Der Magenkeim Helicobacter pylori ist schwer zu bekämpfen

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Rainer Muller
Rainer Mullerhttp://www.afcom.at
MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Heute geht man davon aus, dass der Magenkeim Helicobacter pylori sehr oft schuld an der Entstehung von Gastritis, Magen- sowie Zwölffingerdarmgeschwürden ist.

Seit der Entdeckung von Helicobacter pylori im Jahr 1982 sorgt dieser Magenkeim, der die Magenschleimhaut besiedelt, für Diskussionen über die Entstehung von Magen-Darmerkrankungen. Wegen der bakteriellen Resistenz gegenüber einer Therapie mit Antibiotika ist die Behandlung eine große Herausforderung. Deswegen versucht man immer wieder neue Therapiealternativen zu finden, um den Helicobacter effektiver bekämpfen zu können. Auch an der Entwicklung von Impfstoffen arbeitet deswegen die Forschung, allerdings bislang mit wenig Erfolg.

 

Gastritiden, Ulcera duodeni und ventriculi

Früher hat man für die Entstehung von Magengeschwüren den Zigarettenrauch, Alkohol, Schadstoffbelastung, Stress und seelische Probleme verantwortlich gemacht. Auch die fehlende Balance zwischen aggressiven und protektiven Elementen der Magenschleimhaut spielt allerdings eine Rolle.

Heutzutage vermutet man, dass der Magenkeim Helicobacter pylori (Hp) einer der Hauptverursacher bei der Entstehung von Gastritis ist. Dasselbe gilt für Zwölffingerdarmgeschwüre (Ulcera duodeni) sowie auch Magengeschwüre (Ulcera ventriculi). Auch bei der chronischen Laryngitis scheint das Bakterium Helicobacter pylori eine Rolle zu spielen. Das lassen die Ergebnisee von verschiedenen Untersuchungen vermuten. Nach neueren Untersuchungen haben 90% aller Zwölffingerdarmgeschwüre und 80% der Magengeschwüre ihren Ausgangspunkt in Infektionen mit dem Magenkeim. Fast überall auf der Welt besteht zwischen der Häufigkeit der Hp-Infektionen und von Magenkrebs ein Zusammenhang.

 

Magenschleimhautentzündung durch Helico­bacter pylori

Jede Infektion mit Helicobacter pylori löst eine ­Magenschleimhautentzündung aus. Von denen bleiben jedoch die meisten ohne Symptome. Die Gründe, warum ­einige Menschen nach Helicobacter pylori-Infektionen erkranken und andere nicht, könnte an den Bakterienstämmen oder dem Säurestatus des Magens liegen. Der Magenkeim ist grundsätzlich resistent gegen die Magensäure, speziell bei niedriger Säureproduktion besiedelt Helicobacter pylori die Magenschleimhaut.

Durch bakterielle Aktivität, Entzündung und Apoptose verursacht Helicobacter pylori schwere Verletzungen der Magenschleimhaut. Eine progres­sive chronische atrophische Gastritis und intestinale Metaplasie können ein drei- bis fünffaches Magenkarzinom-Risiko für verursachen. Noch intensiver ist der Zusammenhang zwischen intestinalen Metaplasien des Magens und Infektionen mit dem Helico­bacter pylori.

Die Einstufung von Helicobacter pylori als definitives Karzinogen bleibt jedoch umstritten. Die Gründe für die Zweifel sind folgende:

  • Nur eine von 10.000 infizierten Personen entwickelt ein Magenkarzinom.
  • In manchen wenig entwickelten asiatischen und afrikanischen Ländern tritt das Magenkarzinom trotz hoher Hp-Durchseuchung nur selten auf.
  • Obwohl fast alle Ulcus ­duodeni-Patienten mit Hp infiziert sind, wird bei ihnen nur selten Magenkrebs diagnostiziert.
  • Männer entwickeln häufiger Magenkrebs als Frauen, obwohl beide ­Geschlechter gleich häufig von Hp befallen sind.

 

Eradikationstherapie empfohlen

Durch die Entfernung von Helicobacter pylori mittels Eradikationstherapie kann man jedenfalls die akuten Beschwerden bei einer Magenschleimhautentzündung lindern. Dasselbe gilt für Magen- und Zwöffingerdarmgeschwüre. Darüber hinaus kann in den meisten Fällen auch das Wiederauftreten von Geschwüren und die Entstehung von Magenkrebs verhindern werden.

Eine erfolgreiche Eradikationstherapie erfordert jedenfalls die konsequente Mitarbeit und die Geduld des Patienten. Denn er muss ja mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen. Dazu kommen derzeit zwei Varianten zum Einsatz. Standard ist erstens eine Tripeltherapie aus zwei Antibiotika und einem Protonenpumpeninhibitor. Zweitens gibt es eine Bismut-basierte Quadrupeltherapie mit vier Wirkstoffen.

 

Der Magenkeim Helicobacter pylori steht anscheinend nicht im Zusammenhang mit einem Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom (IBS) ist bekanntlich eine sehr weit verbreitete gastrointestinale Erkrankung. Schleimhautentzündungen und Reizmagen auf eine mögliche Rolle von Helicobacter pylori schließen. Hierzu zeigten die Ergebnisse einer aktuellen Metaanalyse allerdings, dass das vermutlich nicht der Fall ist.

Literatur:

Ng QX, Foo NX, Loke W, Koh YQ, Seah VJM, Soh AYS, Yeo WS. Is there an association between Helicobacter pylori infection and irritable bowel syndrome? A meta-analysis. World J Gastroenterol. 2019 Oct 7;25(37):5702-5710. doi: 10.3748/wjg.v25.i37.5702.

de Brito BB, da Silva FAF, Soares AS, Pereira VA, Santos MLC, Sampaio MM, Neves PHM, de Melo FF. Pathogenesis and clinical management of Helicobacter pylori gastric infection. World J Gastroenterol. 2019 Oct 7;25(37):5578-5589. doi: 10.3748/wjg.v25.i37.5578.

Burucoa C, Axon A. Epidemiology of Helicobacter pylori infection. Helicobacter. 2017 Sep;22 Suppl 1. doi: 10.1111/hel.12403.


Quelle: http://www.dgvs.de/leitlinien/helicobacter-pylori/

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