Hunde als Gesundheitsfaktor

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Hunde haben großen Einfluss auf die menschliche Gesundheit, aber eben nicht nur zum Schlechten. Vielmehr sind sie in vielerlei Hinsicht wahre Gesundheitsförderer.

Früher waren Hunde Arbeitstiere, die eine konkrete Aufgabe zu erfüllen hatten: Sie hüteten das Vieh, beschützten Haus, Hof und Menschen oder waren für die Jagd auf allerlei unterschiedliches Getier abgestellt. Die domestizierten Verwandten des Wolfes gehörten damit zwar in das unmittelbare Umfeld ihrer Halter, aber immer vor dem Hintergrund ihres Nutzens für den Alltag.

Seither hat sich die Rolle des Hundes sehr gewandelt. Zwar lassen sich die Vierbeiner in verschiedenen Rollen nach wie vor als Arbeitstier wiederfinden – weiterhin etwa als Hütehunde, als Spürhunde, Rettungshunde oder als Blindenhunde –, allerdings überwiegt die Haltung als reines Haustier. Die müssen keine expliziten Aufgaben übernehmen, obwohl sie ganz unbewusst recht viele im Sinne der Gesundheitsförderung ausüben.

 

Mehr Bewegung und Sicherheitsgefühl durch Hunde

Dabei ist die positive Wirkung besonders im Bereich der Stärkung von Herz und Kreislauf sowie des Immunsystems ein offenes Geheimnis. Denn in der Regel brauchen Hunde ausreichend Bewegung, ganz unabhängig von der Größe oder der Rasse. Da sie sich kaum selbst Gassi führen können, sind die Halter also ebenfalls zu mehr Aktivität aufgefordert – das kostet zwar Zeit und ist je nach Wetterlage oder Jahreszeit kein sonderliches Vergnügen. Aber die regelmäßige Bewegung hilft auch Herrchens und Frauchens Körper in vielerlei Hinsicht.

Da sich Hunde nicht selbst Gassi führen können, müssen die Halter aktiv sein. © Andrey Popov / fotolia.comQuelle: Andrey Popov / fotolia.com

Da sich Hunde nicht selbst Gassi führen können, müssen die Halter aktiv sein. © Andrey Popov / fotolia.com

Das bestätigte unlängst noch einmal eine Studie, durchgeführt an der University of Western Australia UWA, die in Zusammenarbeit mit dem WALTHAM Centre for Pet Nutrition entstand. Mit der internationalen Untersuchung wurde der Zusammenhang zwischen dem Ausführen von Hunden und der körperlichen Aktivität beleuchtet, zudem wurden die Auswirkungen auf die Sicherheitswahrnehmung der Menschen berücksichtigt.

Die Auswertung der Untersuchungsergebnisse von mehr als 1.000 australischen und US-amerikanischen Hundebesitzern unterstreicht das, was im Prinzip jeder Hundehalter bestätigen kann: Sie sind im Vergleich zu Nicht-Hundehaltern an mehr Tagen in der Woche um mindestens 30 Minuten länger aktiv. Das entspricht in der Summe wiederum mindestens den 150 Minuten körperlicher Aktivität pro Woche, die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen werden.

Gleichzeitig beeinflusste das Ausführen des Hundes bei rund 60 Prozent der Probanden ein erhöhtes Sicherheitsgefühl. Das traf auf Frauen stärker zu als auf Männer, zudem zeigten sich durchaus Unterschiede zwischen den australischen und amerikanischen Teilnehmern.

 

Hundepsychologie: Hunde als „Therapeuten“

Damit konnte das Team um Dr. Hayley Christian ebenfalls die positiven psychischen Effekte der Hundehaltung belegen. Die gelten wiederum nicht alleine in Bezug auf das Sicherheitsempfinden. Besonders bei Kindern können sie in erheblichem Maße bei der psychischen Entwicklung helfen:

