Hochdotierte ERC-Grants für Forschende der MedUni Wien

Von links nach rechts: Tibor Harkany, Maria Sibilia und Giulio Superti-Furga. © MedUni Wien/Matern

Von links nach rechts: Tibor Harkany, Maria Sibilia und Giulio Superti-Furga. © MedUni Wien/Matern

Hochdotierte ERC-Grants für Forschende der MedUni Wien: European Research Council fördert Projekte von Maria Sibilia, Tibor Harkany und Giulio Supert-Furga

 

Die Europäische Union fördert drei Forschungsprojekte von Forschenden der MedUni Wien. Maria Sibilia, Tibor Harkany und Giulio Superti-Furga erhalten jeweils einen hochdotierten „Advanced Grant“ des Europäischen Forschungsrates (European Research Council, ERC) zugesprochen. Sie erhalten je rund 2,5 Millionen Euro für die folgenden fünf Jahre, um ihre Forschungen voranzutreiben.

Maria Sibilia, Leiterin des Instituts für Krebsforschung der MedUni Wien, wird sich in dem auf 60 Monate angelegten Projekt „TNT-Tumors“ (Gesamtsumme 2,5 Millionen Euro) der Immunmodulation des angeborenen Immunsystems zur Krebsbekämpfung widmen.

Jüngste Fortschritte bei der Verwendung von Immun Checkpoint-Inhibitoren zeigen das große Potenzial der Immunmodulation bei der Behandlung von Krebs bzw. dessen Metastasen. Die wirksame Behandlung einer Untergruppe von PatientInnen zeigt, dass dies nur der Beginn ist, das Immunsystem zur Bekämpfung von Krebs einzusetzen.

Ein interessanter Ansatz ist, angeborene Immunzellen, wie plasmazytoiden dendritische Zellen (pDC) und Tumor-assoziierte Makrophagen (TAM) so zu modulieren, dass sie Tumoren angreifen und so die Wirkung von Standard-Krebstherapien verbessern.

Die Arbeitsgruppe von Maria Sibilia konnte in Mausmodellen bereits zwei unabhängige Mechanismen identifizieren, durch deren Modulation diese beiden Zelltypen Tumorwachstum hemmten. Einerseits gelang die direkte Abtötung von Tumorzellen durch pDCs, unabhängig vom adaptiven Immunsystem. Zweitens identifizierten die ForscherInnen eine tumorfördernde Rolle der EGFR-exprimierenden (EGFR +) TAMs während der Tumorgenese.

Dies ermöglicht es, die Rolle des EGFR in der Tumorentstehung auf eine völlig neue Art und Weise zu untersuchen. Dieses Projekt will, diese neue Erkenntnis zu nutzen, um den Mechanismus neu zu bewerten, mit dem Anti-EGFR-Medikamente in Tumoren wirksam sind.

Die den tumor-tötenden Kapazitäten von pDCs zugrundeliegenden Mechanismen und die Bestimmung der Spezifität des Tumorzellerkennung durch aktivierte pDCs werden bis jetzt noch nicht genau verstanden. Darüber hinaus wurde die Interaktion von Makrophagen mit pDCs in Tumoren noch nie untersucht.

Diese Studie will die molekularen Mechanismen definieren, mit denen pDCs und TAMs angewiesen werden können, einen Anti-tumorigenen Phänotyp zu entwickeln. Um das zu erreichen, soll mittels spezifischer genetischer Mausmodelle, die menschlichen Krebs simulieren, die immunmodulierende Kapazität von pDCs und TAMs auf molekularer Ebene seziert werden. Dazu sollen in-vitro und in-vivo RNAi-Screens im großen Maßstab neue molekulare Wege identifizieren und die Möglichkeit eröffnen, neue Strategien in der Krebsimmuntherapie zu testen. Die klinische Bedeutung der Ergebnisse wird in menschlichen Krebsproben in enger Zusammenarbeit mit Klinikern validiert werden, was eine schnelle prädiktive und therapeutische Übersetzung der Ergebnisse gewährleisten soll.

 

Giulio Superti-Furga: „Game of Gates“

Giulio Superti-Furga, Wissenschaftlicher Direktor des CeMM Forschungszentrums für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Professor für Medical Systems Biology an der MedUni Wien, erhält einen mit rund 2,5 Millionen Euro dotierten Advanced Investigator Grant des Europäischen Forschungsrates ERC. Die Laufzeit der prestigeträchtigen Förderung beträgt 5 Jahre.

