Beziehung zwischen Erkrankungen der Kiefergelenke und Implantaten

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Eigentlich war die Beziehung zwischen Erkrankungen der Kiefergelenke und Implantaten bislang kaum ein Thema der Implantologie. Doch das soll sich ändern.

Grundsätzlich beschäftigen sich Zahnärzte eher selten mit der Beziehung der Erkrankungen der Kiefergelenke und Implantaten. „In manchen Lehrbüchern steht sogar, dass Probleme der Kiefergelenke oder eine Okklusionsproblematik eine Kontraindikation für Implantate seien“, sagt Prof. Dr. Peter Rammelsberg.

Jedoch sieht der ärztliche Direktor der Klinik für zahnärztliche Prothetik diese Beziehung differenzierter: „Auch Patienten mit Kiefergelenkproblemen können von Implantaten profitieren:“ Schließlich könnten Patienten immer auch beides haben: einen Bedarf an Implantaten und gleichzeitig Probleme der Kiefergelenke oder im Kaumuskelbereich.

 

Bruxismus – Zähneknirschen – ist Kontraindikation für die Verwendung von Implantaten

Grundsätzlich kommen auch Patienten mit Zähneknirschen für Implantate in Frage. Zwar gehört diese Störung – im Fachjargon Bruxismus – nicht zu den Erkrankungen der Kiefergelenke. Jedoch steht sie ebenso mit diesen in Beziehung.

Zähneknirschen kann Auswirkungen auf die Kiefergelenke haben. „Bruxismus ist ein Risikofaktor, der vor allem technische Komplikationen erhöht, aber er ist keine Kontraindikation für Implantate“, betont Professor Rammelsberg. Wenn Patienten, die knirschen, mit implantatgetragenem Zahnersatz versorgt werden, müsse der Zahnarzt stabile Materialien für den Zahnersatz wählen und diese auch auf einer stabilen Abstützung auf Implantaten einbauen. Dann seien, so die Erfahrung des Experten, die erhöhten Risikofaktoren verantwortbar. Man könne das Risiko noch weiter reduzieren indem keine Verblendmaterialien auf die Kauflächen gepackt würden, sondern hochfeste Hochleistungskeramiken oder Metall.

 

Wenn die Kiefergelenke knacken

Strukturelle Kiefergelenkerkrankungen heilen nicht richtig aus, im Sinne einer Wiederherstellung von idealen anatomischen Verhältnissen. Ein Beispiel dafür ist die Verlagerung der Knorpelscheibe (Diskus) im Kiefergelenk. Diese Gelenkscheibe kann aus ihrer normalen Position herausrutschen. Wenn sie bei der Mundöffnung wieder zurück gleitet, knackt es im Kiefergelenk. Wenn dies nicht mehr geschieht, kann eine schmerzhafte Kieferblockade der Fall sein.

„Eine Diskusverlagerung verschwindet als solche nicht, auch wenn die funktionellen Einschränkungen und die Gelenkschmerzen im Zuge von Anpassungsvorgängen im Kiefergelenk meist abklingen“, sagt Professor Rammelsberg. „Wenn derart betroffene Patienten eine Implantatbehandlung benötigen, wird die Verlagerung dadurch natürlich nicht beeinflusst. Es ist dann ein Implantatpatient mit Diskusverlagerung.“ Gleichwohl wissen die Experten aus Untersuchungen, dass eine stabile Seitenzahnabstützung zur Entlastung der Kiefergelenke hilfreich sein kann, selbst wenn die Diskusverlagerung dadurch natürlich nicht geheilt werden kann.

 

Positive Effekte von Implantaten

Schwieriger ist es bei myofaszialen Schmerzen, die bei zwei Drittel der Patienten mit schmerzhafter Kaumuskulatur einen chronischen oder wiederkehrenden Verlauf nehmen. „In solchen Fällen ist eine sorgfältige Diagnose entscheidend“, betont Professor Rammelsberg. Man dürfe jedoch nicht erwarten, dass die Erkrankung aufgrund einer Implantattherapie verschwindet. Dennoch können auch bei diesen Patienten Implantate zur Verbesserung der Kaufunktion nötig werden.

 

Psychosomatisches Screening bei craniomandibulärer Dysfunktion

„Bei Patienten mit craniomandibulärer Dysfunktion (CMD) machen wir stets ein psychosomatisches Screening im Verlauf der Diagnostik“, erklärt Professor Rammelsberg. Bei einer ausgeprägten psychosomatischen Belastung versuchen die Experten, Implantate zu vermeiden oder zumindest aufzuschieben.

Sollten Implantate zur besseren Abstützung von Brücken oder Prothesen dennoch dringlich werden, so muss der Zahnarzt den Patienten darüber aufklären, dass durch die Implantattherapie weder eine Besserung der Kiefergelenk- oder Kaumuskelproblematik noch der häufigen unspezifischen Beschwerden zu erwarten ist.

Und noch einen Rat für seine Kollegen hat der Experte: „Manche Kollegen meinen, dass sie eine Beschädigung des Implantats vermeiden, wenn Sie die Kaufläche mit „weichen“ Kunststoff verblenden. Aber alles, was durch langfristige Verschleißbeständigkeit eine stabile statische Okklusion sichert, entlastet die Gelenke.“ Natürlich dürfe man keine harte Zirkoniumdioxidkeramik nehmen und sie nicht sorgfältig einschleifen. Doch bei präzisem Einschleifen und sorgfältiger Politur der Kauflächen, sei das stabilere Material besser.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich e. V. – http://www.dgi-ev.de

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