  • Stärkung von Selbstwert- und Verantwortungsgefühl. Sind die Hunde zutraulich, wecken sie bei den Kindern das Gefühl, verstanden und gebraucht zu werden. Die Kinder übernehmen dadurch automatisch mehr Verantwortung für das Tier.
  • Emotionale Entwicklung. Das Zutrauen und die Nähe spielen auch in dieser Hinsicht eine große Rolle, beides vermittelt ein für Kinder wichtiges Gefühl von Wärme, Vertrautheit und Sicherheit. Da Hunde direkt auf jede Aktion des Kindes reagieren, lernen diese schneller, auf die Gefühle und Bedürfnisse anderer Acht zu geben.
    Aus diesem Grund – und wegen ihres Erscheinungsbildes – sind etwa Französische Bulldoggen so beliebt. Von ihrem Wesen und ihrem Charakter her sind sie anhänglich bis verschmust, dabei leicht zu erziehen und somit als Familienhunde bestens geeignet.
    Anders kann es sich hingegen mit Terriern verhalten, die zwar ähnliche Größenverhältnisse erreichen wie die Bulldoggen und durchaus menschenorientiert sind – allerdings sind sie auch Jagdhunde mit den entsprechenden Instinkten und Beuteorientierung. Besonders für ganz kleine Kinder sind sie daher eher ungeeignete Partner.
  • Integration. Hunde wirken als sogenannter „sozialer Katalysator“, das heißt sie erleichtern den Kontakt zu anderen Kindern bzw. zu anderen Menschen generell. Darüber hinaus unterscheidet der Hund nicht nach Aussehen oder sozialer Herkunft, was für Kinder eine wertvolle Lektion für den vorbehaltlosen Umgang mit anderen darstellt.
  • Körpersprache und Sprachbereitschaft. Hunde kommunizieren nur nonverbal, das aber umso deutlicher. Ein wedelnder Schwanz, angelegte Ohren oder hochgezogene Lefzen sind klare Signale, die es zu beachten gilt. Das sensibilisiert daneben auch für die Begegnung mit Menschen.
    Kinder profitieren hinsichtlich der Kommunikation allerdings ebenso von der Notwendigkeit, mit dem Tier zu sprechen, die durch das auffordernde Verhalten des Hundes entsteht. Genauso regt ein Hund aber dazu an, mit anderen Kindern und Erwachsenen über ihn zu reden.
    Abgesehen davon wirken Hunde auch bei verhaltensauffälligen Kindern insofern therapeutisch, weil sie das Kind trotzdem als „normal“ betrachten. Sie fordern dabei die Aufmerksamkeit und Konzentration der Kinder, was diese wiederum beruhigen kann – einer der Gründe dafür, warum Hunde mittlerweile in Klassenzimmern zum Einsatz kommen. Obwohl eine gegenteilige Reaktion durch die Anwesenheit eines Hundes vermutet werden könnte, sorgt diese vielmehr für Ruhe.

Aus ähnlichen Gründen sind Unternehmen dazu übergegangen, Hunde in ihren Büros einzusetzen. Die stresslindernde Wirkung durch den Körperkontakt zwischen Hund und Mensch entfaltet sich schließlich auch bei Erwachsenen, die gerade im beruflichen Alltag womöglich noch mehr davon profitieren können. Das Streicheln und die Beschäftigung mit dem Hund im Allgemeinen regen die Produktion von Oxytocin an. Das Glückshormon sorgt nicht nur ohnehin für ein gesteigertes Wohlbefinden, sondern senkt zudem die Freisetzung der Stresshormone Insulin und Cortisol.

Kinder profitieren hinsichtlich der Kommunikation von der Notwendigkeit, mit dem Tier zu sprechen, die durch das auffordernde Verhalten der Hunde entsteht. © rastlily / fotolia.comQuelle: rastlily / fotolia.com

Kinder profitieren hinsichtlich der Kommunikation von der Notwendigkeit, mit dem Tier zu sprechen, die durch das auffordernde Verhalten der Hunde entsteht. © rastlily / fotolia.com

Insgesamt werden die Mitarbeiter dadurch entspannter, wofür auch die – gewissermaßen erzwungenen – Pausen sorgen. Die Unterbrechungen der Arbeit, um sich um den Hund zu kümmern, reduzieren nicht nur den Stresslevel, sondern tragen zu einer gesteigerten Produktivität bei: Denn die Konzentration lässt bereits nach 20 Minuten nach, weshalb einige Minuten Unterbrechung alle 60 bis 90 Minuten durchaus sinnvoll sind. Selbstverständlich gilt auch für Bürohunde und ihre menschlichen Kollegen die positive Wirkung der notwendigen Bewegung. So lässt sich das Herzinfarktrisiko schon während der Mittagspause senken.

 

Hunde gegen Allergien bei Kindern?

