Hoher Blutdruck bei Kindern immer häufiger

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Heutzutage kommt hoher Blutdruck bei Kindern immer häufiger vor – verursacht durch Übergewicht, Bewegungsmangel und intensiver Internetnutzung.

Hypertonie bedeutet hoher Blutdruck. Sie ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung der Arteriosklerose und ihrer gefährlichen Folgen. Dazu gehören Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen sowie chronisches Nierenversagen. Wobei hoher Blutdruck oft lange Zeit keine Beschwerden macht. Deswegen erkennen Betroffene ihn oft zu spät. Dadurch leidet wiederum die effektive Behandlung.

Heutzutage kommt außerdem hoher Blutdruck bei Kindern immer häufiger vor. Vor allem Übergewicht und Bewegungsmangel verursachen die sehr negative Entwicklung. Letzterer entsteht offenbar auch durch den negativen Einfluss von zuviel Internet, Smartphone und Computer.

 

Früher hoher Blutdruck bei Kindern sehr selten

Früher hoher Blutdruck bei Kindern sehr selten. Davon betroffen waren eigentlich Kinder, die bereits an angeborenen Erkrankungen der Nieren, des Herzens und der Blutgefäße litten. Außerdem gab es noch seltenere Fälle, bei denen die Ursache auf Störungen des Hormonhaushalts sowie einer familiären Vorbelastung zurückzuführen waren.

In den letzten Jahren kommt hoher Blutdruck bei Kindern jedoch immer öfter vor, wenn betroffene Kinder nicht unter derartigen organischen Erkrankungen leiden. Denn viele Kinder sind heute zu dick, machen zu wenig beziehungsweise bewegen sich allgemein viel zu wenig.

 

Woran erkennt man einen hohen Blutdruck?

Die frühzeitige Diagnose des hohen Blutdrucks ist schon bei Erwachsenen ein großes Problem. Bei Kindern ist das erst recht der Fall. Bluthochdruck verursacht anfangs ja kaum Beschwerden, besonders im Kindesalter sind keine Symptome wahrnehmbar. Deswegen entdeckt man selbst bei stark erhöhten Werten die Hypertonie eines Kindes oft lange Zeit nicht. Manchmal aber selten weisen Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten, Ohrgeräusche (Tinnitus), schnelle Ermüdbarkeit sowie Schlafstörungen darauf hin.

 

Hypertonie schädigt die kindlichen Gefäße und Organe

Unter dem Strich konnten mittlerweile zahlreiche Studien zeigen, dass die Höhe des Blutdrucks im Kindes- und Jugendalter die Entwicklung von Bluthochdruck im Erwachsenenalter stark beeinflusst. Bei längerem Bestehen kommt es früh zur Schädigung der Gefäße und der Organe.

Wenn hoher Blutdruck bei Kindern nicht behandelt wird, so drohen schon im jungen Erwachsenenalter Erkrankungen an Herz oder Nieren sowie Schlaganfall. Im Grunde genommen empfehlen Leitlinien deshalb, dass behandelnde Ärzte den Blutdruck ab dem 3. Lebensjahr bei allen Kindern und Jugendlichen regelmäßig kontrollieren sollten. Dabei sollte man besonders gefährdete Risikogruppen häufiger messen. Dazu zählen Kinder mit Übergewicht. Kinder mit einem erhöhten Blutfettspiegel. Kinder, in deren Familie hoher Blutdruck gehäuft vorkommt. Außerdem Kinder, deren Eltern schon vor dem 60. Lebensjahr einen Herzinfarkt oder vor dem 70. Lebensjahr einen Hirnschlag hatten.

 

Wie wird der Blutdruck bei Kindern gemessen?

Am besten misst man den Blutdruck bei Kindern mit einer aufblasbaren Gummimanschette am Oberarm. Bei kleineren Kindern kann man auch am Unterschenkel messen. Allerdings lässt sich der richtige Blutdruck bei Kindern im Grunde genommen wesentlich schwerer ermitteln als bei Erwachsenen. Denn der Umfang und die Länge der Oberarme sind bei Kindern unterschiedlich. Deswegen muss der Arzt auch verschiedene Druckmanschetten mit unterschiedlicher Breite benutzen. Bei unruhigen und schreienden Kindern sind die Messwerte oft zu hoch. Deshalb braucht man hier viel Geduld. Oft müssen auch die Eltern helfen. Schließlich sollte man die Messung wiederholen, sofern ein Befund kritisch ist.

