Ibuprofen, bewährtes Schmerzmittel gegen Fieber und Schmerzen auch sicher bei Covid 19

Das Schmerzmittel Ibuprofen hat sich gegen Fieber und Schmerzen seit langem bewährt. © fizkes / shutterstock.com

Ibuprofen ist ein wirksames, gut verträgliches Schmerzmittel gegen Fieber und Schmerzen – auch jetzt in der Corona-Pandemie bei der Behandlung von Covid-19.

Das bewährtes Schmerzmittel Ibuprofen gegen Fieber und Schmerzen ist ein sogenanntes nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR). Wobei NSAR zu den am häufigsten verordneten Medikamenten zählen. Die dazugehörigen Substanzen beziehungsweise Schmerzmittel hemmen Entzündungen und lindern die Schmerzen. Außerdem senken sie Fieber und wirken blutgerinnungshemmend. Die jüngste Diskussion um mögliche Effekte bei der Covid-19-Erkrankung durch das Coronavirus SARS-Cov-2 hat Ibuprofen weltweit negative Schlagzeilen in den Medien gebracht. Für die europäische Gesundheitsagentur EMA gibt es dafür aber keine belastbaren Beweise. Die EMA-Experten empfehlen, dass man zu Beginn der Behandlung von Fieber oder Schmerzen bei Covid-19 alle verfügbaren Behandlungsoptionen einschließlich Paracetamol und NSAR wie Ibuprofen in Betracht ziehen sollte.

Es gab aber auch kritische Stimmen, die vermuteten, dass NSAR wie Ibuprofen (sowie auch die häufigen Blutdrucksenker ACE-Hemmer) den Eintritt der Coronaviren in die Zellen über den ACE-Rezeptor begünstigen könnten. Schließlich zeigte aber eine große rezente landesweite dänische Studie keinen signifikanter Zusammenhang zwischen der Anwendung von Ibuprofen und schwerem COVID-19. Das konnten dann weitere Studien bestätigen.

In einer aktuellen Corona-Studie empfehlen Forscher zudem den frühen Einsatz der NSAR-Schmerzmittel Diclofenac, Ibuprofen und Ketoprofen bei Covid 19, um Komplikationen zu verhindern und die Pathogenese umzukehren.

 

Ibuprofen – Schmerzmittel gegen Fieber und Schmerzen

Das bekannte Schmerzmittel Ibuprofen zeigt einerseits schmerzstillende und entzündungshemmende sowie auch fiebersenkende Wirkungen. Das Schmerzmittel gilt als optimaler Allrounder und wird gerne auch als idealer Bestandteil der Reiseapotheke empfohlen.

Die Wirkung tritt rasch ein und hält lange an. Wobei Kopfschmerzen und Migräne, Zahnschmerzen, Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen sowie Menstruationsbeschwerden klassische Anwendungsgebiete sind. Außerdem ist die Substanz auch bei der Behandlung von Schmerzen und Fieber bei Erkältungskrankheiten beliebt.

 

Wie und wie lange Ibuprofen wirkt

Alle NSAR hemmen die sogenannte Cyclo­oxygenaseaktivität sowie die Synthese von Prostaglandinen. Weiters kommt es auch zu einer Hemmung der Plättchenaggregation, wodurch die Blutungszeit verlängert wird. Dadurch können alle klassischen NSAR aber auch die Schleimhaut des oberen Magen-Darm-Trakts schädigen. Wobei diese Nebenwirkung bei Ibuprofen am geringsten ausgeprägt ist.

Unter dem Strich hat Ibuprofen eine kurze Halbwertszeit von 1,8 bis 2 Stunden. Da eine ­lange Halbwertszeit der NSAR-Schmerzmittel mit einem schlechteren Nebenwirkungsprofil einhergeht, ist Ibuprofen hinsichtlich der Nebenwirkungen relativ günstig.

Wichtigste Nebenwirkungen in diesem Zusammenhang sind eben gastrointestinale Blutungen. Weiter sollten Patienten mit Blutungsneigung sowie bestehenden Geschwüren im Magen- oder Zwölffingerdarm das Schmerzmittel nicht anwenden. Außerdem sollten werdende Mütter im letzten Drittel der Schwangerschaft Ibuprofen nicht einnehmen.

Zu beachten sind mögliche Wechselwirkungen mit Substanzen wie Herzglykosiden, Blutgerinnungshemmer, Glukokortikoiden, anderen NSAR, Blutdrucksenker wie ACE-Hemmern und Diuretika sowie Alkohol.

Jedenfalls gelten als Anzeichen einer Überdosierung Schwindel, Benommenheit, Kopfschmerzen, sogar Bewusstlosigkeit. Außerdem können Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blutdruckabfall, Atemdepression sowie ein Blauwerden der Haut auftreten. Bei solchen Symptomen müssen Betroffene sofort einen Arzt kontaktieren.

 

Anwendung und Dosierung

Die Anwendungsgebiete für Ibuprofen sind wie eingangs erwähnt vor allem akute Schmerzen. Dazu gehören beispielsweise ziehende, stechende und reißende Gelenk-, Muskel- und Rückenschmerzen. Weiter hilft der Wirkstoff bei Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Regelschmerzen sowie Schmerzen bei Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten.

