Hörsturz mit Hochdosis-Steroidtherapie wirksam behandeln

0

Mit einer Hochdosis-Steroidtherapie sollen Menschen, die unter einem plötzlichen Hörverlust – Hörsturz – leiden, wirksam behandelt werden.

 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO beschreibt, dass weltweit etwa 360 Millionen Menschen unter einem Hörsturz – dem beeinträchtigenden Hörverlust – leiden. 44 Millionen haben in der Europäischen Union eine Hörbehinderung, über 400.000 Menschen sind in der EU taub.

 

Hörsturz – plötzlich eintretender Hörverlust

Ein besonders beängstigendes Ereignis ist es, wenn ein Hörsturz ohne ersichtlichen Grund plötzlich auftritt.  Das Krankheitsbild ist zwar schon seit langer Zeit bekannt, doch die Ursachen und die zugrunde liegenden Mechanismen sind nicht ausreichend erforscht.

Eine Hörsturz zu behandeln, ist oft sehr schwierig. Wenn die Therapie mit Medikamenten zur Wiederherstellung des Hörvermögens nicht oder nicht ausreichend erfolgreich ist, so müssen die betroffenen Patienten oft nur der Einsatz eines Hörgerätes oder einer Innenohrprothese, dem sogenannten „Cochlear-Implantat“.

Da aber trotz dieser Methoden für die Betroffenen meist nur eine teilweise Verbesserung erreicht werden kann und große Einschränkungen in der Klangqualität sowie in der Kommunikation mit anderen Menschen hinzunehmen sind, ist das soziale Leben der Patienten – im Berufsleben und im Alltag – sehr beeinträchtigt. Weiters stellen die Kosten der Versorgung mit Hörgeräten und elektronischen Hörimplantaten auch eine gesundheitsökonomische Herausforderung dar.

 

Bundesweite Studie zur Hörsturz–Therapie gestartet: die Studienzentrale in Halle erhält knapp zwei Millionen Euro Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für „HODOKORT“

In bisherigen klinischen Studien zur Hörsturz-Therapie wurden weltweit verschiedene medikamentöse Optionen getestet. „Ein Beweis für eine eindeutig wirksame Therapie konnte bisher nicht gefunden werden“, fasst Professor Plontke, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Universitätsklinikum Halle (Saale), zusammen. Einige Daten lassen aber vermuten, dass der Erfolg der Hörsturz-Therapie mit der Dosis der verwendeten Kortikosteroide steigt.

In der von der Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg koordinierten und gemeinsam mit dem Deutschen Studienzentrum für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DSZ-HNO) initiierten „HODOKORT“-Studie, soll nun untersucht werden, ob eine Hochdosis-Steroidtherapie wirksamer ist als eine Therapie mit einer niedrigeren Dosis, die derzeit international als Standard einer Therapie mit Kortikosteroide angesehen wird. „Damit soll eine valide Datenlage geschaffen werden, die es erlaubt, Menschen, die unter einem plötzlichen Hörverlust (Hörsturz) leiden, wirksam zu behandeln“, beschreibt der hallesche HNO-Professor Professor Plontke das Ziel der Studie.

 

Mit Hochdosis-Steroidtherapie Hörsturz behandeln

Die Patienten, die in diese Studie eingeschlossen werden, erhalten entweder eine der beiden zu prüfenden Hochdosis-Steroidtherapien, welche den bisherigen Standard in Deutschland darstellen, oder die internationale Standard-Therapie bei Hörsturz mit niedrigerer Dosis. Um subjektive Beeinflussungsmöglichkeiten auszuschließen, weiß bis zum Ende der Studie niemand vom Studienteam (weder Patient, noch Prüfarzt, noch Statistiker, der die Daten auswerten wird), welcher Patient welchem Therapiearm zugeordnet ist.

Neben dem Ziel, eindeutige Daten für oder gegen eine Hochdosis-Steroidtherapie zu generieren, erhofft sich das Team um Professor Plontke auch Hinweise darauf, ob bei Vorliegen einer Überlegenheit der Hochdosis-Steroidtherapie, eine orale Gabe in Tablettenform der intravenösen Gabe über eine Infusion gleichwertig ist. Dies würde eine zusätzliche Erleichterung für die Patienten mit Hörsturz darstellen und die Therapie bei einem Hörsturz einfacher und für alle Betroffenen verfügbarer machen.

 

Etwa 40 Zentren nehmen teil

„Diese Studie wird durch eine multizentrische und interdisziplinäre Zusammenarbeit getragen, an der verschiedene Universitäten und Fachdisziplinen (zum Beispiel Innere Medizin in Halle, Koordinierungszentrum für klinische Studien ‚KKS Halle‘, Institut für Klinische Epidemiologie und angewandte Biometrie in Tübingen und Studienzentrum Freiburg) sowie Patientenverbände beteiligt sind“, unterstreicht der Studienleiter. So wurden bei der Planung der Studie, die von circa 40 Zentren im gesamten Bundesgebiet getragen wird, Vertreter des Deutschen Schwerhörigenbundes e.V., der Deutschen Gesellschaft für Hörgeschädigte e.V. und der Deutschen Cochlear Implant Gesellschaft e.V. einbezogen. Der Lenkungsausschuss des neu gegründeten Deutschen Studienzentrums für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DSZ-HNO), einer Kooperation der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie und des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, unterstützt das Projekt durch die methodische Beratung des Studienleiters durch das DSZ-HNO. Bei der Antragstellung wurde Professor Plontke maßgeblich durch das KKS Halle der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, welches auch die Durchführung der Studie gemäß Guter Klinischer Praxis federführend begleitet, unterstützt.

 

Professor Dr. med. habil. Stefan Plontke Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren- Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Universitätsklinikum Halle (Saale)

Professor Dr. med. habil. Stefan Plontke
Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-
Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Universitätsklinikum Halle (Saale)

Quelle: Statement von Professor Dr. med. habil. Stefan Plontke anlässlich der 87. Jahresversammlung der DGHNO-KHC (3. Mai 2016, Düsseldorf).

Share.

About Author

MEDMIX Online-Redaktion

Blick in den Newsroom der MEDMIX Print- und Onlineredaktion in Zusammenarbeit mit AFCOM – Verlag und Medienproduktionen.

Comments are closed.