 

Gewicht abnehmen, gesünder essen und viel mehr Bewegung

Zuerst sollte hoher Blutdruck bei Kindern gleich wie bei Erwachsenen behandelt werden. Das ist anfangs die Änderung des Lebensstils. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört hierzu die Verringerung des Übergewichts. Dazu gibt es wichtige Empfehlungen zur Umstellung der Ernährung. Die Empfehlungen beinhalten ungezuckerte Getränke, Brot, Getreideprodukte sowie Reis, Kartoffeln, Gemüse und Obst. Weniger verzehren sollten sie Milch und Milchprodukte, Fleisch und Wurst sowie Fisch und Eier. Sparsam sollten Öle und Fette sowie Salz konsumiert werden. Getränke mit hohem Zuckergehalt (Limonaden, Cola, etc.), aber auch unverdünnte Fruchtsäfte sollten Kinder nicht trinken. Am besten ist frisches Leitungswasser.

Besonders wichtig ist aber vor allem, dass dicke Kinder und Jugendliche ihre körperlichen und seelische Kondition verbessern. Dabei hilft täglich intensive Bewegung für mindestens 60 Minuten. Denn durch zu wenig Bewegung steigt das Risiko für Fettsucht und Bluthochdruck.

 

Wie hoher Blutdruck bei Kindern heute medikamentös behandelt wird

Für die Behandlung des hohen Blutdrucks sind eine Reihe von Medikamenten, Antihypertensiva, verfügbar. Die Wirkstoffe der ersten Wahl können Ärzte prinzipiell auch ihren betroffenen Kindern und Jugendlichen verschreiben. Die meisten Antihypertensiva sind gut verträglich und bei Kindern und Jugendlichen ebenso effektiv wie bei den Erwachsenen, wenn sie die Patienten – ob jung oder alt – auch konsequent einnehmen.

 

Hoher Blutdruck bei Kindern durch das Fernesehgerät

Die starke Nutzung von Bildschirmmedien und des Internets sind laut Studien für den Anstieg von Übergewicht und Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen sehr mitverantwortlich. Dazu untersuchte beispielsweise die internationale IDEFICS-Studie über 11.000 Kindern in acht europäischen Ländern. Die Forscher analysierten, wie Ernährung, Lebensstil und sozialen Einflüssen mit der Entwicklung von Übergewicht bei zwei- bis neunjährigen Kindern zusammenhängen.

Es zeigte sich, dass mit jeder zusätzlichen Stunde, die ein Kind am Tag vor dem Fernseher verbrachte, sich die Wahrscheinlichkeit um 22 Prozent erhöhte, zur der Gruppe mit Übergewicht zu gehören. Die Gefahr wuchs um 33 Prozent, wenn das Fernsehgerät im Kinderzimmer stand. Weiter um 22 Prozent, wenn auch während des Essens ferngesehen wurde.

 

Zu lange im Netz

Den Einfluss des Smartphones auf das Übergewicht und den Blutdruck untersuchten unlängst US-Gesundheitsforscher an 335 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren. Dabei setzten sie die Internet-Nutzung mit den Blutdruckwerten in Beziehung.

  • Die Wissenschaftler definierten intensiven Internetkonsum (heavy Internet use) als eine Nutzung von mehr als zwei Stunden am Tag.
  • Weiter galten weniger als zwei Stunden pro Tag an fünf Tagen in der Woche als „moderat“.
  • Weniger als zwei Stunden am Tag an weniger als vier Tagen waren schließlich eine „leichte“ Nutzung.

Unter dem Strich waren 134 Jugendliche „schwere“ User. Von ihnen hatten 26 Probanden zu hohen Blutdruck für ihr Alter. Zu hoher Blutdruck bei Kindern trat in dieser Gruppe 3,25-mal häufiger auf als bei Jungen mit einer leichteren Mediennutzung.

Außerdem verursachte zuviel Surfen auch Übergewicht. Unter den starken Internet-Usern gab es 43 Prozent Übergewichtige im Vergleich zu 26 Prozent der „leichten“ Nutzern des Netzes.

Literatur:

Cynthia S. Bell, Joyce P. Samuel, Joshua A. Samuels. Prevalence of Hypertension in Children. Hypertension. 2019 Jan; 73(1): 148–152. doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.118.11673

Sharma AK, Metzger DL, Rodd CJ. Prevalence and severity of high blood pressure among children based on the 2017 American Academy of Pediatrics Guidelines. JAMA Pediatr. 72:557–565. doi: 10.1001/jamapediatrics.2018.0223.

Flynn JT, Kaelber DC, Baker-Smith CM, et al. Subcommittee on Screening and Management of High Blood Pressure in Children. Clinical practice guideline for screening and management of high blood pressure in children and adolescents. Pediatrics. 2017; 140:e20171904. doi: 10.1542/peds.2017-1904

Weaver DJ. Hypertension in Children and Adolescents. Pediatr Rev. 2017 Aug;38(8):369-382. doi: 10.1542/pir.2016-0106.


Quelle: www.kindergesundheit.de

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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