Schließlich sollten Kinder unter 12 Jahren das Ibu­profen in der beliebten Stärke von 400 mg nur nach Verordnung eines Arztes einnehmen.

Als wirksame Einzeldosis von Ibu­profen gelten 400 Milligramm, wobei man pro Tag die Gesamtdosis von 1.200 mg Ibuprofen nicht überschreiten sollte. Hierzu haben verschiedene Studien eine schmerzlindernde und entzündungshemmende sowie fiebersenkende Wirkung ausreichend belegt.

 

Corona-Krise: Ibuprofen zur Behandlung der Covid-19-Erkrankung durch das Coronavirus SARS-Cov-2 am Prüfstand

Die Debatte über die Sicherheit nichtsteroidaler entzündungshemmender Arzneimittel (NSAR, englisch NSAIDs) bei der Behandlung von Covid-19 ist nach wie vor im Gange. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA erklärt aber, dass man die Schmerzmittel durchaus für die Behandlung einer beginnenden Covid-19-Viruserkrankung einsetzen kann.

Die EMA spricht sich gegen die Behauptungen des französischen Gesundheitsministers Oliver Veran aus, der Personen mit Covid-19-Symptomen Paracetamol anstelle von Ibuprofen empfiehlt, da letzteres den Zustand verschlechtern könnte. Die Empfehlung des Ministers wurde durch Berichte in französischen Medien angeregt, wonach sich der Zustand von vier jungen Menschen mit Covid-19 nach der Einnahme von Ibuprofen verschlechterte.

Das in den Berichten erwähnte Krankenhaus wollte die Spekulationen nicht kommentieren. Dies führte dann zu Warnungen vor NSAR und Covid-19. Es führte zu einer Reihe von Expertenaussagen, dass Ibuprofen und andere NSAR-Schmerzmittel von Patienten mit Covid-19 angesichts des Sicherheitsprofils der Medikamente am besten zu vermeiden wäre.

Die EMA hat jedenfalls jetzt betont: „Derzeit gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für einen Zusammenhang zwischen Ibuprofen und einer Verschlechterung von Covid-19. Die EMA beobachtet die Situation genau und wird alle neuen Informationen prüfen, die zu diesem Thema im Zusammenhang mit der Pandemie verfügbar werden. “ Diese Problematik ist jedenfalls weiterhin in Diskussion.

 

Cyclooxgenase-2 wird durch eine SARS-CoV-2-Infektion induziert, beeinflusst jedoch nicht den Viruseintritt oder die Virusvermehrung

Die Identifizierung von Arzneimitteln, die einen schweren Verlauf der Coronavirus-Erkrankung Covid-19 mit akutem respiratorischem Syndrom und seinen Symptomen regulieren, ist während der Corona-Pandemie ein bedeutendes Forschungsgebiet. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), die häufig zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt werden, könnten sowohl die SARS-CoV-2-Infektion als auch die Reaktion des Wirts auf Coronaviren modulieren.

NSAR hemmen die Enzyme Cyclooxygenase-1 (COX-1) und Cyclooxygenase-2 (COX-2), die die Produktion von Prostaglandinen (PGs) vermitteln. PGE 2, eines der am häufigsten vorkommenden Prostaglandine, spielt eine vielfältige biologische Rolle bei der Homöostase und bei Entzündungsreaktionen.

Frühere Studien haben gezeigt, dass die Behandlung oder Hemmung des PGE 2-Rezeptorsignals durch NSAR zu einer Hochregulation des Angiotensin-Converting-Enzyms 2 (ACE2), des Zelleintrittsrezeptors für SARS-CoV-2, führt. Das warf Bedenken auft, dass NSAR die Anfälligkeit für SARS-CoV-2-Infektionen erhöhen könnten.

Einige Forschungen konnten zudem zeigen, dass die COX / PGE 2-Signalübertragung die Vermehrung vieler Viren reguliert. Wobei jedoch noch nicht bekannt ist, ob das eine Rolle bei der SARS-CoV-2-Replikation spielt.

Eine rezente Studie hat nun die Wirkung von NSAR auf COVID-19 im Hinblick auf den Eintritt und die Replikation von SARS-CoV-2 untersucht. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass eine SARS-CoV-2-Infektion eine COX-2-Hochregulation in verschiedenen menschlichen Zellkulturen und Maussystemen induzierte. Die Unterdrückung der COX-2 / PGE 2- Signalübertragung durch die zwei häufig verwendete NSAR, Ibuprofen und Meloxicam, hatte jedoch keinen Einfluss auf die ACE2- Expression, den Viruseintritt oder die Virusreplikation.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die durch SARS-CoV-2 gesteuerte COX-2-Signalübertragung stattdessen eine wichtige Rolle bei der Regulierung der bei COVID-19-Patienten beobachteten Lungenentzündung spielen kann.

Für Ibuprofen gilt jedenfalls die Empfehlung, eine Behandlung mit dem Wirkstoff unbedingt auch während der Corona-Pandemie fortzusetzen. Weil es keinen Nachweis dafür gibt, dass deren Einnahme zu einer Verschlechterung der Covid-19-Erkrankung führt.


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