Hyperkalzämie – häufigste Elektrolytentgeleisung bei fortgeschrittenem Krebs

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Dr. Darko Stamenov
Dr. Darko Stamenov
MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Die Hyperkalzämie ist eine der häufigsten tumorinduzierten metabolischen Komplikationen, wichtigste Therapie ist die Rehydratation der Patienten.

Die Hyperkalzämie ist eine Elektrolytentgeleisung, die sowohl in der niedergelassenen Arztpraxis als auch in der Notfallambulanz recht häufig vorkommt. Dabei sind die behandelnden Ärzte gefordert, diese teilweise lebensbedrohliche, metabolische Komplikation einer meist fortgeschrittenen Krebserkrankung konsequent zu behandeln. Meist ist die Symptomatik sehr ausgeprägt. Schließlich ist eine rasche Behandlung dringend notwendig.

Während noch vor wenigen Jahren etwa jeder dritte Patient mit fortgeschrittenem Krebs mindestens einmal eine hyperkalzämische Krise im Verlauf der Krebs-Erkrankung erlitt, ist die Elektrolytentgeleisung in den letzten Jahren deutlich seltener. Denn der Grund dafür ist der konsequenten Einsatz von Bisphosphonaten zur Behandlung tumorinduzierter Knochenveränderungen.

 

Tumorinduzierte Hyperkalzämie erkennen

Die Symptomatik einer Hyperkalzämie ist oft uncharakteristisch (siehe Tabelle). Beispielsweise können Übelkeit und Erbrechen, Anorexie, Obstipation, Polyurie und Polydipsie, Müdigkeit sowie Verwirrtheit das Bild prägen. Schließlich sind schwersten Fällen eine hyperkalzämische Krise zu befürchten – bis hin zu einem komatösen Zustand.

Symptome der Hyperkalzämie


Gastrointestinale Beschwerden

  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Obstipation,
  • Pankreatitis,
  • peptische Ulzera sowie auch
  • Anorexie

Kardiale Symptome

  • Tachykardie,
  • erhöhte myokardiale Kontraktion,
  • Verkürzte Systole,
  • Verkürztes QT Intervall sowie
  • erhöhter diastolischer Blutdruck

Renale Symptomatik

  • Polyurie,
  • Polydipsie,
  • Mundtrockenheit sowie
  • Nykturie

Neurologische Symptome

  • Müdigkeit,
  • Verwirrtheit,
  • Depression,
  • Benommenheit,
  • Lethargie sowie
  • Koma

Tabelle Hyperkalzämie-Symptomatik

 

Hyperkalzämie behandeln

Anfänglich sollte die initiale Behandlung in der Gabe von physiologischer Kochsalzlösung bestehen – 3 bis 6 Liter pro Tag. Schließlich soll diese den Patienten rehydrieren und eine Kalzium-­Diurese induzieren. Dabei kann die Gabe von Flüssigkeit alleine den Serum Kalzium-Spiegel um 0,3 bis 0,5 mmol innerhalb von 48 Stunden reduzieren. (CAVE: Kalzium-hältige Lösungen).

Schließlich erhöhen Schleifendiuretika wie Furosemid die ­Natrium-gekoppelte renale Kalzium-Ausscheidung und ergänzen die Flüssigkeitssubstitution im Sinne einer forcierten Diurese. Dies sollte allerdings nur unter Kontrolle der Flüssigkeitsbilanz sowie der Serum-Elektrolytwerte erfolgen.

 

Intravenöse Gabe eines Bisphosphonats

Zur Standardtherapie der malignen Hyperkalzämie zählt heutzutage auch die intravenöse Gabe eines Bisphosphonats. Eine einmalige Infusion von Pamidronat (90mg), Ibandronat (2mg) oder Zolendronat (4mg) normalisiert den Serum-Kalziumspiegel in der Mehrzahl der Patienten (80%) innerhalb der ersten 5 Tage nach Infusion.

Die orale Gabe eines Bisphosphonats ist bei Hyperkalzämie nicht empfohlen, da aufgrund der gastrointestinalen Symptomatik bei Hyperkalzämie mit einer schlechten Verträglichkeit oraler Bisphosphonate gerechnet werden muss. Außerdem sind die älteren, oral verfügbaren Bisphosphonate weniger potent als die oben genannten Substanzen, was eine ver­zögerte Senkung des Kalziumspiegels und eine insgesamt niedrigere Erfolgsrate bedeutet.

Schließlich ist auch auf die ­potentielle Nephrotoxizität der Bisphosphonate zu achten. Wobei bei vorheriger Hydrierung und Lösung des Bisphosphonats in aus­reichend viel Flüssigkeit sowie einer lang­samen Infusion die renalen Nebenwirkungen jedoch selten sind.

Literatur:

Ralston SH. Pathogenesis and management of cancer associated hypercalcaemia. Cancer Surv. 1994;21:179-96.

Pettifer A, Grant S. The management of hypercalcaemia in advanced cancer. Int J Palliat Nurs. 2013 Jul;19(7):327-31.


Quelle: Supportive Therapie. Dr. Niklas Zojer. MEDMIX 2/2006

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