Interdisziplinäre Forschung am MED CAMPUS

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Am MED CAMPUS in Graz entsteht ein einzigartiges Forschungszentrum mit Fokus Interdisziplinäre Forschung und den dazu richtigen Rahmenbedingungen.

Die derzeit größte aus öffentlichen Mitteln finanzierte Hochbau-Baustelle Österreichs befindet sich in Graz. Mit dem MED CAMPUS entsteht ein einzigartiges Zentrum für Studierende und WissenschaftlerInnen, das sich Interdisziplinarität nicht nur auf die Fahnen heftet, sondern auch die richtigen Rahmenbedingungen dafür bietet. Obwohl die Eröffnung noch bevorsteht, hat das einzigartige Projekt bereits ForscherInnen aus dem Ausland angelockt und ein großes Maß an Wertschöpfung generiert.

 

MED CAMPUS Graz – Neubau der Med Uni Graz

Die bislang auf das Grazer Stadtgebiet verteilten 16 vorklinischen Institute der Medizinischen Universität Graz (Med Uni Graz) werden in 4 Zentren mit gemeinsamem Standort zusammengefasst und sind baulich direkt mit den Unternehmen im Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin (ZWT) [1] und dem LKH-Univ. Klinikum Graz verbunden: So lässt sich der MED CAMPUS Graz – der Neubau der Med Uni Graz und die derzeit größte aus öffentlichen Mitteln finanzierte Hochbaubaustelle Österreichs – kurz beschreiben. Damit setzt man in Graz einen wesentlichen Schritt, um die interdisziplinäre Forschung aber auch die Verbindung mit der Wirtschaft zu fördern. Hellmut Samonigg, Rektor der Med Uni Graz, sieht darin eine essentielle Voraussetzung für exzellente Forschung und wettbewerbsfähige Standorte, die auch die Europäische Union als zentrale Ziele in der Wissenschaft definiert (siehe Leitlinien zu Horizon 2020 [2]).

Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Rektor der Med Uni Graz © Med Uni Graz
Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Rektor der Med Uni Graz © Med Uni Graz

„Für exzellente Forschung braucht es auch exzellente Rahmenbedingungen und die gewährleisten wir mit dem neuen MED CAMPUS. Die Bauarbeiten laufen zwar noch, die Effekte zeigen sich aber schon jetzt ganz deutlich“, verweist der Rektor unter anderem auf die regionale Wertschöpfung (siehe unten) und die Sogwirkung für Spitzenforscher.

 

Zusammenfassung in Zentren und erstklassige Ausstattung

Für Ivo Steinmetz, ehemaliger Direktor des Friedrich-Loeffler-Instituts für Medizinische Mikrobiologie in Deutschland, war der MED CAMPUS ein wesentliches Kriterium, sich für die Leitung des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin an der Med Uni Graz zu bewerben.

  • Der renommierte Forscher aus Deutschland streicht besonders die gute Ausstattung und die Förderung der Interdisziplinarität hervor: „Eine gute Vernetzung zwischen Kliniken und Instituten gibt es zwar auch an anderen Orten, in Graz sind jedoch die strukturellen Vorrausetzungen durch die neuen Laborgebäude und die Zusammenfassung in Zentren erstklassig.“
  • „Besonders hervorzuheben sind Speziallabore und der Seziersaal mit seiner hohen Sicherheitsstufe“, verweist Steinmetz auf den Standard S3. Mit dem MED CAMPUS gibt es erstmals S3-Labore an der Med Uni Graz. „Die Möglichkeiten der Forscher des Hygiene-Instituts und der Pathologie, Infektionserreger und ihre Erkrankungen zu untersuchen, werden dadurch erheblich erweitert.“

 

Interdisziplinarität auch innerhalb des Instituts

„Es ist meines Wissens nach europaweit einzigartig, dass innerhalb eines Instituts ein derart großes Spektrum abgedeckt wird“, verweist Steinmetz, der mittlerweile zum Leiter des Instituts ernannt wurde, auf das breite Themen-Feld von Hygiene über Mikrobiologie bis hin zur Umweltmedizin. Moderne molekularbiologische Methoden gewinnen nicht nur bei der Erforschung von Infektionserregern und der Entwicklung von neuen Diagnostikmethoden an Bedeutung, sondern auch im Bereich Infektionsprävention, also bei hygienischen Fragestellungen. Steinmetz: „Es ist ein riesiger Vorteil, dass das komplette Spektrum bei uns in einem Institut beisammen ist, davon profitieren beide Seiten, etwa wenn es um die Erforschung von multiresistenten Erregern geht.“ Diese Synergiemöglichkeiten wolle man in den kommenden Jahren verstärkt nutzen.

