Immobil, alt und pflegebedürftig – Leben nach dem Trauma

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Betagte Trauma-Patienten sind oft immobil, überdurchschnittlich gebrechlich, haben häufig kognitive Einschränkungen und leiden an Herz- und Niereninsuffizienz.

In Deutschland zeigen sich ausgeprägte demografische Veränderungen. Die ferne Lebenserwartung, das heißt die Lebenserwartung eines heute 60-Jährigen, stieg von 80 Jahren im Jahre 1980 auf aktuell 86 Jahre. Dieser Zugewinn an Lebensjahren führt aufgrund der mit dem Alter assoziierten Osteoporose zu einem dramatischen Anstieg von Altersfrakturen (Oberschenkelbrüchen, Wirbelbrüchen, Ober- und Unterarmbrüchen). So zeigte sich in den letzten 15 Jahren alleine eine Zunahme der Oberschenkelbrüche um 20 Prozent.

Oberschenkelbrüche – immobil und hilfsbedürftig

Ein Schenkelhalsbruch ist inzwischen der häufigste Grund für eine Klinikeinweisung bei über 85-jährigen Frauen. Mit über 700.000 Fällen sind Knochenbrüche im Alter mittlerweile vor Herzinfarkt und Schlaganfall eine der häufigsten Krankheiten überhaupt und sie werden aufgrund der demografischen Entwicklung noch weiter zunehmen. Die Knochenbrüche im Alter haben für die Patienten zum Teil dramatische Konsequenzen.

Bis zu 50 Prozent der Patienten mit Oberschenkelbrüchen können nicht wieder in ihr altes häusliches Umfeld zurückkehren und werden hilfsbedürftig. Die Schwere der Verletzungen und vor allem die Menge der Patienten stellen Ärzte und das gesamte Gesundheitssystem zunehmend vor große Herausforderungen.

Besonders problematisch ist, dass viele der Patienten zum Teil erhebliche Begleiterkrankungen aufweisen, die die Behandlung weiter komplizieren. Die betagten Patienten sind überdurchschnittlich gebrechlich, haben häufig kognitive Einschränkungen und leiden an Herz- und Niereninsuffizienz. In Anbetracht der komplexen Ausgangssituation kann nur ein ganzheitlicher Behandlungsansatz, welcher umfassend die Gesamtsituation des Patienten berücksichtigt, zum Erfolg einer Reintegration in das häusliche Umfeld führen.

Ziel zu Hause unabhängig leben

Internationale Studien zeigen, dass die gemeinsame Behandlung in einem therapeutischen Team, bestehend aus Unfallchirurgen, Altersmedizinern (Geriatern), Pflegekräften, Physiotherapeuten und Mitarbeitern des Sozialdienstes, im Vergleich zur Standardbehandlung zu wesentlich besseren Ergebnissen führt. Das heißt, ein höherer Anteil der Patienten kann wieder zu Hause unabhängig leben. Neben individuellen Vorteilen für den Patienten selbst hat dies vor allem auch sozioökonomische Implikationen, da sich somit enorme Pflegekosten einsparen lassen.

Mit dem Ziel, die Behandlung von betagten Patienten flächendeckend zu verbessern, etablieren sich ähnlich der Stroke Units momentan spezialisierte Behandlungszentren für die Therapie von Altersverletzungen. Kern der ganzheitlichen Behandlungsstrategie ist die ortho-geriatrische Betreuung der Patienten gemeinsam durch Unfallchirurgen und Geriater.

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) treibt seit Jahren die Entwicklung dieser spezialisierten Behandlungseinheiten voran und hat Kriterien entwickelt, nach denen Alterstraumazentren zertifiziert werden. Aktuell sind bereits über 40 solcher Zentren zertifiziert und über 100 haben sich zur Zertifizierung zum AltersTraumaZentrumDGU® angemeldet. Zusätzlich werden von der AG Alterstraumatologie Kurse angeboten, in denen Ärzten die Prinzipien der ortho-geriatrischen Behandlung vermittelt werden.

Professor Dr. med. Ulrich Liener

Professor Dr. med. Ulrich Liener

Quelle:

Statement » Alt, immobil, pflegebedürftig? Nach dem Trauma zurück ins Leben « von Professor Dr. med. Ulrich Liener, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, Ärztlicher Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Marienhospital Stuttgart anlässlich des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2016.

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