Infiltrationen an der Wirbelsäule zur Schmerztherapie

Dr. Bernhard Zillner; Dr. Andrea Stock © Mischa Nawrata 2019, Spineclinic

Dr. Bernhard Zillner; Dr. Andrea Stock © Mischa Nawrata 2019, Spineclinic

Ultraschall oder Bildwandler gezielte Infiltrationen an der Wirbelsäule sind wichtige Säulen der Schmerztherapie bei Rücken- oder Ischiasbeschwerden.

Die gezielte Schmerztherapie durch Infiltrationen an der Wirbelsäule mittels Injektionen an Nerven und schmerzhaften Gelenken können mittels Ultraschall oder Bildwandler sicher durchgeführt werden. Hier ergibt sich der Vorteil, dass die Nadelspitze millimetergenau an der schmerzhaften Stelle platziert werden kann. Mit interventionellen Techniken kann man einerseits sehr effizient an Ursprungsort des Schmerzes behandeln aber auch differenzialdiagnostische Fragestellungen beantworten. Interventionen können ambulant oder stationär durchgeführt werden und dauern normalerweise 20 bis 30 Minuten.

 

Unterschiedliche Arten von Infiltrationen an der Wirbelsäule zur Schmerztherapie

1. LUMBALE EPIDURALE STEROIDINJEKTION ( LESI)

Die epidurale, also in den Wirbelkanal verabreichte Steroidinjektion ist eine konservative Schmerztherapie zur Behandlung tiefliegender Rücken- bzw. Nervenwurzelschmerzen.

In der Regel behandelt man so unter Anderem die Folgen eines Bandscheibenvorfalls. Denn der kann durch lokale Entzündung und mechanischem Druck auf eine Nervenwurzel Schmerzen auslösen. (umgangssprachlich bezeichnet man dies als  «Ischiasschmerz») Beim Bandscheibenvorfall handelt es sich zumeist um ein akutes Schmerzgeschehen. Bei der Spinalkanalstenose oder Wirbelkanalverengung entwickeln sich die Beschwerden über einen längeren Zeitraum hinweg. Klinisch geht die Verengung mit einer stets zunehmenden Einschränkung der Alltagsmobilität einher und stellt neben den Schmerzen eine mitunter quälende soziale Beeinträchtigung für Patienten dar.

Mit einer oder wiederholten epiduralen Infiltration gelingt es in vielen Fällen, eine Operation zu umgehen oder zumindest lange hinauszuzögern.  Ein Akuter Schmerz lässt sich in der Regel sehr rasch deutlich lindern.

Gute und rasche Erfolge lassen sich auch bei akuten lumbalen Rückenschmerzen, dem sogenannten Hexenschuss erzielen, wenn sich nach 4-5 Tagen trotz Einnahme von Schmerzmedikamenten keine Besserung einstellt.

Es handelt sich um ein sicheres Verfahren welches erfolgreich im ambulanten oder stationären Bereich angeboten wird.

2. Wirkungsmechanismus

Bei der epiduralen Injektion wird ein Medikamentengemisch bestehend aus Kortison, einem lokalem Betäubungsmittel und/oder Kochsalzlösung in den Wirbelkanal injiziert. Der Epiduralraum ist ein in der Wirbelsäule gelegener schmaler Raum welcher schützendes Fettgewebe und Blutgefässen enthält und um den  sogenannten  Duralsack umgibt. Der Duralsack beinhaltet das Rückenmark in oberen Bereichen der Wirbelsäule (HWS BWS) und die Nervenwurzeln im Bereich der Lendenwirbelsäule.

Kortison wird als entzündungs- und schmerzhemmendes Medikament eingesetzt. Meist ist bei akuten Rücken- und Nervenwurzelschmerzen ein mechanischer Reiz schuld an einer lokalen Entzündung. Durch die lokale Umspülung der entzündeten Stelle nehmen auch die Schmerzen rasch ab. Kombiniert wird Kortison mit unterschiedlichen entzündungshemmenden aber auch betäubenden Substanzen wie das Lokalanästhetikum Lidocain.

Bei Unverträglichkeiten gegen Kortison kann Alternativ mittels homöopathischen oder aber auch mittels autlogem Blutplasma (PRP) ganz ohne Chemie behandelt werden. Lassen Sie sich vom Team der Spineclinic.at beraten.

3. Sacrale Umflutung

Der Sakralblock ist ein wertvolles Diagnoseinstrument, um herauszufinden, ob verengende Strukturen beim Spinalkanal oder bei den Nervenabgängen die Ursache für die Beschwerden sind. Nach klinischer Beurteilung und bildgebenden Verfahren mittels Röntgenbildern, CT (Computertomografie) oder MRI (Magnetresonanztomografie) geht es um die Sicherstellung der Diagnose. Dafür eignet sich der Sakralblock.

Die Epidurale interlaminäre Infiltration: Die Nadel wird von hinten zwischen 2 Wirbelkörpern in den Spinalkanal vorgeschoben bis es zu einer sicheren Verteilung von Kontrastmittel ausserhalb des Duralsackes kommt. Die korrekte Nadelposition wird somit sicher überprüft.

 

Die Facettengelenk-Infiltration bei Arthrose der kleinen Wirbelgelenke

Die Facettengelenke oder Zwischenwirbelgelenke, die zusammen mit der Bandscheibe die Verbindung zwischen benachbarten Wirbelkörpern herstellen, können sich mit zunehmendem Alter degenerativ verändern. Eine Verschleiss dieser Gelenke ist meist sehr schmerzhaft und führt abhängig von der Lokalisation zu Nacken- oder Rückenschmerzen. Die Ursache für Schmerzen sind jedoch nicht immer klar bei der Untersuchung festzumachen. Am Schmerzprozess sind oft auch Muskelverhärtungen, Deformitäten oder ein verändertes Gangbild beteiligt.