Die aktuelle ERC Förderung erhält der Molekular- und Systembiologe für die Erforschung jener Bestandteile in der Zellmembran, die für den Transport gelöster Stoffe in die Zellen verantwortlich sind. Vorangegangene Studien haben gezeigt, dass diese „Zell Tore“, die sogenannten SoLute Carrier Proteine (SLCs) eine wichtige Aufgabe in der Regulation des zellulären Metabolismus haben und für die Aufnahme von Medikamenten verantwortlich sind.

Unter dem Arbeitstitel „Game of Gates“ ist es das Ziel des Forschungsprojektes, die bisher unbekannten Spielregeln zu entschlüsseln, nach denen die Zellen ihre Tore öffnen oder schließen und damit das Eindringen von Stoffen erlauben oder verhindern. Giulio Superti-Furga: “Die SLCs wurden von der Wissenschaft bisher eher stiefmütterlich behandelt. Wir erwarten aber, dass die Erkenntnisse aus unserer Studie ganz wesentlich zu einem grundlegend neuen Verständnis der Zellphysiologie beitragen und damit den Weg für die Entwicklung neuer zielgerichteter Therapien menschlicher Erkrankungen bereiten.“

 

Tibor Harkany: „Secret-Cells“

Tibor Harkany, Leiter der Abteilung für molekulare Neurowissenschaften am Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien, erhält für die kommenden fünf Jahre einen mit 2,5 Millionen Euro dotierten Advanced Grant für sein Projekt „Secret-Cells“.

Das Gehirn von Säugetieren steuert die körperlichen Reaktionen auf die Herausforderungen der Umwelt, darunter Bedürfnisse des Stoffwechsel und Reaktionen auf Stress (Überleben). Der Hypothalamus ist im Gehirn das Zentrum für die Organisation der spezifischen Anpassungsvorgänge, die über eine außergewöhnliche Heterogenität der Nervenzellen verwirklicht werden. Als solche reagiert jedes Neuron des Hypothalamus auf eine Gruppe von Stressoren (oder einzelne), indem es a) Ausführungskommandos durch Hormonausschüttung in den Körperkreislauf erzeugt und b) zu neuronalen Netzwerken verschaltet wird, die z.B. bewusste Ausprägung und Verhaltensänderungen ermöglichen.

Trotz eines Jahrhunderts der Forschung ist unser Wissen über die neuronale Diversität im Hypothalamus sowie darüber, wie dieser zelluläre Code zu funktionaler Spezifik führt, noch lückenhaft. In diesem ERC-Programm werden neuartige Methoden auf den Ebenen von Zellen, Netzwerk und Verhalten angewendet, um das Ausmaß der neuronalen Heterogenität im Hypothalamus zu bestimmen. Als nächstes wird der Versuch unternommen, die Identität der durch neue Neuronen-Unterarten abgesonderten Substanzen und ihren Wirkmechanismus sowohl im Gehirn als auch in den peripheren Regionen zu ermitteln. Da die Freisetzung jedes bekannten Neurotransmitters/Peptids mit einer Gruppe spezieller Proteine verbunden ist, werden Tibor Harkany und seine Arbeitsgruppe die jüngsten Entdeckungen über eine Familie von „Sensorproteinen“ (die das Eingangssignal mit dem Ausschüttungsereignis verknüpfen) nutzen, um die spezifischen molekularen Determinanten für die Hormonausschüttung zu bestimmen. Insgesamt erwartet Harkany, das Wissen über die zentrale Regelung der metabolischen Reaktionsfähigkeit des menschlichen Körpers, die dem Überleben unserer Spezies zugrunde liegt, entscheidend voranzubringen.

Es handelt sich um den zehnten Grant des ERC, der ForscherInnen der MedUni Wien zugesprochen wurde. Derzeit halten folgende WissenschafterInnen ERC-Grants: Alwin Köhler, Thomas Klausberger, Bernhard Baumann, Igor Adamejko, Maria Sibilia, Tibor Harkany, Giulio Superti-Furga, Kaan Boztug, Christoph Bock und Andreas Bergthaler.

ERC Grants

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) fördert Grundlagenforschung durch hochdotierte Forschungspreise (durchschnittlich zwei Mio. Euro). Vergeben werden u.a. „Starting- und Consolidator-Grants“ für Nachwuchswissenschafter sowie „Advanced Grants“ für etablierte ForscherInnen. Die „Starting- und Consolidator Grants“ sollen NachwuchsforscherInnen ermöglichen, ihre Position als eigenständige Forschende zu festigen. Die „Advanced Grants“ sind für etablierte WissenschafterInnen, die mit diesen Förderungen fortgeschrittene und komplexe Forschungsprojekte umsetzen können.

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