Induratio penis plastica: Die erworbene Penisverkrümmung ist eine tabuisierte Erkrankung

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Franklin E. Kuehhas
Franklin E. Kuehhashttps://www.dr-kuehhas.at/
Dr. med. Franklin E. Kuehhas, FECSM ist Facharzt für Urologie und Andrologie und einer der wenigen Ärzte mit einer Spezialausbildung in rekonstruktiver Andrologie mit Fokus auf männliche Genitalchirurgie. Ebenso ist er auf Sexualmedizin spezialisiert und hält ein Diplom der Europäischen Gesellschaft für Sexualmedizin. In seiner Ordination in 1010 Wien behandelt Dr Kuehhas die kleinen und die großen Probleme des Mannes. Dr. med. Franklin E. Kuehhas, FECSM ist Facharzt für Urologie und Andrologie und einer der wenigen Ärzte mit einer Spezialausbildung in rekonstruktiver Andrologie mit Fokus auf männliche Genitalchirurgie. Ebenso ist er auf Sexualmedizin spezialisiert und hat hierfür ein Diplom der Europäischen Gesellschaft für Sexualmedizin. In seiner Ordination in 1010 Wien behandelt Dr Kuehhas die kleinen und die großen Probleme des Mannes. Adresse: Stadiongasse 6-8/30, 1010 Wien Tel.: 01 3977848; Email: info@dr-kuehhas.at; https://www.dr-kuehhas.at/

Die erworbene Penisverkrümmung ist auch unter dem Fachbegriff Induratio penis plastica bekannt. Die relativ häufige Erkrankung betrifft bis zu 10% aller Männer.

Eine Penisverkrümmung – Induratio penis plastica – kann nicht nur Schmerzen verursachen und zu funktionellen Problemen beim Geschlechtsverkehr führen, sondern auch psychosexuelle Problemen wie Depressionen mit sich bringen. Obwohl die Induratio penis plastica (IPP) so häufig ist, geistern immer noch falsche Informationen und Behandlungskonzepte umher. Eine effektive Behandlung ist heute aber nicht mehr nur chirurgisch möglich.

 

Was eine Penisverkrümmung ist

Bei einer Induratio penis plastica handelt es sich um eine Erkrankung, die zu einer Deformierung des Penis führt. Klassische Symptome sind eine Verkrümmung der Penisachse, Einkerbungen am Penisschaft, Verlust an Penislänge und im fortgeschrittenen Stadium auch erektile Dysfunktion. Ebenso wirkt sich eine Penisverkrümmung negativ auf das psychosexuelle Wohlbefinden betroffener Männer aus. Ein Rückzug aus der Sexualität und Probleme in der Partnerschaft sind dann nicht selten.

Trotzdem scheuen viele Patienten ein Gespräch mit dem Hausarzt oder Urologen, da es betroffenen Patienten nicht selten peinlich erscheint ihr Problem mit jemanden zu besprechen. Eine Recherche im Internet ist daher oft der erste Schritt und bleibt nicht selten der einzige. Im Netz findet man, wie bei vielen anderen Dingen einige nützliche Informationen aber auch viele Halbwahrheiten.  Männer die Veränderungen an ihrem Glied feststellen, sollten daher jedenfalls einen spezialisierten Urologen oder Andrologen aufsuchen.

 

Der Verlauf der Erkrankung

Eine Penisverkrümmung verläuft in der Regel in zwei Phasen. Zu Beginn steht die „akute“ Phase der Erkrankung. Hier kommt es zum Auftreten eines Narbengewebes (Plaque) am Schaft, in Folge dessen sich der Penis zu verändern und zu krümmen beginnt. Es kann zu Einkerbungsdefekten kommen bis hin zu einem so genannten Sanduhrphänomen.

In bis zu 40% der Fälle verspüren die Patienten in der akuten Phase der Erkrankung Schmerzen im Penis. Bis zu 80% der Patienten berichten, dass sie durch die Induratio penis plastica auch deutlich an Penislänge verlieren. Eben diese Kombination an Symptomen ist es, die die Erkrankung für viele Männer zu einem Tabu werden lässt.

Die zweite Phase der Erkrankung ist die „chronische“ Phase. Hier kommt es zu einer Stabilisierung der Erkrankung und zum Ausbleiben der Schmerzen. Die Penisverkrümmung ändert sich nicht mehr und ist stabil. Die Unterteilung in eine akute und chronische Phase trifft man deswegen, da nur in der chronischen Phase der Erkrankung eine Operation zur Begradigung durchgeführt werden kann.

 

Die Ursache für die Ausbildung einer Penisverkrümmung

Die genaue Ursache für die Ausbildung einer Penisverkrümmung ist nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass in genetisch vorbelasteten Personen eine immer wiederkehrende Belastung am Penisschaft mit entsprechenden kleinen Mikroverletzungen zu der Bildung der Plaque führt. Diese Plaque wird von Patienten oft als Knoten wahrgenommen und führt durch die Veränderung der Elastizitätsverhältnisse des Schwellkörpers des Penis zu den klassischen Symptomen.

