Inhalatoren und Anwendungsfehler

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­Inhalatoren bei Asthma und COPD werden oft fehlerhaft angewendet, was einen Präparatewechsel notwendig macht. Wichtig ist die Einschulung der Patienten.

Im Grunde genommen wenden Patienten ihre Inhalatoren für die Therapie von Asthma und COPD sehr oft fehlerhaft an. Dies macht wiederum unnötig einen teuren Präparatewechsel notwendig. Die richtige »Einschulung« der Patienten kann das verhindern. Deswegen ist sie dermaßen wichtig für den Therapie­erfolg und die Compliance.

 

Zahlreiche Fehler bei der Inhalationstechnik

Schon bei den seit Jahrzehnten bekannten Inhalatoren – den Dosieraerosolen – gegen Asthma und COPD wurden zahlreiche Fehler bei der Inhalationstechnik beschrieben. Beispielsweise gehörten dazu mangelhafte Koordinierung von Sprühstoß und Inhalatio. Weiters machten das Nichtschütteln vor der Anwendung oder gar das Vergessen des Abnehmens der Abdeck­kappe sowie Probleme durch Hustenreiz wegen des Treibgases Probleme. Spacer-Systeme haben nur teilweise Abhilfe geschaffen.

Sie sind vor allem unbeliebt bei Patienten, die sie­ ­außer Haus nicht gerne mitnehmen wollen oder können. Nicht zuletzt deshalb wurden zahlreiche, wegen der ­Umweltschädigung treibgasfreie, Trockeninhalatoren getestet und auf den Markt gebracht – scheinbar immer leichter und besser in der Anwendung – oft jedoch ohne vorherige Instruktion zu schwierig für ältere, beeinträchtigte Patienten mit z.B. Vergesslichkeit, Ungeschicklichkeit, Sehfehlern oder Behinderungen. Aber auch jüngere Patienten sind zum Teil kuriose Fehler möglich.

 

Praxisbeispiele Inhalatoren

Früher konnten die Patienten beispielsweise beim heutzutage nicht mehr erhältlichen Rotadisk und Diskhaler beim Hineinblasen das Pulver noch hinten hinausstauben sah, kann man nunmehr beim neuen Diskus sowie auch bei den meisten anderen Trockeninhalatoren diesen Anwendungsfehler nicht mehr so offensichtlich sehen.

Auch bei richtigem Saugen statt Hineinblasen waren einzelne Patienten stolz darauf, dass mit dem Turbohaler trotz 2 x täglicher Inhalation und dem Inhalt von 50 respektive 60 Inhalationen über 6 Monate auskamen. Überprüfung und Vorzeigenlassen ergab, dass die Patienten das Geräusch der Trocken­haltekugeln beim Schütteln des Turbohalers fälschlich als noch möglichen Inhalt des Pulvers interpretierten.

 

Probleme mit dem Drehen des Rades

„Es ist noch immer etwas drinnen“, demonstrierten die Patienten schüttelnd den Turbohaler. Sie missachteten das kleine Sichtfenster mit der roten Markierung. Denn diese verschwindet wieder, wenn man weiter dreht, da das Rad keine Blockierung am Ende besitzt.

Manche Patienten bedenken auch nicht, dass das Pulver bei einem am Kopf stehenden Turbohaler beim Drehen des Rades an der Basis nicht auf die Scheibe herunterfallen kann. Dadurch kann dann der Inhalator kein Pulver zur Inhalation freisetzen.

Häufiger Bedienungsfehler beim Turbohaler ist, dass Patienten diesen beim Aufladen nicht exakt senkrecht sondern schräg oder gar waagrecht halten. Denn deswegen fällt zu wenig Pulver auf die Drehscheibe.

Viele Patienten probieren, ob noch was drin ist. Diese häufige Angewohnheit kann dazu führen, dass der Inhalator zu früh leer ist. Beim Turbohaler werden oftmals sowohl vor als auch nach der Inhalation irrtümlich die Drehungen des Rades durchgeführt da es nur 1 x vor der Inhalation nach rechts und links gedreht werden braucht, wird der Turbohaler scheinbar doppelt so schnell leer. In Wirklichkeit ist bloß der Zählmechanismus 2 x statt 1 x weiter bewegt worden. Auch beim Diskus führt ­jede Öffnung und Schließung des Hebels zu einer Verminderung der Zahl im Zählfenster, unabhängig davon, ob inhaliert wurde oder nicht. Ein »Ausprobieren« des Diskus ohne Inhalation oder ein reines »Vorzeigen« des Diskus sollte der Patient deswegen unbedingt vermeiden.

