Hypertonie und Sport: wovon die Blutdrucksenkung ab hängt

Hypertonie und Sport: Krafttraining ist sehr erfolgreich. © asier romero / shutterstock.com

Hypertonie und Sport: Krafttraining ist sehr erfolgreich. © asier romero / shutterstock.com

Im Zusammenhang mit Hypertonie und Sport hängt die Blutdrucksenkung von Dauer, Häufigkeit, Intensität und Langfristigkeit der sportlichen Aktivität ab.

Unter dem Strich bieten Sport und viel Bewegung ein immenses Potential für die Behandlung und Blutdrucksenkung bei Hypertonie. zudem deuten rezente Hinweise darauf hin, dass Sport und körperliche Betätigung auch bei Personen mit resistenter Hypertonie eine Blutdrucksenkung bewirken kann. Und zwar bei betroffenen Personen, die nur sehr gering auf Medikamente zur Therapie ansprechend.

Jedenfalls ist Sport bei Hypertonie vor allem zur Prävention wichtig. Und zwar gilt das besonders in jungem Alter. Denn damit kann man dem altersbedingten Anstieg des Blutdrucksn kompensiert. In diesem Sinne hilft Sport und Bewegung, dass man der Entwicklung einer Hypertonie im späteren Leben entgegensteuern kann.

Zudem sind Sport und Bewegung für die Therapie von hohem Blutdruck beziehungsweise zur Blutdrucksenkung wichtig. Das kann sogar bei milder Hypertonie als alleinige Maßnahme ausreichen. Außerdem kann man den Sport mit anderen nichtmedikamentösen Strategien wie Ernährung und Gewichtskontrolle sehr gut kombinieren. Dies gilt auf Dauer als ebenso wirksam wie eine medikamentöse Monotherapie. Sport langfristig durchgeführt bringt bei Hypertonie eine Blutdrucksenkung ähnlich wie eine Kombination von zwei Medikamenten.

Schließlich hilft Sport und Bewegung bei Hypertonie auch als zusätzliche (adjuvante) Maßnahme zur medikamentösen Therapie. Denn Sport kann wie erwähnt bei Hypertonie bis zu zwei Medikamente zur Blutdrucksenkung einsparen. Und zwar wenn man ihn regelmäßig und adäquat betreibt.

Angaben in Leitlinien, was durch Bewegung erreicht werden kann, sind nicht adäquat. Die mögliche Blutdrucksenkung hängt immer von Dauer, Häufigkeit, Intensität und Langfristigkeit der sportlichen Aktivität ab. Blutdrucksenkung bei zweimal wöchentlichem Training nach mehreren Jahren bis zu 22/20 mmHg. Übrigens kann es aber bei einem Widerstandstraining mit hoher und mittlerer Geschwindigkeit bei älteren Erwachsenen mit Hypertonie zu einer akute Steigerung des Blutdrucks kommen.

 

Unterschiede medikamentöse Therapie versus Bewegungstherapie

Ein blutdrucksenkender Effekt tritt bei der medikamentösen Therapie sofort ein. Der blutdrucksenkende Effekt bei Bewegungstraining tritt erst mit deutlicher Verzögerung ein. Das heißt, hier muss in den meisten Fällen zunächst einmal mit einer medikamentösen Therapie begonnen werden, die dann reduziert werden kann, sobald der Blutdruck durch das Bewegungstraining zusätzlich gesenkt wird.

Durch Bewegungstraining ergeben sich zugleich günstige Effekte auf weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren (Blutfette, Blutgerinnung, Harnsäure und Kohlenhydratstoffwechsel (Diabetes mellitus), Vermeidung von Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern). Das leistet keine medikamentöse Therapie!

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Hypertonie und Sport: Nicht nur Ausdauertraining ist wichtig, sondern auch Krafttraining

Bisher empfehlen die meisten Therapeuten nur Ausdauertraining. Im Gegensatz dazu stehen nur die Empfehlungen in den USA (ACSM). Jedenfalls gilt auch das Krafttraining (Kraftausdauer) sowie ein hochintensives Intervalltraining (HIIT) sind jedoch ebenfalls erfolgreich. Wobei HIIT dabei noch eher die Motivationen fördert. Zudem braucht es weniger Zeit. Übrigens kann auch Tai Chi den Blutdruck von Patienten mit Hypertonie deutlich verbessern.

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Wie sieht es mit Sport bei zusätzlichen Erkrankungen wie Koronarer Herzkrankheit (KHK) und Herzinsuffizienz aus?

Im Grunde genommen ist Sport auch sehr wichtig, wenn die aktive Person an Erkrankungen wie Koronarer Herzkrankheit (KHK) und Herzinsuffizienz leiden. Und zwar gilt das für alle Sportformen einschließlich hochintensivem Intervalltraining. Hierzu gibt es einerseits bereits gute Daten bei der koronaren Herzerkrankung. Andererseits gilt das auch für Patienten mit Herzinsuffizienz. Bei denen ist das hochintensive Intervalltraining sogar noch effektiver als das Ausdauertraining.


Literatur:

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Quelle:

Statement » Hypertonie in Bewegung – Was bringt der Sport? « von Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Professor h. c. Reinhard G. Ketelhut, DHL® in Berlin, 2016.

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