Kinder haben besonders hohes Risiko, an FSME zu erkranken

Zecken © Steven Ellingson / shutterstock.com

Viele Menschen kennen die Gefahr FSME, der Frühsommer-Meningoenzephalitis, dennoch wird sie oft unterschätzt, vor allem Kinder haben ein höheres Risiko.

Im Grunde genommen sprechen die Zahlen der jährlichen FSME-Erkrankungsfälle in Österreich eine deutliche Sprache. Gab es 1979, bei einer Impfrate von lediglich 3%, 677 hospitalisierte Fälle von FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), waren es 2016 nur 89 Fälle, bei einer Impfrate von 83% jemals geimpften ÖsterreicherInnen; davon sind jedoch nur 64% nach dem korrekten Schema geimpft. Im Jahr 2020 waren es allerdings wieder über 200 Fälle, besonders Kinder und Jugendliche denken oft nicht daran, dass im grünen Zecken lauern und damit das Risiko erhöhen, auch an FSME zu erkranken.

Unter dem Strich ist dem Großteil der Bevölkerung Risiko der FSME jedenfalls bewusst ist. Allerdings gibt es nach wie vor Themenbereiche, die im Zusammenhang mit FSME gerne unterschätzt oder vergessen werden. Unter den Neuerkrankungen findet sich die Altersgruppe der Menschen ab 30 Jahren auffällig oft, weil Auffrischungsintervalle häufig nicht eingehalten werden oder die Impfung ganz vergessen wird. Da in Österreich immer noch FSME-Fälle auch mit bleibenden Schäden und Todesfolge diagnostiziert werden, sind weitere Anstrengungen notwendig, um die Anzahl der Erkrankungen weiter zu reduzieren bzw. niedrig zu halten.

 

FSME: höheres Risiko, mehr Kinder erkranken

Unter dem nStrich ist in den vergangenen Jahren bei Kindern und Jugendlichen ein Anstieg an FSME-Fällen zu beobachten. Seit dem Jahr 2011 erkrankten dreimal so viele Kinder unter 15 Jahren an FSME wie in den fünf Jahren zuvor (60 versus 19 Fälle). Bei den Kindern bis zu sechs Jahren waren es fast viermal so viele (34 versus 9 Fälle). Der Grund liegt auf der Hand. Die Impfrate bei den Ein- bis Dreijährigen ist seit 2001 von 61 Prozent auf 44 Prozent gesunken – also um fast ein Drittel.

Heute sind 2 von 10 Vorschulkindern sind nicht gegen FSME geimpft. Das nationale Impfgremium empfiehlt die Zeckenschutzimpfung jedoch ausdrücklich ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. Viele Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, haben Angst vor Nebenwirkungen. Für Kleinkinder gibt es jedoch spezielle gut verträgliche Impfstoffe.

Für Kinder gibt es nichts Schöneres, als im Frühling und im Sommer im Freien herumzutollen. Leider lauern auch einige Gefahren auf der Spielwiese und im hohen Gras. Deshalb ist für Kinder der Zeckenschutz so wichtig, um das FSME-Risiko zu minimieren. Wobei schon im Baby- und Kleinkindalter die FSME-Impfung wichtig ist, wenn Babys und Kleinkinder im Freibad die Liegewiese entdecken und sich im Gras wälzen.

 

Kinder und Jugendliche mit höherem Risiko, an FSME zu erkranken

Da Kinder gern in der Natur spielen, ist für sie das Risiko besonders hoch, von einer Zecke gestochen zu werden. Obwohl FSME bei Kindern meist leichter als bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft, gibt es vereinzelt auch schwere Fälle mit Folgeschäden. Die Impfung ist abgesehen von möglichen Reaktionen an der Injektionsstelle und Fieber gut verträglich und schützt bei Einhaltung des Impfschemas zu über 95% vor der Infektion.

Insbesondere Kleinkinder sind beim Spielen in Gefahr: Zecken sitzen meist auf Grashalmen und auf Sträuchern bis etwa eineinhalb Meter Höhe und werden durch Berührung abgestreift oder lassen sich fallen. Um Kinder auch vor anderen durch Zecken übertragbaren Krankheiten wie der Borreliose zu schützen, sollten nach Aufenthalt in der Natur Körper und Kleidung sorgfältig auf Zecken abgesucht und diese so schnell wie möglich entfernt werden.

 

Was ist FSME?

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Viruserkrankung, die zur Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute und/oder des Zentralnervensystems führen kann. Rund 30% der Infizierten werden tatsächlich krank. Die Dauer vom Zeckenstich bis zum Ausbrechen der Erkrankung (Inkubationszeit) schwankt zwischen wenigen Tagen und einem Monat. Die Krankheit verläuft typischerweise in 2 Phasen: in der ersten Phase treten grippeartige Symptome wie Fieber, Kopfweh und Gliederschmerzen auf. Bei ca. einem Drittel der Infizierten kommt es nach einem symptomfreien Intervall von etwa einer Woche zur zweiten Phase, in der die Krankheit auf das zentrale Nervensystem übergeht. Je nach Schwere der Erkrankung kommt es zu entsprechenden Symptomen: starke Kopfschmerzen, hohes Fieber bis über 40 Grad, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit und/oder Bewusstseinsstörungen. Es kann auch zu Lähmungserscheinungen, Gangstörungen, Krampfanfällen und/oder Atmungsstörungen kommen. Im schlimmsten Fall kann die Erkrankung tödlich enden (bei 0,5 – 2% der Betroffenen).