 

 

Zentren fördern Teamgeist – und dadurch Spitzenforschung

Auch Wolfgang Graier, Leiter des Instituts für Molekularbiologie und Biochemie, sieht dem Umzug in den neuen MED CAMPUS positiv entgegen. „Es ist auf jeden Fall positiv, dass die Institute näher an das LKH-Univ. Klinikum Graz heranrücken und durch die Zentrumsstruktur steigt hoffentlich auch der Teamgeist unter den Forschern.“

  • „Spitzenforschung lässt sich in Teams viel eher bewerkstelligen, im Vergleich zu Amerika ist der Teamgeist bei uns aber derzeit schlechter ausgeprägt und vielen Forschern ist die persönliche Reputation wichtiger. Das liegt aber sicher auch am System mit h-Index [3] und Impact Factor [4], das rein auf die persönlichen Publikationen ausgelegt ist und die Mitarbeit in Teams weniger berücksichtigt.“
  • „Dennoch ist die Zusammenfassung der Institute in Zentren und die Anbindung an das LKH-Univ. Klinikum Graz ein Schritt in die richtige Richtung, weil damit auch ein Raum für informelle Kontakte entsteht und diese oft Anreize für neue Möglichkeiten bieten kann.“

 

Besseres Umfeld für Unternehmensgründungen

Graier selbst hat mit seinen Partnern vor wenigen Monaten die NGFI GmbH als Spin-off der Med Uni Graz gegründet und begrüßt es, dass durch den MED CAMPUS die Forschung auch näher an die Wirtschaft heranrückt und zusätzliche Unterstützungs- und Vernetzungsmöglichkeiten direkt vor Ort gegeben sind (etwa durch den Life Science Inkubator im ZWT oder die Clusterorganisation Human.technology Styria als ZWT-Mieter). Denn: „Beim unternehmerischen Denken unter den Studierenden und auch unter den Forschern gibt es sicher noch Potenzial.“

 

Deutlich mehr Forschungsoutput

Laut einer Studie zu den Synergieeffekten des MED CAMPUS von Stefan Bogner (WU Wien) erhöht sich durch einen zentralen Campus (im Vergleich zur bisherigen Verteilung der Institute auf das Stadtgebiet) der Forschungsoutput beträchtlich. Es ist weiters davon auszugehen, dass dadurch auch die Generierung von Forschungsmitteln gesteigert werden kann. „Interdisziplinäre Projekte werden durch die Zusammenfassung der Institute in Zentren und die gemeinsam nutzbaren Core Facilities wesentlich gefördert. Und auch der vorklinische Bereich kann nun durch die räumliche Nähe deutlich besser mit dem klinischen Bereich zusammenarbeiten, wodurch sich der Forschungsoutput wesentlich erhöht“, sagt Rektor Samonigg.

 

Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region

Seit Planungsbeginn im Jahr 2011 sind über 200 Personen in diesem Bereich beschäftigt, seit Baubeginn im Jahr 2012 zusätzlich rund 500 Personen unmittelbar auf der Baustelle. Laut Auswertungen bei den bisher umgesetzten Projekten profitieren insbesonders heimische Unternehmen von den Aufträgen. Über tausend Jobs konnten bisher in der Planung und Bauumsetzung im regionalen Umfeld gesichert bzw. geschaffen werden.

 

Potenzial erst durch Modul 2 voll ausgeschöpft

Während derzeit das Modul 1 des MED CAMPUS bereits Dachgleiche erreicht hat, befindet sich das Modul 2 noch in Vorbereitung. Eine definitive Finanzierungssicherung von Seiten des BM:WFW liegt noch nicht vor. „Durch die Vernetzung aller einzelnen Institutionen wird durch den MED CAMPUS eine Brücke zur Wirtschaft und zum Klinikum geschaffen; Jedoch können erst durch die Umsetzung des gesamten MED CAMPUS (Modul 1 und 2) sämtliche Synergiepotenziale voll ausgeschöpft werden“, ergänzt Hellmut Samonigg, Rektor der Med Uni Graz.