Unbestritten ist die Tatsache, dass Hundehaare allergische Reaktionen auslösen können. Doch der frühzeitige Umgang mit einem Hund kann auch dazu führen, das Allergierisiko von Kindern zu senken. Das zumindest legten vor einigen Jahren die Auswertungen einer US-Studie des Henry Ford Hospitals in Detroit/Michigan nahe. Bei der Langzeitstudie „Detroit Childhood Allergy Study“ wurden Kinder der Geburtsjahrgänge 1987 bis 1989 bis zu ihrem zweiten Lebensjahr begleitet und ihr Gesundheitszustand sowie die Lebensumstände mittels Interviews erfasst.

Geprüft wurde dabei außerdem der Verlauf des IgE-Spiegels im Blut. Die diesbezüglichen Werte natürlich geborener Kinder, die schon pränatalen Kontakt mit Haustieren hatten, lagen dabei um 16 Prozent niedriger als bei Kindern aus Familien ohne Haustiere. Bei per Kaiserschnitt geborenen Kindern fielen die Werte sogar um 43 Prozent niedriger aus. Offenbar entfaltet der pränatale Haustierkontakt eine lindernde Wirkung auf die Allergieentwicklung.

Die Interpretation der Ergebnisse ist jedoch mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten: Bei lediglich sechs Prozent der über 1.000 untersuchten Kinder der betreffenden Geburtskohorten lagen die Messungen der IgE-Werte wirklich bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr vor – zu wenig für repräsentative Aussagen. Darüber hinaus fehlten Daten zur allergen-spezifischen Sensibilisierung und frühe Entwicklungen anderer allergischer Erkrankungen wie Neurodermitis oder Nahrungsmittelallergien. Für gesicherte Erkenntnisse über den Zusammenhang einer pränatalen Haustierexposition und allergischen Erkrankungen bräuchte es daher eine sehr viel länger durchgeführte Studie.

Aus gesundheitlicher Perspektive wiederum ist der Kontakt mit der Hundezunge durchaus heikel. © olezzo / fotolia.com

Aus gesundheitlicher Perspektive wiederum ist der Kontakt mit der Hundezunge durchaus heikel. © olezzo / fotolia.com

Nicht ohne Risiken: Hundeküsse

Abgesehen davon ist ein Mindestmaß an Vorsicht angeraten, wenn Kinder und Hunde aufeinandertreffen. Das gilt nicht nur für das häufig unterschätzte Risiko eines Bissvorfalls, das selbst bei Familienhunden besteht, die eigentlich mit dem sie umgebenden Personenkreis vertraut sind. Kinder sind in dieser Hinsicht noch einmal deutlich stärker gefährdet, da sie gerade im Kleinkindalter noch kein Verständnis für die Bedürfnisse des Hundes haben und dessen Warnsignale nicht oder nicht richtig deuten können.

Eine potenzielle Gefährdung für die Gesundheit von Kindern – bzw. für den Menschen im Allgemeinen – entsteht auch durch das Lecken der Hunde. Dabei ist das, nur vom Verhalten ausgehend, zunächst ein positives Zeichen: Hunde verbinden das Lecken mit der Zuwendung ihrer Mutter im Welpenalter. Dabei diente es der Hygiene ebenso wie der Anregung der Verdauungstätigkeit. Das Lecken ist daher durchaus als Sympathiebekundung zu verstehen, bis zu einem gewissen Punkt kann es sogar als Zeichen der Unterwürfigkeit gedeutet werden.

Aus gesundheitlicher Perspektive wiederum ist der Kontakt mit der Hundezunge durchaus heikel. Der Grund oder besser: die Gründe finden sich im Speichel. Der ist mit verschiedensten gesundheitsschädlichen Bakterien, Viren und Hefen ‚angereichert‘. Krankheitserreger wie Clostriden, Kolibakterien, Salmonellen, Campylobacter und sogar Wurmeier können durch das Lecken in den menschlichen Organismus gelangen und beispielsweise Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes verursachen.

Das ist weniger gravierend, wenn der Gesundheitszustand stabil und das Immunsystem entsprechend stark ist, im angeschlagenen Zustand sind die Folgen jedoch mindestens unangenehm. Hundeküsse auf empfindliche Bereiche wie das Gesicht sollten daher nach Möglichkeit vermieden und dem Ablecken der Hände etwa mit der notwendigen Hygiene entgegengewirkt werden.

 

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About Author

Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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