 

Drücker bedienen nicht vergessen

Besonders eindrucksvoll beseitigbar sind Bedienungsfehler, die beim Vorzeigen des Handihalers oder des Aerolizers offensichtlich werden: Denn häufig ­vergessen die Patienten einfach den Drücker zu bedienen, sodass ­keine Löcher in der Kapsel entstehen. Oder sie lassen den Drücker während der Inhalation nicht mehr los, sodass die Nägel zwar in der Kapsel sind, das Pulver während der Inhalation aber nicht herausgesaugt werden kann. Ein Vergessen des Ladens mit einer neuen Kapsel kommt leider bei älteren Patienten ebenfalls vor – besonders wenn sie nicht sehen, ob die alte Kapsel schon Löcher hat oder nicht.

 

Inhalationsfehler bei der Anwendung von Inhalatoren

Wenn beispielsweise im Aerolizer die Kapsel feststeckt und Anwender das »Wirbeln« in der Kammer nicht beachten, dann entleert sich die Kapsel nicht vollständig genug. Dies ist für hörgeschädigte Patienten ein Problem. Beim Easyhaler ist wegen des kleinen und spitz zulaufenden Mundstückes das vollständige Umschließen mit dem Mund für alte Patienten nicht leicht. Jedoch ohne ­vollständiges Schließen mit dem Mund können die Patienten das Pulver nicht gut genug heraussaugen (zu wenig Flow).

Beim Turbohaler müssen die Patienten unbedingt die Verschlusskappe nach jeder Benützung stets ordentlich aufschreuben. Dies gilt vor allem, wenn eine Aufbewahrung in feuchten Räumen – wie z.B. Bad oder Küche – gebräuchlich ist. Feuchtigkeit bringt das Pulver zum Verklumpen und erschwert in Folge eine Inspiration des Trockenpulvers oder macht sie sogar unmöglich. Scheinbares »Nichthelfen« des Pulvers ist die Folge. Besonders ältere COPD-Patienten haben oft Probleme, die Luft nach der Inhalation für einen optimalen Therapieerfolg noch anzuhalten.

Besonders häufig ist jedoch sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Patienten, dass sie die Inhalation ohne vorheriges tiefes Ausatmen und nur durch kurze und viel zu ­wenig tiefe Inhalationen hastig und oberflächlich durchführen. Dadurch verbleibt das Pulver großteils an Zunge und Rachen, kommt jedoch in zu geringer Dosierung in die Lunge.

 

Empfehlungen zu Inhalatoren

Es empfiehlt sich, den Patienten nicht nur ein Rezept auszustellen. Der Arzt sollte nach der Erklärung und dem konkreten Vorzeigen der richtigen Bedienung und Inhalation auch den Patienten selbst die Technik vorzeigen lassen. Dies sollte der Arzt dann bei späteren Kontrollen nochmals überprüfen. Insbesondere wenn der Therapieerfolg trotz ausreichender Dosierung ausbleibt.

Der Hinweis auf die Gebrauchsinformation genügt in der Regel nicht. Denn die Patienten nehmen sich oft zu wenig Zeit, diese durchzulese. Zudem sind ältere Patienten teilweise funktionelle Analphabeten, die den Text zwar lesen, diesen inhaltlich aber nicht mehr verstehen.

Unterstützung bieten Atemschulen sowie das Personal in Apotheken, die die diversen Asthma- und COPD-Inhalationssysteme, insbesondere Trockeninhalatoren mit zusätzlicher Erklärung dem Patienten aushändigen.

Quelle und weitere Informationen:

Inhalatoren – Anwendungsfehler. Prim. Dr. Manfred Sommersgutter. MEDMIX 3/2005

http://www.inhalator-test.com/http://www.atemwegsliga.de/

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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