Operation Neues Hüftgelenk oder Kniegelenk: optimale OP-Vorbereitung

Kniegelenk © Jarva Jar / shutterstock.com

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Früher dienten die Hüftgelenk- oder Kniegelenk-OP vor allem dazu Beschwerden wie Schmerzen zu lindern, heute verbessert die Operation die Lebensqualität und helfen bei der Erhaltung der Sportfähigkeit.

Unter dem Strich hält uns Bewegung buchstäblich in Schwung. Zudem ist körperliche Aktivität eine entscheidende Voraussetzung für die meisten Körperfunktionen. Unsere Gelenke machen Bewegung erst möglich, doch sie unterliegen natürlichem Verschleiß. Ab dem 30. Lebensjahr beginnt die Entwicklung von Arthrose. Hierzu betrifft diese mit dem 65. Lebensjahr nahezu alle Menschen. Aber nur bei einem Viertel der Betroffenen entstehen ernsthafte körperliche wie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Dank moderner medizinischer Verfahren zur Hüftgelenk- oder Kniegelenk-OP lassen sich beschädigte und zerstörte Gelenke durch Implantate ersetzen. In Deutschland werden im Jahr etwa 450000 Hüftgelenke und Kniegelenke implantiert, mit dem Ergebnis einer sehr hohen Lebensqualität. Die zu beantwortende Frage ist nun: Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein solches Gelenk?

 

Die Leitsymptome der Arthrose sind der Schmerz, die Bewegungseinschränkung und die Gangstörung.

In erster Linie verursacht der Knorpelabrieb im Gelenk – und dies liegt bei einer Arthrose nahezu immer vor – einen Schmerz, da die Gelenkschleimhaut entzündet. Wenn ein Gelenk schmerzlich entzündet ist, kommt es zu einer Schonhaltung, die je nach Gelenk einem typischen Muster folgt. Infolge dieser Schonhaltung kommt es zu einem hinkenden Gangbild. Somit haben wir die Trias der Leitsymptome Schmerz, Bewegungseinschränkung und Gangstörung.

Diese drei Probleme und Probleme der angrenzenden Gelenke, und bei der Hüfte auch auf der Wirbelsäule und des Iliosakralgelenkes, führen den Patienten zum Arzt und hier stellt sich nun die Frage, wie geht man vor, wann wird wie behandelt?

Die Therapie beginnt nahezu immer mit einer intensiven konservativen Therapie, was auch in der Leitlinie definitiv gefordert ist. Hier spielen Physiotherapie und die Gabe entzündungshemmender Medikamente ebenso wie die Verhaltensschulung eine wesentliche Rolle. Irgendwann nach stattgehabter konservativer Therapie kommt der Punkt, wo die Entscheidung für oder gegen die Prothese fällt. Eine wesentliche Voraussetzung für die Implantation einer Prothese ist ein ausgeprägter Röntgenbefund, sprich eine sichtbare Zerstörung des Gelenkes.

 

Mittels Hüftgelenk- oder Kniegelenk-OP heute Lebensqualität verbessern und die Sportfähigkeit erhalten

Weitere wesentliche Faktoren sind ganz klar. Beispielsweise sind das der Leidensdruck und die Einschränkungen der Lebensqualität des Patienten. Hinzu kommt natürlich auch das Anspruchsdenken des Patienten. Wobei früher die Hüftgelenk- oder Kniegelenk-OP ausschließlich dazu da waren, Schmerzen zu nehmen. Hingegen führt die Operation von Hüftgelenk oder Kniegelenk heute oft zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Erhaltung der Sportfähigkeit. Jedoch definiert dies jeder Patient anders.

Im Grunde genommen sind Leidensdruck und Lebensqualität individuell zu entscheiden. Und deswegen ist es auch wichtig, dass nicht der Arzt festlegt, wann operiert werden muss. Stattdessen sollte das im Rahmen eines Shared-Decision-Making mit dem Patienten gemeinsam erfolgen.

Dazu weiss man bei der Entscheidungsfindung, dass Je jünger der Patient ist, desto zurückhaltender sollte man sein. Denn dann kommt es wahrscheinlicher zu einer Revision. Denn die Gelenke haben eine eingeschränkte Haltbarkeit. Man weiß, dass ab etwa 68 bis 70 die Haltbarkeit so gut ist, dass bei mittlerer Lebenserwartung der Patient einen Wechsel nicht mehr erlebt. Patienten die früher operiert werden, haben eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass eine Wechseloperation stattfinden muss.

 

Zu frühe Hüftgelenk- oder Kniegelenk-OP vermeiden

Zusammengefasst noch einmal an subjektiven Kriterien sind zu fordern: Invalidisierende Schmerzen und Einbruch der Leistungsfähigkeit und objektiv eine ausgeprägte Bewegungseinschränkung, Deformitäten. Dann erfolgt eine partizipative Entscheidungsfindung. Eine zu frühe Hüftgelenk- oder Kniegelenk-OP sollte man zwingend vermeiden.

Aber auch eine möglicherweise aus Angst zu spät durchgeführte Operation macht keinen großen Sinn. Denn dann erfordert die Bewegungseinschränkung des Gelenkes eine komplexere Operation. Hierzu nehmen möglicherweise durch das Hinken und die Bewegungseinschränkung die angrenzenden Gelenke und die Wirbelsäule Schaden.

