequenz. Zudem steigt das Risiko für Fettleibigkeit und für Knochenerkrankungen, mit einer beeinträchtigten Knochenstruktur und mit Knochenbrüchigkeit.

Das typisch soziale »männliche Verhalten« schwindet, der Mann beginnt bezüglich Kompromissbereitschaft und Aggressivität der Frau ähnlicher zu werden.

Die Androgene prägen den Phänotypus »Mann« mit den entsprechenden Folgewirkungen, wenn deren Konzentration merklich absinkt. Potenzstörungen durch Androgenzufuhr zu beheben wäre naheliegend, ist jedoch nur in ausgesuchten Fällen erfolgreich – nämlich bei Hypogonadismus.

 

Das Prostatakarzinom

Bei der Androgensubstitution kann ein bestehendes Prostatakarzinom Wachstumsimpulse empfangen. Ob Androgene ein Prostatakarzinom als solches wirklich auslösen können, ist nicht geklärt aber eher unwahrscheinlich.

Es gibt epidemiologische Befunde, denen zufolge erhöhte Testosteronspiegel mit einer erhöhten Prostatakarzinom-Inzidenz einhergehen – so beispielsweise bei Schwarzafrikanern. Unter der japanischen Bevölkerung verhält es sich genau umgekehrt: niedrige Spiegel führen zu niedriger Karzinomfrequenz.

Übersiedeln Japaner nach Amerika, weisen sie nach einer Generation das selbe Prostatakarzinom-Risiko auf wie die dort einheimische Bevölkerung. Bekanntlich hat eine dauernde antiandrogene Therapie die selben Auswirkungen wie eine Kastration, das heißt die Prostatakarzinom-Häufigkeit geht gegen Null.

 

Klimakterium virile mit geringen spürbaren Auswirkungen

Es steht fest, dass es das Klimakterium des Mannes – Klimakterium virile, die Wechseljahre des Mannes – gibt. Wegen des langsamen, jahrelang verlaufenden Abfalls der Testosteronspiegel sind die hormonellen Veränderungen und ihre spürbaren Auswirkungen allerdings viel geringer ausgeprägt als bei der Frau. Bis zu einer Hormonersatztherapie beim Mann ist noch viel Forschungsarbeit vonnöten.


Literatur:

Imerb N, Thonusin C, Chattipakorn N, Chattipakorn SC. Aging, obese-insulin resistance, and bone remodeling. Mech Ageing Dev. 2020 Aug 25;191:111335. doi: 10.1016/j.mad.2020.111335. Epub ahead of print. PMID: 32858037.

Yeom HE. Gender differences in climacteric symptoms and associated factors in Korean men and women. Appl Nurs Res. 2018;41:21‐28. doi:10.1016/j.apnr.2018.03.004

Klimakterium virile. Wann profitiert Mann vom Hormonersatz? [Climacteric in men. When is hormone replacement of value?]. MMW Fortschr Med. 2010;152(24):17.


Quellen:

http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00120-011-2559-x

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=climacterium+virile

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