 

Diagnostische Infiltration der Zwischenwirbelgelenke

Manchmal liegt es bei der orthopädschen und funktionellen Bewegungsanalyse nicht klar auf der Hand wo der genaue Entstehungsort der Rückenschmerzen liegt. MIttels Bilddiagnostik (Röntgen, MRI und CT) kann man mit einer hohen Sicherheit feststellen, von welchem Gelenk oder von welchen Gelenken die Schmerzen ausgehen. Diese Fragestellung muss immer vor einem möglichen chirurgischen Eingriff oder einer Radiofrequenz Intervention (Nervenverödung)

Nach Injektionen ist eine genaue Beobachtung und Buchführung der Schmerzen während der ersten Stunden des ersten postinterventionellen Tages sehr wichtig. Diese Methode hilft uns, die schmerzauslösenden Gelenke besser einzugrenzen und eine zielorientierte Behandlung durchzuführen.

 

Therapeutische Infiltration der Zwischenwirbelgelenke

Bei der therapeutischen Infiltration wird ein Gemisch aus Lokalanästhetikum und Kortison in das Gelenk gespritzt. Die Kortisonwirkung kann die schmerzhafte Reizung für längere Zeit lindern oder sogar komplett beruhigen. Die begleitende Physiotherapie mit dem Schwerpunkt des gezielten Muskelaufbaus wirkt in den meisten Fällen zusätzlich unterstützend.

 

Periradikuläre Infiltrationen an der Lenden-Wirbelsäule oder Nervenwurzelblockade

Die periradikuläre Therapie ist eine konservative Schmerztherapie (durch eine Injektion) zur Behandlung von Nervenwurzelschmerzen an der Hals- oder an der Lenden-Wirbelsäule. Mechanischer Druck und eine lokale Entzündung ausgelöst durch einen Bandscheibenvorfall auf die Nervenwurzel führen zu starken Schmerzen im Arm oder im Bein. Je nach betroffener Nervenwurzel entwickelt sich eine typische Ausstrahlungssymptomatik. Nervenschmerzen im Bein werden umgangssprachlich als «Ischiasschmerz» bezeichnet.

Wenn sich Nervenwurzelschmerzen nicht ausreichend mit gängigen Schmerzmedikamenten bessern gelingt mit der periradikulären Therapie in vielen Fällen eine Operation zu vermeiden. Auf jeden Fall kann ein Schmerz gezielt bis zum chirurgischen Eingriff gut gelindert werden.

Wirkmechanismus. Bei der periradikulären Therapie wird die unter Druck stehende Nervenwurzel mit einer Medikamentenmischung aus Kortison und lokalem Betäubungsmittel (beispielsweise Lidocain) umspült. Diese werden mit einer dünnen Nadel in unmittelbarer Nähe des Nervs injiziert. Kortison oder entzündungshemmende Alternativen werden als in der Regel kombiniert mit einem Lokalanästhetikums eingesetzt. Bei Nervenwurzelschmerzen sind chemische und/oder mechanische Entzündungsprozesse beteiligt. Durch die Verringerung dieser Entzündung nehmen auch die Schmerzen ab.

 

Ablauf der Infiltrationen

Die Infiltrationen an der Wirbelsäule werden unter Röntgenbildwandler durchgeführt. Die Spitze einer sehr dünnen Hohlnadel wird dabei unter Durchleuchtung genau an der Stelle platziert die klinisch und radiologisch als Ursache für den Schmerz zuständig ist. Die korrekte Nadelposition wird mit Kontrastmittel sichergestellt. Anschliessend wird das Medikamentengemisch injiziert. Lokale Vereisung und die Verwendung sehr dünner Nadeln ermöglichen eine schmerzarme Prozedur. Von den meisten Patienten wird die Infiltration nicht oder als nur leicht schmerzhaft wahrgenommen.

 

Nach der Infiltration

Im Anschluss an die Infiltration sollten Patienten ein wenig rasten. Nach einem Abschlusscheck durch Arzt oder Ärztin können die Patienten die Klinik verlassen. Keinesfalls sollte man unmittelbar nach der Intervention ein Fahrzeug lenken. Am Tag der Infiltration sollte man auch besser auf schwere körperliche Tätigkeiten und Sauna- oder Schwimmbadbesuche verzichten.

 

Risiken und Komplikationen bei Infiltrationen an der Wirbelsäule

Die epidurale Infiltration, Facettengelenksinfiltrationen und die periradikuläre Therapie sind sichere Behandlungen, und zwar stellen sie seit Anfang der 90er Jahre einen festen Bestandteil der konservativen Schmerztherapie der Wirbelsäule dar.  Wir führen diese Art von Therapie täglich durch.

Kurzzeitige Störungen, ausgelöst durch das Lokalanästhetikum oder das Steroid sind möglich, meist gering und falls erforderlich gut behandelbar. Lokalanästhetika können vorübergehend Schwindel auslösen. Kortison erhöht Blutzucker, Blutdruck, und kann am Interventionstag zu Schlafstörungen sowie Gesichtsröte führen. Alle Symptome dauern in der Regel Stunden bis wenige Tage an. Bei bekannten Überempfindlichkeiten können alternativ homeopathische Präparate beziehungsweise Eigenbluttherapien durchgeführt werden.


Quelle: Spineclinic

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