Ipilimumab mit und ohne Nivolumab gegen Malignes Melanom

Ipilimumab und Nivolumab haben sich mittlerweile als immuntherapeutische Behandlung bei Melanom etabliert. © wavebreakmedia / shutterstock.com

Ipilimumab und Nivolumab haben sich mittlerweile als immuntherapeutische Behandlung bei Melanom etabliert. © wavebreakmedia / shutterstock.com

Durch die Behandlung mit Ipilimumab, meist in Kombination mit Nivolumab, können einige Patienten mit Malignem Melanom bis zu zehn Jahre überleben.

Ein malignes Melanom, eine Form von Hautkrebs, ist kaum zu behandeln, wenn bereits Metastasen gebildet sind. Oder wenn man das Melanom nicht mehr entfernen kann. Die standardmässige Therapie mit Dacarbazin in Kombination mit Interferon oder mit Interleukinen zeigt sehr geringe Ansprechraten mit etwa 10 bis 25 Prozent. Wobei auch dann mit keiner Lebensverlängerung zu rechnen ist. Die neue innovative Behandlung beim malignen Melanom beruht darauf, mit Ipilimumab, meist in Kombination mit Nivolumab, das CTLA-4 Oberflächenprotein von T-Zellen zu blockieren. Da CTLA-4 eine reduzierende Wirkung auf die T-Lymphozytenaktivität ausübt, bewirkt dessen Blockade mit Ipilimumab, dass eine massive T-Lymphozytenaktivierung ausgelöst wird. Ein malignes Melanom kann man somit durch eine unspezifische Immunstimulation behandeln.

 

Behandlung mit Ipilimumab bei malignem Melanom

Unter dem Strich ist Ipilimumab mit dem Handelsnamen Yervoy ist ein Wirkstoff gegen Krebs, den man bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit fortgeschrittenem Melanom und bei Erwachsenen mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom (einem Nierenkrebs) einsetzt. Ipilimumab wird in der Regel in Kombination mit einem anderen Arzneimittel, Nivolumab, angewendet. Man kann es aber auch
als Monotherapie beim Melanom verwenden.

Ipilimumab ist als Konzentrat für Infusionen verfügbar und wird nach einer Induktionsphase anschließend in 3-wöchentlichem Abstand – gegeben werden 3 mg Ipilimumab pro kg Körpergewicht als Infusion, als Tropfinfusion, in einem Zeitraum von 90 Minuten – angewendet, wobei die Therapie mit vier Dosen durchgeführt wird. Der vollständig humanisierter monoklonaler Antikörper bewirkt bei Hautkrebs eine signifikante Lebensverlängerung.

 

Grundprinzip der Immuntherapie bei Hautkrebs mit Ipilimumab und Nivolumab

Das Grundprinzip der Immuntherapie ist es, das eigene Immunsystem zu aktivieren und gegen Tumorzellen zu richten, wobei sogenannte Immun-Checkpoints eine wesentliche Rolle spielen. Dabei handelt es sich um Rezeptorproteine, die sich auf der Oberfläche der T-Zelle – den weißen Blutzellen, die der Immunabwehr dienen –  entwickeln. Wenn spezifische Signalstoffe (Liganden) an die Checkpoints anbinden, dann bremst das so die T-Zelle. Dieser Mechanismus dient der natürlichen Regulierung des Immunsystems und verhindert, dass es „überschießt“ und körpereigene, gesunde Zellen angreift.

Allerdings können auch Tumorzellen Liganden ausbilden, die über die Checkpoints das Immunsystem hemmen. Wenn es gelingt, die Checkpoints der T-Zelle zu blockieren und somit zu verhindern, dass die Liganden am Rezeptor anbinden, so unterbindet das Signalweg. Das aktiviert die T-Zelle, löst eine Immunreaktion aus und bekämpft damit den Tumor. Diese Blockade erfolgt durch sogenannte Checkpoint-Inhibitoren, das sind künstlich hergestellte Antikörper (humanisierte monoklonale Antikörper), die mittels Infusion verabreicht werden.

Ipilimumab erhöht die Anzahl und Aktivität der T-Zellen. Diese weißen Blutkörperchen, Teil des Immunsystems, können Krebszellen töten. Dabei wirkt Ipilimumab auf die T-Zellen, indem es an CTLA-4 – ein Protein (Eiweiß), das die Aktivität der T-Zellen reguliert – bindet und dessen Aktivität hemmt.

 

Weitere Studien zur Immuntherapie

Derzeit laufen weitere Studien zur Immuntherapie, wobei hier unter anderem die Kombination der Checkpoint-Inhibitoren PD1 mit Nivolumab und CTLA4 mit Ipilimumab getestet wird. Die Wirkstoffe Nivolumab und Ipilimumab sind in Monotherapie oder in gemeinsamer Kombination weit verbreitete immuntherapeutische Behandlung für Patienten mit fortgeschrittenem, das heißt nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom. Dieses Kriterium schließt jedoch Patienten mit Melanom im Stadium IV ohne Anzeichen einer Krankheit aus.

Forscher wollten in einer rezenten Studie die Sicherheit und Wirksamkeit der adjuvanten Monotherapie mit Nivolumab plus Ipilimumab oder Nivolumab im Vergleich zu einem Placebo bei diesen Patienten mit Melanom im Stadium IV bewerten. Die Therapie mit Nivolumab allein oder in Kombination mit Ipilimumab erhöhte dabei das rezidivfreie Überleben im Vergleich zu Placebo bei Patienten mit Melanom im Stadium IV ohne Anzeichen einer Erkrankung signifikant.


Literatur:

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Quelle: Axel Rindt. Ipilimumab gegen Malignes Melanom. MEDMIX Online 2017

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