 

Was kann vor FSME schützen?

Insektenabwehrmittel halten die Zecken zwar auf Abstand, schützen jedoch nicht vor einer FSME-Infektion, sollte es zu einem Stich kommen. Die Erkrankungszahlen sind seit den 1980er Jahren deutlich zurückgegangen, trotzdem erkranken in Österreich jährlich noch immer zwischen 50 und 100 Menschen, die überwiegend nicht geimpft sind oder deren Impfung unregelmäßig aufgefrischt wurde.

Da FSME-Viren durch Zeckenstiche übertragen werden, kann man den Erreger nicht ausrotten, wie etwa bei Pocken oder Masern, wo eine alleinige Mensch zu Mensch Übertragung stattfindet. Mittels der FSME-Impfung kann eine sogenannte Krankheitskontrolle erreicht werden, d.h. jeder Einzelne muss durch eine Impfung geschützt werden, um die Erkrankung zu verhindern. Es nützt nichts, wie etwa bei Masern, wenn andere geimpft sind.

Generell sind drei Subtypen des FSME-Virus (fernöstlicher, europäischer, sibirischer Subtyp) bekannt. In unseren Breiten ist der europäische Subtyp zwar vorherrschend, trotzdem tauchen immer häufiger andere Virussubtypen in für sie unüblichen Regionen auf. Dies tritt ein, wenn Zecken beispielsweise Zugvögel als „Taxi“ verwenden und sich so in anderen Gebieten niederlassen. Der nun seit 40 Jahren in Österreich produzierte Impfstoff generiert die Produktion von Antikörpern, die alle bekannten FSME-Virus Subtypen gleichermaßen neutralisieren.

 

Wer impft wann und wo?

In den meisten Fällen werden die Impfungen durch die Hausärztin oder den Hausarzt durchgeführt. Darüber hinaus kann man sich auch bei der Amtsärztin oder dem Amtsarzt in der Bezirkshauptmannschaft impfen lassen. Neben diesen Stellen führen vermehrt Schulen, größere Betriebe oder Gemeinden Impfaktionen durch.

Im Grunde genommen ist es wichtig zu wissen, dass frühestens nach 2 Teilimpfungen, die je nach Impfstoff in einem bestimmten Abstand durchgeführt werden sollten, ein Schutz vor FSME gegeben sein kann. Die Grundimmunisierung besteht aus insgesamt 3 Teilimpfungen. Anschließend müssen die Auffrischungstermine eingehalten werden, da sonst Lücken im Impfschutz entstehen können. Nach Abschluss der Grundimmunisierung muss nach 3 Jahren zum ersten Mal aufgefrischt werden. Danach beträgt das Impfintervall 5 Jahre. Ab dem 60. Geburtstag reduziert sich das Intervall zwischen den Auffrischungsimpfungen wieder auf 3 Jahre, da das Immunsystem des Menschen altert.

Die erste Grundimmunisierung kann ab dem vollendeten ersten Lebensjahr durchgeführt werden. Bei Versäumnis einer Impfung bzw. längeren Impfabständen wird nach zwei oder mehr Teilimpfungen diese Impfung mittels einer einzigen Dosis nachgeholt, die Grundimmunisierung muss nicht neu begonnen werden.

Wobei man die geimpften Personen darauf aufmerksam machen muss, dass nach der 1. Teilimpfung der Grundimmunisierung noch kein kompletter Impfschutz vorhanden ist. Daher sollte man in dieser Phase auch das Risiko einer Zeckenexposition vermeiden.

Die FSME-Impfung bietet übrigens ausschließlich einen Schutz vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Sie schützt nicht vor anderen durch Zecken übertragenen Krankheiten wie der Borreliose.


Literatur:

Orlinger KK, Hofmeister Y, Fritz R, Holzer GW, Falkner FG, Unger B, Loew-Baselli A, Poellabauer EM, Ehrlich HJ, Barrett PN, Kreil TR. A tick-borne encephalitis virus vaccine based on the European prototype strain induces broadly reactive cross-neutralizing antibodies in humans. J Infect Dis. 2011 Jun 1;203(11):1556-64. doi: 10.1093/infdis/jir122. PMID: 21592984.


Quellen:

Zentrum für Virologie. FSME Epidemiologie 2016. In: https://www.virologie.meduniwien.ac.at/fileadmin/virologie/files/Epidemiologie/2017/0417s.pdf

European Center for Disease and Control. Factsheet: Tick-borne encephalitis. In: http://ecdc.europa.eu/en/healthtopics/emerging_and_vector-borne_diseases/tick_borne_diseases/tick_borne_encephalitis/basic_facts/Pages/factsheet-health-professionals.aspx

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