JC-Virus ruht in vielen Menschen

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Viele Menschen sind von Kindheit an mit dem JC-Virus infiziert, das normalerweise durch das Immunsystem unter Kontrolle gehalten wird.

Das JC-Virus (JCV) – auch als Humanes Polyomavirus 2 oder JC-Polyomavirus bezeichnet wird der Familie der sogenannten Polyomaviridae und dort zur Gattung Polyomavirus zugerechnet. Das JC-Virus wurde im Jahre 1971 nach dem Patienten John Cunningham benannt, bei dem das Virus damals erstmals isoliert wurde. Die Virusinfektion kommt in der Bevölkerung sehr häufig vor. Schließlich kann sie Immunschwäche verursachen oder wichtige Funktionen des Immunsystems beeinträchtigen.

Sehr viele Menschen sind seit ihrer Kindesjahren mit diesem Erreger infiziert. Ursprünglich glaubte man, dass die Übertragung des Virus über die Atemwege erfolgt, da Virus-DNA in Lymphozyten der Tonsillen nachgewiesen werden konnte. Heute vermutet man aber auch mögliche fäkale Übertragungswege, da Virusnachweis im Stuhl möglich war.

 

Bei Gesunden hält das Immunsystem das JC-Virus in Schach

Grundsätzlich halten normalerweise die körpereigenen Abwehrkräfte das JC-Polyomavirus wirksam unter Kontrolle. Es schlummert somit dann im menschlichen Organismus über viele Jahrzehnte – meist lebenslang. In den meisten Fällen verursacht das Virus auch keine Erkrankung.

Allerdings sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder solche, die unter einer Therapie mit immunsuppressiven, das Immunsystem unterdrückenden Medikamenten stehen, anfälliger für Erkrankungen. Dann kann das JC-Virus aktiv werden und sogar lebensbedrohlich sein.

Das aktivierte JC-Virus kann vor allem das progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) – eine häufig tödlich verlaufende Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) – verursachen.

 

Mittels Test JC-Virus erkennen

Eine Testung kann die dementsprechenden Antikörper entdecken, die bei Patienten auf das JC-Virus hinweisen. Bei Patienten mit Multiple Sklerose wird dieser Test routinemäßig vor Beginn einer Behandlung mit dem Wirkstoff Natalizumab in einem 6-monatigen Rhythmus wiederholt. Die JCV-Antikörper sind im Blut nachweisbar, auch wenn keine Erkrankung besteht. Wenn sich das JC-Virus sozusagen im Ruhezustand befindet. Durch ein Ansteigen der Anzahl der JCV-Antikörper steigt das Risiko, eine progressive multifokale Leukenzephalopathie zu entwickeln. Die JCV-Antikörper eignen sich somit als aussagekräftige Biomarker, wenngleich ein positives Testergebnis nicht zwingend heisst, dass ein betroffener Patient an PML erkrankt.

Literatur:

Maria Chiara G. Monaco, Eugene O. Major. Immune System Involvement in the Pathogenesis of JC Virus Induced PML. What is Learned from Studies of Patients with Underlying Diseases and Therapies as Risk Factors. Front Immunol. 2015; 6: 159. Published online 2015 Apr 28. doi: 10.3389/fimmu.2015.00159

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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