Kava-Kava gegen Angstzustände

0

Kava-Kava wird als Medizin und Genussmittel konsumiert – verwendet gegen Angst bzw. zur Beruhigung. Bekannt sind Kava-Drinks in Übersee als Rizzo, Bula oder Lava Cola.

Kava-Kava – Piper methysticum, auch als Rauschpfeffer bekannt – ist ein ausdauernder Strauch, der bis zu 4 m hoch wird und große Blätter sowie sehr kleine Blüten ausbildet – beheimatet in Polynesien. Kava-Präparate werden aus dem Wurzelstock und den anhaftenden Wurzeln einer zu den Pfeffergewächsen gehörenden Pflanze gewonnen.

Traditionell werden frische oder getrocknete Bestandteile der Kava-Wurzel mit Wasser aufgegossen oder auch zu einem feinen Pulver zerrieben beziehungswewise in einem Mörser zerstoßen. Auch werden Kava-Pflanzenteile gekaut und ausgespuckt.

Kava hinaus konsumiert – als Medizin oder als Genussmittel. So finden sich zum Beispiel Kava-Bars in vielen US-Staaten. Hierbei werden üblicherweise weiterhin nur Produkte konsumiert, die aus der Wurzel gewonnen werden – so zum Beispiel Wurzelpulver oder Extrakte. Es wird sowohl mit Wasser aufgegossen oder mit Milch o. Ä. konsumiert. Oft wird Lecithin hinzugefügt, um eine bessere Auflösung der Kavapyrone in Wasser zu erreichen.

Es wird auch als Softdrink vertrieben, so in Rzo in Hawaii (ausgesprochen „rizzo“) oder Bula in den USA. Seit 2009 ist das Getränk „Lava Cola“ (auch genannt Kava Cola) in Vanuatu und anderen Ländern erhältlich, das wegen seiner beruhigenden Wirkung beworben wird.

 

Kava-Kava aus Inseln des Pazifik

Kava-Kava wird auf vielen Inseln des gesamten Pazifik kultiviert. Die Untersuchung der Wurzeln zeigte, dass ­eine bestimmte Gruppe an Inhaltsstoffen, die sog. Kavapyrone (auch Kavalactone ­genannt) ausgeprägte anxiolytische (angstlösende) Wirkungen besitzen, wobei molekularbiologische Prüfungen zeigten, dass diese Wirkung bei ­Kava-Kava auf andere Weise zustande kommt als bei den synthetisch hergestellten Arzneimitteln.

Zahlreiche Extraktpräparate (Tagesdosis 60–120 mg) Kavapyrone) haben sich als nebenwirkungsarme Arzneimittel viele Jahre bewährt, bis Ende 2000 erste Berichte über leberschädigende Nebenwirkungen auftauchten.

 

Warnung vor Kava-Kava nach der Jahrtausendwende

Die sich im Jahre 2001 häufenden Meldungen, in den Medien zum Teil sensationell aufgemacht, ließen schließlich die Gesundheitsbehörden zunächst in Deutschland, dann in der Schweiz und in Österreich, reagieren.

Es wurde gewarnt, Präparate ohne regelmäßige Kontrolle der Leber einzunehmen, schließlich kündigte Ende 2001 das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel an, dass es beabsichtige, die Zulassung von Kava-Präparaten zu widerrufen. Damit reagierten die Institutionen auf Fälle von schwerwiegenden Leberschädigungen, – sechs Fälle mit Leberversagen und notwendiger Transplantation sowie drei Fälle mit tödlichem Verlauf, bei denen die Einnahme von Kava-Präparaten vorlag. Einige Hersteller reagierten in vorauseilendem Gehorsam damit, dass sie ihre Präparate freiwillig vom Markt nahmen. Im Juni 2002 wurde dann die Zulassungen für Kava- und Kavain-haltige Arzneimittel zurückgenommen.

 

Gefahr von Gefahr durch Kava-Kava relativiert

Der international renommierte Wissenschaftler der Universität Münster/Westfalen Prof. Adolf Nahrstedt wies im März 2002 wies allerdings  – ein  – nach, dass die Nachforschungen der deutschen Gesundheitsbehörde unvollständig waren. Unter anderem wurde einem Kava-Kava-Präparat eine Leberschädigung angelastet, bei der der betreffende Patient durch chronischen Alkoholmissbrauch bereits eine Leberzirrhose hatte, lange bevor er Kava-Kava einnahm. In vielen anderen Fällen war ein Zusammenhang von Leberschäden und ­Kava-Kava-Einnahme nicht erkennbar. Berechnungen von Nahrstedt ergaben, dass das Risiko einer Schädigung durch Kava-Kava weitaus geringer ist als das Risiko bei einer Einnahme von Benzodiazepinen.

Nach einem juristischen Hin und her zwischen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und den Herstellern der Kava-Kava-Produkte hob das Verwaltungsgericht Köln im Mai 2014 den Widerrufsbescheid mit der Begründung auf, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Kava-Kava-haltigen Arzneimitteln nicht ungünstig sei. Die Berufung der Bundesrepublik Deutschland wurde zurückgewiesen.

Die Arzneimittelbehörden Österreichs, der Schweiz, Frankreichs, der Niederlande und von Großbritannien kamen zur gleichen Bewertung aufgrund des damaligen Verdachts. In den USA ist Kava-Kava allerdings frei erhältlich wie auch in Australiens. Grundsätzlich besteht der begründete Verdacht, dass Kava- und Kavain-haltige Arzneimittel bei nicht entsprechendem Gebrauch hepatotoxische Reaktionen auslösen können. Äußerste Vorsicht ist – nicht zuletzt aufgrund des Handels im Internet – geboten.

 

Quellen:

ÖAZ, Österreichische Apothekerzeitung 26,

Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Kava

Share.

About Author

MEDMIX Online-Redaktion

Blick in den Newsroom der MEDMIX Print- und Onlineredaktion in Zusammenarbeit mit AFCOM – Verlag und Medienproduktionen.

Comments are closed.