Insektenstiche und Bisswunden vermeiden und behandeln

Insektenstiche müssen ernst genommen worden. © Eric Isselee / shutterstock.com

Insektenstiche müssen ernst genommen worden. © Eric Isselee / shutterstock.com

Insektenstiche und Bisswunden lassen sich zwar oft vermeiden, wenn es passiert ist, können sie gefährlich sein, deswegen sollte man rasch und sorgsam behandeln.

Allgemein bezeichnen Insektenstiche alle Bisse und Stiche der Mitglieder des Stammes Arthropoda. Die Arthropoden, die sogenannten Gliederfüßer, bilden den größten Stamm im Tierreichs. Denn sie machen etwa 80% aller bekannten Tiere aus. Dazu zählen jedenfalls die Insekten, die Tausendfüßer, die Krebstiere sowie die Spinnentiere. Wichtig ist, dass man Erfahrung hat, Insektenstiche effektiv behandeln zu können, wobei auch einige Hausmittel zur Verfügung stehen. Bei Unsicherheit sollte man aber einen Arzt aufsuchen.

 

Symptome

Erythematöse und ödematöse Eruptionen sowie andere Hautsymptome wie Papeln und Urtikaria sind am häufigsten bei Insektenstichen. In einigen Fällen kann die Abgabe von toxischem Gift sogar zu signifikanten systemischen Reaktionen führen. Und zwar einschließlich autonomer Instabilität, Neurotoxizität und Organversagen.

Die akute Entwicklung anaphylaktischer Reaktionen kann schnell zum Tod führen. Am häufigsten aufgrund eines Angioödems oder eines Kreislaufkollapses. In diesen Fällen ist eine schnelle Erkennung und Behandlung mit Adrenalin von entscheidender Bedeutung.

Die klinisch bedeutendste Auswirkung von Arthropodenstichen ist aber ihre Fähigkeit, als Überträger für zahlreiche bakterielle, virale und protozoale Krankheiten zu dienen.

Insektenstiche im Halsbereich können durch eine entstehende Schwellung für jede Person zum Problem werden. Insektenstiche führen oft dazu, dass die Haut rund um die Einstichstelle gerötet ist und anschwillt. Wenn man im Mundbereich gestochen wird, so kann die Schwellung die Atmung erschweren.

 

Allergische Reaktion

Zusätzlich kann es zu einer allergischen Reaktion kommen. Dabei können auch Personen, die bisher nicht auf Insektengift reagiert haben, plötzlich eine Allergie entwickeln. Das Immunsystem antwortet dann mit einer übertriebenen Abwehrreaktion auf den fremden Stoff, der durch den Stich in den Körper gelangt. Dabei kann es zusätzlich zu den Schwellungen auch zu schweren Kreislaufproblemen kommen.

Schließlich können Fieber, Erbrechen, Atemnot bis hin zu Kreislaufkollaps typische Symptome einer allergischen Reaktion sein. Wobei man dann unbedingt einen Notruf machen sollte.

Wenn beim Insektenstich der Stachel des Insekts noch in der Haut steckt, kann er vorsichtig mit einer Pinzette herausgezogen werden. Danach kann die Körperstelle rund um den Stich mit kalten Umschlägen gekühlt werden, damit die Schwellung schneller abklingt. Menschen, die über ihre Allergie auf Insektengift Bescheid wissen, haben oft eigene Notfallmedikamente mit.

Bei einem Insektenstich im Hals- und Mundbereich kann zusätzlich Eis gelutscht werden, um das Anschwellen der Atemwege zu vermeiden. Hier kann das Insekt auch Nicht-Allergikern gefährlich werden – deshalb sollte sicherheitshalber der Rettungsdienst verständigt werden.

