Kardiovaskuläre Begleiterkrankungen bei Rheuma: neue Entwicklungen

Die Rheumatologie betrifft nicht nur Gelenke, sondern auch Haut, Muskeln, Nerven und eine Vielzahl innerer Organe. © itsmejust / shutterstock.com

Die Rheumatologie betrifft nicht nur Gelenke, sondern auch Haut, Muskeln, Nerven und eine Vielzahl innerer Organe. © itsmejust / shutterstock.com

Rheuma-Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Begleiterkrankungen und einer höheren Herz-Kreislauf-Sterblichkeit.

In den letzten Jahrzehnten sind aufgrund eines breiten Therapiespektrums große Erfolge bei der Kontrolle der Krankheitsaktivität von rheumatischen Erkrankungen zu verzeichnen. Viele Patienten konnten dadurch in der Berufstätigkeit bleiben sowie am Alltag mit guter Lebensqualität teilhaben. Dies ist dem konsequenten Verfolgen und Monitoring von Treat-to-Target- Strategien zuzuschreiben. Und zwar unter anderem durch Verwendung von Scores, wie zum Beispiel dem DAS oder CDAI bei der RA. Hierzu stellt auch das erhöhte Risiko für kardiovaskuläre Begleiterkrankungen bei Patienten mit Rheuma eine wichtige Rolle dar.

 

Hohes Risiko für kardiovaskuläre Begleiterkrankungen bei Rheuma

Durch die Krankheits-kontrollierenden Therapien hat sich zum Beispiel für Patienten mit einem systemischen Lupus erythematodes (SLE) die um circa zehn Jahre reduzierte Lebenserwartung nahezu an die von Menschen ohne den Lupus angeglichen. Leider ist es aber weiterhin so, dass Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre (CV) Begleiterkrankungen und auch CV-Sterblichkeit aufweisen (1).

Dabei lässt sich das höhere Risiko für kardiovaskuläre Begleiterkrankungen bei Rheuma bei Rheuma-Patienten nicht ausreichend durch Unterschiede in der Prävalenz traditioneller Herz-Kreislauf-Risikofaktoren erklären.

Es gibt krankheitsspezifische Faktoren, wobei die entzündliche Aktivität der Grunderkrankung wesentlich scheint. Aber auch die Therapien, die man zur Behandlung der rheumatischen Erkrankung einsetzen (Immunmodulatoren, NSAR, Glukokortikosteroide), haben scheinbar Einfluss auf das Herz-Kreislauf-Risiko (2).

Obwohl eine bessere Kontrolle der Entzündung das Risiko bei einzelnen Patienten verringern kann, ist nicht bekannt, ob nicht auch einige Nebenwirkungen dieser Medikamente den vaskulären Nutzen eines entzündungshemmenden Nutzens überwiegen. Der Fokus auf das CV-Risiko hat zur Entwicklung (2010), Aktualisierung (2015/16) und – derzeit in Veröffentlichung befindlich – Überarbeitung und Erweiterung von EULAR-Empfehlungen für das CVD-Risikomanagement bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (Rheumatic and Musculoskeletal Diseases/RMDs einschließlich systemischen Lupus erythematodes und Antiphospholipid-Syndrom) geführt (2).

 

Im Vorgriff auf die zur Veröffentlichung anstehende Publikation können nachstehende Punkte als wesentliche Botschaften herausgestellt werden.

Rheumatologen sollten neben der Therapie der rheumatischen Erkrankung auch nach den konventionellen kardiovaskulären Risiken schauen. Beispielsweise sollte man den Blutdruck und die Blutfette wie bei Nicht-Rheumatikern behandeln.

Auch wenn bisher nicht speziell für RMDs validiert, kann man zum Beispiel der ESC-Score für die Abschätzung des kardiovaskulären Risikos verwenden. Die Verwendung eines Faktors x 1,5 beziehungsweise x 2,0 beim SLE und den Vaskulitiden bleibt zu diskutieren.

Eine Herausforderung für die Zukunft ist die Identifizierung von Patienten mit einem höheren Risiko für kardiovaskuläre Begleiterkrankungen, wie zum Beispiel Rheuma-Patienten mit einer längeren Krankheitsdauer, größerer entzündlicher Aktivität (zum Beispiel Schübe bei SLE oder Gicht). Oder bestimmten demografischen Faktoren (zum Beispiel Alter, Geschlecht, Ethnizität). Sowie bestimmten Krankheitsmerkmalen (zum Beispiel APS-Antikörper bei SLE, polyartikulären Manifestationen bei Gicht oder Psoriasisarthritis).

Da die Evaluierung des CV-Risikos mittels kontrollierter Studien durch Seltenheit, Heterogenität und auch individuelle Faktoren bei den RMDs schwierig ist, sind Daten aus Beobachtungsstudien – auch zur Beurteilung von CV-Effekten aktueller und neuer immunmodulierender Therapien – sehr wichtig. Kontrollierte Studien sind wünschenswert.

Anzustreben ist eine möglichst breite Initiative aller an der Behandlung von Patienten mit RMDs Beteiligten einschließlich der Betroffenen, um das CV-Risiko zu thematisieren und in Zukunft verstärkt in den Fokus zu nehmen.


Literatur:

1. England BR, Thiele GM, Anderson DR, Mikuls TR. Increased cardiovascular risk in rheumatoid arthritis: mechanisms and implications. BMJ. 2018;361:k1036.

2. Agca R, Heslinga SC, Rollefstad S, et al. EULAR recommendations for cardiovascular disease risk management in patients with rheumatoid arthritis and other forms of inflammatory joint disorders. 2015/2016 update. Ann Rheum Dis. 2017;76(1):17-28.


Quelle:

STATEMENT Kardiovaskuläre Begleiterkrankungen bei Rheuma – was gibt es Neues? PD Dr. med. Anne-Kathrin Tausche Oberärztin, Abteilung für Rheumatologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden

Online-Pressekonferenz anlässlich des 49. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) der 35. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh). Und der Wissenschaftlichen Herbsttagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) Donnerstag, September 2021

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