Wie schon erwähnt, geht man davon aus, dass bis zu 10% aller Männer an Zeichen einer Penisverkrümmung leiden. Eine „seltene“ Erkrankung im urologischen Alltag ist die IPP dennoch, da betroffene Männer sich nicht trauen professionelle Hilfe aufzusuchen. Andererseits wird auch von ärztlicher Seite dieses Thema oft stiefmütterlich behandelt, sodass alte Behandlungskonzepte angeboten werden und so Patienten verunsichert werden.

 

Neue Behandlungskonzepte bei Induratio penis plastica

In der Vergangenheit konnte eine Induratio Penis Plastica nur durch eine Operation begradigt werden. Eine wirksame, konservative Behandlung war bisher nicht verfügbar.

Nichtsdestotrotz wurden und werden Patienten mit veralteten Behandlungskonzepten behandelt. Diese führen zu keiner Verbesserung der Verkrümmung. Sie sind jedoch in den Köpfen mancher Ärzte noch verwurzelt.

 

Neue revolutionäre Behandlungsmethode mit Kollagenase

Seit 2015 bzw. 2016 ist in den USA und in Europa eine neue revolutionäre Behandlungsmethode am Markt, die auch in der akuten Phase der Erkrankung eingesetzt werden kann. Es handelt sich hierbei um eine Kollagenase des Bakteriums Chlostridium histolyticum. Das Medikament soll in die Plaque gespritzt zu einer Auflösung der Verhärtung führen. Diese Injektionstherapie muss mehrmals wiederholt werden und führt in der Regel zu einer Reduktion der Verkrümmung.



Falls die Verkrümmung mit der Kollagenase nicht suffizient behandelt werden kann, muss in der chronischen Phase der Erkrankung aber an eine operative Begradigung gedacht werden. Die operative Begradigung wird meist mittels dem Nesbit-Verfahren durchgeführt.

Dabei wird die lange „konvexe“ Seite des Glieds auf die Länge der verkürzten „konkaven“ Seite des Penis gerafft. Hierbei kommt es aufgrund einer Raffung des Penisschwellkörpers zu einer in manchen Fällen für den Patienten sehr belastenden Penisverkürzung.

 

MOST-Technik

Um dies zu verhindern gibt es auch alternative Ansätze, welche als Graft Operation zusammengefasst werden. Diese Techniken sollen eine Penisverkürzung durch die OP verhindern.

Beim Graft Ansatz wird die Plaque auf der verkürzten Seite des Glieds aufgespalten und ein künstliches Deckmaterial (Graft) auf dem Schwellkörper eingebracht. Im Laufe der Zeit wird dieses Graft Material dann vom Körper abgebaut und durch körpereigene Zellen ersetzt.

Da diese Operation eine deutlich komplexere Herangehensweise hat, als die konventionelle Nesbit Operation bedarf sie eine entsprechende Spezialisierung in der Behandlung der Induratio Penis Plastica.

In sehr weit fortgeschrittenen Stadien der Penisverkürzung tritt oft auch eine erektile Dysfunktion auf. Wenn dies der Fall ist, kann eine simple Penisbegradigung das Problem nicht mehr alleine korrigieren. In solchen Fällen muss auch ein Schwellkörperersatz (Penisprothese) implantiert werden.

Wir haben eine spezielle Technik mitentwickelt, die zur Penisbegradigung, der Wiederherstellung der ursprünglichen Penislänge und zur Wiederherstellung der Funktionalität des Penis mittels Penisprothesenimplantation führt. Diese Technik wird in Fachkreisen als so genannte MOST-Technik („Modified Sliding Technik“) bezeichnet und löst die Probleme von Patienten im Endstadium der Induratio Penis Plastica.

 

Positive Trendwende

Obwohl die Induratio Penis Plastica noch immer eine tabuisierte Erkrankung ist, sollte man als betroffener Mann nicht den Kopf hängen lassen. Ertasten Patienten die Plaque am Penis das erste Mal ist oft auch die Angst einen Krebs zu haben im Spiel. Diese Angst kann man sich durch einen Besuch bei einem Spezialisten nehmen lassen.

Neue Entwicklungen in der Therapie einer Induratio Penis Plastica versprechen eine positive Trendwende, sodass einer Operation oft ausgewichen werden kann. Eine Operation sollte immer die letzte Behandlungsmöglichkeit sein. Wenn aber eine OP unausweichlich ist, so gibt es dennoch keinen Grund zur Verzeiflung. Die betroffenen Männer sollten wissen, dass man auch Eingriffe am besten Stück heutzutage sehr effektiv und sicher durchführen kann!

Autor: Dr. med. Franklin E. Kuehhas, FECSM ist Facharzt für Urologie und Andrologie,
https://www.dr-kuehhas.at/

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