Freitag, April 19, 2024

Immuntherapie gegen Weichteiltumor bei Kindern

Ein vielversprechendes neues Antikörper-basiertes Therapiekonzept gegen den häufigsten und sehr bösartigen Weichteiltumor bei Kindern macht Hoffnung.

Das Rhabdomyo-Sarkom ist ein häufiger, bösartiger Weichteiltumor bei Kindern. Trotz aggressiver Hochdosistherapien überleben nur 30 bis 60 Prozent der jungen Patienten die nächsten fünf Jahre. Bei Betroffenen mit einem Hochrisikotyp und im metastasierten Stadium sind es sogar nur 5 bis 10 Prozent. Diese alarmierenden Zahlen machen neue Therapieansätze dringend erforderlich. Forscher der Universitäten Gießen und Aachen haben unlängst ein Antikörper-basiertes Behandlungskonzept entwickelt, das speziell gegen diesen Tumor gerichtet ist.



In Vorarbeiten hatte die Arbeitsgruppe bereits ein so genanntes Immuntoxin synthetisiert, welches in Zellkulturversuchen und im Tiermodell eine spezifische, hohe Tumortoxizität zeigte. Darauf aufbauend hat das kürzlich abgeschlossene Projekt zwei weitere Ziele erfolgreich umgesetzt. Zum einen haben die Wissenschaftler das Immuntoxin voll humanisieren können und zum anderen die Expression des Tumorantigens erhöhen können. Während diese Art der Humanisierung mögliche Resistenzen gegen die rettenden Antikörper verhindert, steigert die medikamentös erzeugte Expression des Tumorantigens die Effizienz der Therapie.

 

Weichteiltumor bei Kindern und das Zellgift Granzym B

Zur vollen Humanisierung des Immuntoxins wurde das beim Menschen natürlich vorkommende Zellgift Granzym B eingesetzt. Der wesentliche Vorteil dieser vollen Humanisierung besteht darin, unerwünschte Immunisierungen von Patienten gegen allogene therapeutische Antikörper (zum Beispiel Mausantikörper) zu unterbinden, die zu einer Resistenz und damit zum Versagen der Behandlung führen können. Darüber hinaus erlauben immuntolerante therapeutische Antikörper einen wiederholten Einsatz über einen längeren Zeitraum, Voraussetzung für eine niedrig dosierte Langzeitbehandlung um eine minimale Resttumorerkrankung zu verhindern beziehungsweise zu eliminieren.

 

Im Blickpunkt: Forskolin, einer im Harfenstrauch Plectranthus barbatus vorkommender Wirkstoff

Neben einer verbesserten Spezifität und Bioverfügbarkeit eines therapeutischen Antikörpers ist die Höhe der Expression des Antigens, gegen das der Antikörper gerichtet ist, von entscheidender Bedeutung für die Therapieeffizienz. In der zweiten Projektphase wurden deshalb verschiedene Substanzen getestet, die aufgrund ihrer biochemischen Struktur und ihres bekannten Wirkspektrums eine mögliche Induktion der Expression der gamma Untereinheit des fetalen Acetylcholinrezeptors erwarten ließen. Dabei konnte gezeigt werden, dass die Gabe des Wirkstoffs Forskolin eine signifikante Erhöhung der Rezeptorexpression von über 50 Prozent bewirkte.

Bei Forskolin handelt es sich um eine in dem Harfenstrauch Plectranthus barbatus vorkommende chemische Verbindung, die als nichtselektiver Stimulator der Isoenzyme der Gruppe der Adenylylcyclasen in der Herz-, Gefäß- und Thrombosebehandlung diskutiert wird, so dass ein unterstützender Einsatz im Rahmen einer Antikörper-basierten Immuntherapie von Rhabdomyosarkomen realistisch erscheint.




Weitere Informationen:

http://www.kinderkrebshilfe.at/upload/6836_Weichteiltumoren_25Nov09_Endversion.pdf
http://www.kinderkrebsstiftung.de/fileadmin/kinderkrebsinfo.de/Weichteilsarkom20101025_ger.pdf
https://idw-online.de/de/news609896

Bildtext: Immuntherapie gegen Weichteiltumor bei Kindern © www.afcom.at

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