 

Wie man sich optimal auf die Operation vorbereitet

Der Vorbereitung auf die Hüftgelenk- oder Kniegelenk-OP kommt neuerlich eine hohe Bedeutung zu, nur der gut informierte Patient kann die Operation positiv erleben. Deswegen nimmt er zur Kenntnis, dass er nicht krank ist, sondern lediglich mit einer Prothese versorgt wird. Und hier liegt der wesentliche Clou dieser Vorbereitung.

Das heißt, der Patient muss wissen, wann die Operation stattfindet, wie sie stattfindet, was er unmittelbar nach der OP tun soll und wie er seine Reha- Maßnahme zu planen hat. Des Weiteren wird ein sogenanntes Anämie-Screening durchgeführt und sinnvoll ist eine Infektionsprophylaxe mit Screening und möglicherweise auch einem Cleaning, bestehend aus Duschshampoo und Nasengel. Hier sollte eine entsprechende Infektionsprophylaxe betrieben werden.

Des Weiteren muss der Patient in dem bestmöglichen Zustand der Operation zugeführt werden, das heißt, einerseits sind Narkoserisiken abzuklären, dies wären noch die einzigen Kontraindikationen für eine Operation, weiterhin muss aber der Patient auch körperlich in bestmöglichem Zustand sein, insbesondere dürfen keine Hautverletzungen, Pilzerkrankungen oder andere Hautveränderungen vorliegen. Ebenso zu checken ist der Zahnstatus und andere Infektionen im Körper, gescreent wird dies häufig über ein Entzündungswert im Blut, das sogenannte Creaktive Protein.

 

Patientenschulung

Wenn all diese Rahmenbedingungen optimiert sind, ist die Operation planbar und durchführbar und hierfür ist die Information des Patienten ein wesentlicher Fakt, der ihn schneller genesen lässt. Die Patientenschulung findet üblicherweise fünf bis sechs Wochen vor der geplanten Operation statt. Hier wird das soziale Umfeld mit einbezogen, Patientenziele werden definiert und es wird hier bereits das Gehen an Gehstützen geschult und über die Aufnahme und präoperative Ernährung gesprochen.

Intra- und postoperative Maßnahmen sind auch vielfältig, sind aber nicht das Thema dieses Beitrags, können aber gerne in der Diskussion aufgegriffen werden. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Entscheidungsfindung, ob eine Operation durchgeführt werden sollte oder nicht, klar im Rahmen einer partizipativen Meinungsfindung mit dem Patienten besprochen wird. Die Voraussetzungen dafür haben Experten oben klar definiert.

Konservative und nicht endoprothetische Operationsmaßnahmen sind im Vorfeld zu überprüfen. Bezüglich der präoperativen Vorbereitung kommt dem Patienten eine wesentliche Rolle zu: Er muss adäquat informiert sein und nur wenn er adäquat informiert ist und gut geschult wird, ist er gut vorbereitet für die operative Maßnahme.


Quelle:

Statement: Weder zu früh noch zu spät: Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein neues Hüft- oder Kniegelenk und wie bereitet man sich optimal auf die Operation vor? Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller Präsident der AE, Ärztlicher Direktor des Herzogin Elisabeth Hospitals Braunschweig, Chefarzt der Orthopädischen Klinik. Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE). 23. AE-Kongresses vom September 2021 in Regensburg


Die Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik (AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e.V.)

ist eine medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft und Sektion der deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. Sie wurde vor nunmehr 25 Jahren in Regensburg gegründet und feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Die AE ist der wissenschaftliche Ansprechpartner in Deutschland für die Endoprothetik der großen Gelenke. Fortbildung und Austausch unter Endoprothetikern ist eine der primären Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik. Sie verfügt über ein hochspezialisiertes Ausbildungsangebot für Fachärzte auf diesem Gebiet. Hierin sieht die AE auch ihre Kernkompetenz und das zentrale Tätigkeitsfeld.

Operateure erhalten maßgeschneiderte Fortbildungen, die sie für endoprothetische Eingriffe auf höchstem Niveau benötigen. Das umfassende Angebot der AE reicht von den theoretischen Grundlagen bis zum praktischen Training immer auf dem neusten Stand des Wissens. Die persönliche Begegnung mit anderen Spezialisten bei den Veranstaltungen fördert den informellen, praxisbezogenen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Die AE hat verschiedene Kursformate, die sich verschiedenen Ausbildungsstadien widmen, so für Berufsanfänger, für mittelgradig fortgeschrittene und für fortgeschrittene Kollegen und Kolleginnen gibt es Tutorials, Basis- und Masterkurse, gekrönt von Kompaktkursen, Kongressen, Symposien und Foren sowie Kurse für das OP-Personal.

Die AE ist eng eingebunden sowohl in das Prothesenregister Deutschlands, zu dem auch noch ein eigener Beitrag heute kommt, als auch das weltweit erste Zertifizierungssystem für Endoprothetik (EndoCert), welches im Jahre 2012 seitens der DGOOC unter Berücksichtigung der AE und des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie ins Leben gerufen wurde. Zahlreiche Fortbildungskurse der AE dienen der Schulung für dieses System. Beweglichkeit bedeutet Gesundheit und Lebensqualität.

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