 

Insektenstiche und Schlangenbisse vermeiden

Im Grunde genommen lassen sich Insektenstiche in den meisten Fällen vermeiden. Dazu sollten beispielsweise Säfte und Speisen nicht unnötig lange ohne Abdeckung im Freien stehen. Süße Getränke trinken Sie am besten mit einem Strohhalm. Das eigene Verhalten ist ausschlaggebend für die Gefahr, gestochen zu werden. Beispielsweise lockt ein Picknick in der Nähe von Obstbäumen die Insekten an.

Wobei Bisswunden durch Schlangen in unseren Breiten eher kein Problem sind. Mit anderen Worten gibt es in Mitteleuropa keine tödlichen Schlangen in freier Natur. Wenn eine heimische Giftschlage wie Kreuzotter oder Sandviper zubeißt, können zwar Vergiftungserscheinungen auftreten. Allerdings sind diese in der Regel nicht problematisch.

 

Insektenstiche behandeln, die richtigen Maßnahmen bei Atemnot setzen

Die meisten Insektenstiche kann man mit einfachen unterstützenden Pflegemaßnahmen behandeln. Diese besteht aus der lokalen Wundversorgung, wobei anfangs der Bereich mit Wasser und Seife gereinigt wird.

Man kann auch Eiswickel angelegen und Körperstellen bei Vorhandensein von Ödemen anheben. Paracetamol oder andere NSAR sollten mögliche Schmerzen lindern. Pruritus ist eine der häufigsten Erscheinungsformen von Bissen und Stichen. Dabei kann man mit einer Calamin-Lotion oder topischen Kortikosteroiden mit mittlerer Potenz behandeln.

Bei mittelschwerem oder schwerem Juckreiz ist häufig eine kurze Einnahme von systemischen Kortikosteroiden und oralen Antihistaminika, einschließlich H1- und H2-Blockern, von Vorteil. Wenn eine Sekundärinfektion vorliegt, sollte die Behandlung mit geeigneten Antibiotika beginnen.

Wenn es durch eine allergische Reaktion zu einer Schwellung der Atemwege kommt, kann man jedenfalls versuchen, durch Kühlung die Schwellung zu stoppen. Keinesfalls sollte die Wunde ausgesaugt oder abgebunden werden. Falls möglich sollte man sich merken, wie das Insekt oder die Schlange aussieht.

 

Notfall Anaphylaxie

Bei Anaphylaxie muss das Notfallteam sofort mit intramuskulärem Adrenalin behandeln. Und zwar mit Wiederholungen alle 5 bis 15 Minuten. Außerdem kommen häufig Zusatzbehandlungen wie systemische Kortikosteroide, Albuterol und Antihistaminika zum Einsatz. Wobei diese Therapien die Verabreichung von Adrenalin niemals verzögern dürfen.

 

Überträger von Krankheiten

Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung ist einem ständigen Risiko ausgesetzt, an durch Insekten übertragenen Krankheiten wie Dengue-Fieber, Zika-Virus, Malaria, Chagas-Krankheit, afrikanischer Trypanosomiasis und anderen zu erkranken. Hier versucht man mittels Kontrolle von Insektenpopulationen das Krankheitsmanagement zu verbessern, doch das birgt viele Herausforderungen.

Unter dem Strich ist Bewertung von durch Insekten (Vektoren) übertragenen Krankheiten ein wichtiger Gesichtspunkt bei der Behandlung von Arthropodenbissen und -stichen. Denn das entscheidet im Ernstfall über die Verabreichung der geeigneten Medikamente.


Literatur:

Jim Powers; Rachel H. McDowell. Insect Bites. StatPearls [Internet]. Last Update: April 27, 2020.

Gondim KC, Atella GC, Pontes EG, Majerowicz D. Lipid metabolism in insect disease vectors. Insect Biochem Mol Biol. 2018;101:108-123. doi:10.1016/j.ibmb.2018.08.005

Esterhuizen J. Disease prevention and anti-vector campaigns: insects. Rev Sci Tech. 2015;34(1):265-275.


Quelle: https://www.roteskreuz.at/

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