 

Über den MED CAMPUS

Mit dem neuen MED CAMPUS wird auf 4,3 Hektar ein modernes Lehr-, Forschungs- und Kommunikationszentrum für insgesamt 4.200 Studierende und 840 Mitarbeiter errichtet, welches sich im unmittelbaren Nahbereich zum LKH-Univ. Klinikum Graz befindet. Gemeinsam mit dem 2014 eröffneten Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin (ZWT), in dem Life-Science-Unternehmen angesiedelt sind, dem seit 2004 bestehenden ZMF als zentrale Forschungseinrichtung und dem ebenfalls seit 2014 bestehenden kinderCAMPUS als Kinderbetreuungseinrichtung für Mitarbeiter entsteht damit am Eingang zum Stiftingtal die Medical Science City Graz.

Der MED CAMPUS ist außerdem der vierte Universitätsstandort in Graz, da die bislang auf das Stadtgebiet verteilten 16 Institute der Medizinischen Universität Graz (Med Uni Graz) erstmals einen gemeinsamen Standort erhalten, außerdem erfolgt eine Bündelung in Zentren. Teil des einzigartigen Gesamtforschungskonzepts sind Core Facilities und zentrale Forschungsflächen, die kompetitiv vergeben werden. Der MED CAMPUS wird in zwei Modulen umgesetzt.. Die Eröffnung des Moduls 1 ist für Oktober 2017 geplant. Das Modul 2 befindet sich in Vorbereitung; die Finanzierungszusage des Bundes liegt nicht vor. Das Gesamtinvestitionsvolumen des MED CAMPUS (Modul 1 und 2) liegt bei rd. 440 Millionen Euro (brutto), Bauherr und Eigentümer ist die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG).

www.medunigraz.at/med-campus

 

Über die Med Uni Graz

Seit der Gründung der Medizinischen Universität Graz (Med Uni Graz) im Jänner 2004 als selbständige, autonome Einrichtung, findet ein permanenter dynamischer Entwicklungsprozess statt. In der medizinischen Ausbildung geht man an der Med Uni Graz innovative und zukunftsweisende Wege. Frühe Praxiserfahrung, Seminare und Intensiv-Kleingruppenunterricht sowie innovative Lehrkonzepte, wie die einzigartige Famulaturlizenz, runden neben der österreichweit unikaten Pflichtfamulatur für Allgemeinmedizin die ausgezeichnete Lehre an der Med Uni Graz ab. Insgesamt hat sich die Forschungsleistung seit der Universitätsgründung nahezu vervierfacht und die Grazer Spitzenpublikationen füllen hochrangige internationale Journale. Eine beachtliche Entwicklung erfährt aktuell der Bereich der personalisierten Medizin. Die Grundlage dafür bildet die Biobank Graz, eine der größten Biobanken Europas, welche das Mieterportfolio im Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin (ZWT) bereichert. Aufbauend auf die neuen Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung übernimmt die Med Uni Graz auch in der PatientInnenbetreuung am LKH-Univ. Klinikum Graz eine tragende Rolle. Den rund 1.700 Mitarbeitern und 4.200 Studierenden wird ein attraktiver Ausbildungs- und Arbeitsplatz mit vielen Entwicklungsmöglichkeiten geboten. Nicht zuletzt mit der stetig wachsenden Medical Science City Graz legt die steirische Gesundheitsuniversität einen richtungsweisenden Meilenstein in eine erfolgreiche Zukunft. www.medunigraz.at

 

Anmerkungen:

[1] Im Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin (ZWT), das baulich direkt mit dem MED CAMPUS verbunden sind, sind Unternehmen und Institutionen aus dem Life-Science-Bereich angesiedelt.

[2] Vgl. https://www.ffg.at/Europa/Horizon2020

[3] Der h-Index ist eine Kennzahl für das weltweite Ansehen eines Wissenschaftlers. Die Basis dafür ist eine bibliometrische Analyse, der Index bezieht sich auf Zitationen der Publikationen des Wissenschaftlers. Ein hoher h-Index ergibt sich, wenn eine erhebliche Anzahl von Publikationen des Wissenschaftlers häufig in anderen Veröffentlichungen zitiert ist.

[4] Der Impact-Faktor beschreibt den Einfluss einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift und dient zum bibliometrischen Vergleich verschiedener Zeitschriften. Die Kennzahl gibt darüber Auskunft, wie oft ein Artikel einer bestimmten Zeitschrift in einer anderen Publikation zitiert wurde.

 

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