Die großen tropischen Hyalomma-Zecken haben erstmals überwintert

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Unlängst haben wir über die tropischen Riesenzecken in unseren Breiten berichtet. Nun zeigte sich, dass diese Hyalomma-Zecken nun sogar überwintern.

Die exotischen, tropischen Hyalomma-Zecken wurden erneut bei uns gesichtet. Wobei die Riesenzecken in diesem Jahr auf dem besten Weg sind, sich hier dauerhaft anzusiedeln. Denn die Zeckenforscher der Universität Hohenheim in Stuttgart und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr sind davon überzeugt, dass die Tiere – im Gegensatz zu den Exemplaren des Vorjahres – in hiesigen Gefilden heuer überwintert haben.

 

Bis zu dreifach so groß wie die europäischen Artverwandten

Unter dem Strich sind die auffälligen Tiere mit den geringelten Beinen doppelt bis dreimal so groß wie ihre europäischen Verwandten.

 Unlängst entdeckte man in Deutschland fünf Hyalomma-Zecken in einem Pferdehof in Nordrhein-Westfalen sowie eine auf einem Pferd in Niedersachsen. Die Experten gehen davon aus, dass diese Tiere in unseren Breiten überwintern konnten.“

Letztes Jahr wiesen die Zeckenforscher erstmals die Tiere der Gattung Hyalomma in größerer Menge nach. Daraufhin wurde die Bevölkerung gebeten, mögliche Funde von Hyalomma-Zecken einzusenden. Heuer zeigten sich in den letzten Tagen die ersten Funden, an verschiedenen Orten, praktisch zeitgleich. Deshalb kann man davon ausgehen, dass die jetzigen heißen Tage dafür verantwortlich waren, dass die wärmeliebenden Hyalomma-Zecken ziemlich gleichzeitig an den unterschiedlichen Orten aktiv wurden.

 



Hyalomma-Zecken können überwintern

Doch während die Exemplare letztes Jahr höchstwahrscheinlich noch mit Zugvögeln eingeschleppt wurden, dürfte das diesmal nicht der Fall sein. Im Grunde genommen sind die Jugendstadien der Zecken, die Larven sowie Nymphen, oft an Zugvögeln zu finden. Dieses lassen sich dann einfach abfallen.

Doch die jetzt gefundenen Tiere sind relativ früh im Jahr aufgetaucht. Wenn man nun den Entwicklungszyklus zurückrechnet, hätten diese Hyalomma-Zecken also zu einem Zeitpunkt eingeschleppt werden müssen, als die Zugvögel noch gar nicht da waren.

 

Zwei unterschiedliche Arten

Letztes Jahr wiesen die Forscher zwei Hyalomma-Arten nach, die Hyalomma marginatum und die Hyalomma rufipes. Bei den diesjährigen Zecken steht die genaue Artbestimmung teilweise noch aus. Doch die Experten vermuten, dass es sich bei allen um Hyalomma marginatum handelt. Die Art stammt offensichtlich vorwiegend aus der Türkei und Osteuropa. Deshalb sind diese Hyalomma-Zecken unserem Klima eher angepasst als Hyalomma rufipes aus Afrika.

 

Überwintern heißt nicht unbedingt heimisch sein

Doch Überwintern heißt nicht notwendigerweise, dass Hyalomma-Zecken bei uns bereits heimisch geworden sind. Denn damit sich eine Population entwickeln kann, müssten sich Männchen und Weibchen finden. Allerdings ist das ist bei den wenigen Tieren schwierig. Zudem müssten sich de Larven und Nymphen entwickeln, die Vögel oder auch Hasen als Wirt benötigen. Ob und wie das in unseren Breiten funktioniert, wissen die Forscher noch nicht und beobachten weiter die Entwicklung.

Allerdings legt der Fund von fünf Hyalomma-Zecken in einem einzelnen Pferdehof nahe, dass dort mehrere Individuen gleichzeitig vorhanden waren und somit die Möglichkeit einer Paarung und des Entstehens einer eigenständigen Population besteht.

 

Hundezecken

Auch andere tropische Zecken sind im Blickpunkt der Forschung. Das ist beispielsweise die Braune Hundezecke Rhipicephalus sanguineus, die ursprünglich in Afrika beheimatet ist. Man ging zwar bis jetzt davon aus, dass diese Zecken mit Hunden hier her transportiert wurden. Mittlerweile wurden aber auch Exemplare an Hunden gefunden, die den eigenen Hof nie verlassen hatten. Deswegen konnte sich auch diese Art hier möglicherweise bereits entwickeln.

 

Die Gattung der Hyalomma-Zecken im Fokus

Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes sind ursprünglich in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas beheimatet. In Mittel- und Nordeuropa kamen sie bisher nicht vor. Mit ihren gestreiften Beinen sind sie eine auffällige Erscheinung, viel größer als der normale Holzbock.

Im eurasischen Raum gelten beide Arten als wichtige Überträger des Virus des Krim-Kongo Hämorrhagischen-Fiebers und des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers (Alkhumra-Virus). Auch das Bakterium Rickettsia aeschlimannii, das eine Form des Zecken-Fleckfiebers auslöst, kann durch diese Zecken übertragen werden.

Die erwachsenen Zecken saugen das Blut vor allem an den großen Tieren. Die Zecken können sich aktiv auf ihren Wirt zubewegen und legen dabei eine Strecke von bis zu 100 Metern zurück. Auch der Mensch ist ein potenzieller Wirt der Tiere. Die Larven und die Nymphen dagegen sind vor allem an Vögeln und Kleinsäugetieren zu finden. Sie bleiben bis zu 28 Tage auf dem Wirt und können so mit den Zugvögeln hierher kommen.

Quelle: 
Universität Hohenheim

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