Jodmangel bei Kindern und Schwangeren

Speziell bei Kindern und Schwangeren ist einem Jodmangel entgegenzuwirken. © Minnikova Mariia / shutterstock.com

Speziell bei Kindern und Schwangeren ist einem Jodmangel entgegenzuwirken. © Minnikova Mariia / shutterstock.com

Bei Kindern und Schwangeren ist auf die richtige Ernährung zur Vermeidung von Jodmangel zu achten, da diese Gruppen ja wenig Salz zuführen.

Trotz optimaler Jodsalzprophylaxe ist bei Kindern und Schwangeren auf eine ausreichende Jodzufuhr durch die Ernährung zu achten. Beide Gruppen nehmen wenig Salz zu sich – mit marginaler Jodversorgung und und häufigem Jodmangel. Jodhältige Mineralwässer, österreichische Eistees, Kiwi (ca. 80 μg J/Frucht) bzw. Meeresprodukte (Fischstäbchen etc.) sollten in deren Speiseplan aufscheinen! Eine Schwangere muss optimal mit Jod versorgt werden – ca. 250 Mikrogramm täglich.

 

Jodmangel bei Schwangeren

In der Schwangerschaft braucht man relativ mehr Jod, weil die Mutter vermehrt Jod (über den Harn) ­ausscheidet und vermehrt Thyroxin synthetisieren muß:

Das Thyroxin der Mutter ist dabei für die frühfetale Hirnentwicklung unbedingt notwendig (»Hirn braucht Thyroxin«); die fetale Schilddrüse kann ja erst ab der 18. Schwangerschaftswoche ihr eigenes Thyroxin produzieren; bis dahin ist der Fetus vom Thyroxin der Mutter abhängig, das die Plazenta passiert.

 

Jodmangel durch Unterfunktion

Bei Jod- bzw. Hormonmangel (Unterfunktion) der Mutter wird der Fetus auch enzymatisch auf eine Art »Thyroxin-Vorrangschaltung« für das fetale Gehirn umgestellt, um dessen Reifung zu sichern. Im Gegensatz zur den peripheren Organen (z.B. der Leber) braucht das fetale Gehirn für die Thyroxindejodierung (zum Aktivhormon Trijodthyronin) auch kein Selen. Daher möglichst keine isolierten Selengaben in einer Schwangerschaft, sofern nicht vorher der Jodmangel behoben ist.

In der 2. Schwangerschaftshälfte braucht der Fetus vermehrt Jod zur eigenen Schilddrüsenhormonsynthese; ab nun wird ja die Plazenta für das mütterliche Thy­roxin immer weniger durchgängig. ­Andererseits sind aber Jodüberladungen tunlichst zu vermeiden, da Jod in hoher Dosis hemmend auf die fetale Schilddrüsenhormonsynthese wirkt (mögliche Folge: neonataler Kropf und / oder Unterfunktion).

Die Mutter braucht auch in der Stillperiode vermehrt Jod, da die laktierende Mamma (ebenso wie die Schilddrüse) eine sogenannte Jodidpumpe besitzt und daher Jod anreichert.

 

Reaktorunfall

Im Falle eines Reaktorunfalls werden große Mengen radioaktiven Jods frei. Die Jodidpumpe bewirkt natürlich auch eine vermehrte Anreicherung des (vom »fall-out« inhalierten) Radiojods in der Muttermilch; dieses ­radioaktive Jod wird dann von der Schilddrüse des Säuglings nochmals auf das 50- bis 100-fache konzentriert.

Säuglinge sind daher immens strahlengefährdet. Dazu kommt noch eine (gegenüber dem Erwachsenen) signifikant vermehrte Strahlenempfindlichkeit des Säuglings. Derselbe Anreicherungsmechanismus für Radio-Jod gilt natürlich auch für die Kuhmilch, die dann nicht verabreicht und nur zu Käse verarbeitet werden darf: denn nach radioaktivem Zerfall von Jod kann ein solcher Käse wieder gegessen werden.

Da die beschriebene vermehrte Syntheseleistung der Schilddrüse auch bei nur marginalem Jodmangel zum Kropf bei Schwangeren führt, wurde schon bei den Ägyptern und Römern die Messung der Zunahme des Halsumfanges (Kropfband) als bekannter Schwangerschaftstest eingesetzt.

 

Jodmangel durch geringe Salzzufuhr

Für Experten gilt vor allem die Sorge um Gruppen mit (auch ärztlich empfohlener) geringer (Jod)-Salzzufuhr. Marginaler Jodmangel in der Gravidität, beim Stillen, beim Säugling bei und Kleinkindern ist grundstäzlich möglich. Auch bei ­einem nur marginalen Jodmangel­-Gebiet kann es bei den Risikogruppen ohne zusätzlich Jod zu geben zu einer deutlichen Vermehrung des SD-Volumens kommen. Bei diesen Gruppen (Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kleinkinder) muss durch intensivierte Beratung und folglich verändertem Ernährungsverhalten – vermehrtem Verzehr von Meeresprodukten, Jod-hältigen Mineralwasser, Kiwi etc. – eine ausreichende Jod-Versorgung sicherzustellen.


Literatur:

Arvizu M, Bjerregaard AA, Madsen MTB, Granström C, Halldorsson TI, Olsen SF, Gaskins AJ, Rich-Edwards JW, Rosner BA, Chavarro JE. Sodium Intake during Pregnancy, but Not Other Diet Recommendations Aimed at Preventing Cardiovascular Disease, Is Positively Related to Risk of Hypertensive Disorders of Pregnancy. J Nutr. 2020 Jan 1;150(1):159-166. doi: 10.1093/jn/nxz197. Erratum in: J Nutr. 2020 Apr 1;150(4):970. PMID: 31504673; PMCID: PMC6946899.


Quelle: Jodmangel bei Kindern und Schwangeren. MEDMIX 7/2008

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