HIV-PrEP zum Schutz vor AIDS

Must Read

Wenn die Finger schmerzen – Ursachen frühzeitig abklären

Wenn die Finger schmerzen, sollte ihr Arzt rasch den Grund dafür herausfinden. Denn die effektive, frühzeitige Behandlung ist sehr...

Osteoporose beeinträchtigt die Lebenserwartung erheblich

Osteoporose-Patientinnen haben eine geringere Lebenserwartung. Nur jede zehnte erhält eine wirksame Therapie, was ebenfalls das Risiko erhöht, frühzeitig zu sterben. Im Grunde...

Telomere spielen im Alterungsprozess eine zentrale Rolle

Menschen, bei denen die Telomere kürzer sind, haben ein erhöhtes Risiko im Alterungsprozess, Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs zu entwickeln. Telomere...
MEDMIX Online-Redaktion
MEDMIX Online-Redaktion
Blick in den Newsroom der MEDMIX Print- und Onlineredaktion in Zusammenarbeit mit AFCOM – Verlag und Medienproduktionen.

Gegen HIV-Infektionen wird die Präexpositionsprophylaxe – HIV-PrEP – angewendet, bei der HIV-negative Personen mit hohem Ansteckungsrisiko prophylaktisch antiretroviralen Wirkstoffe einnehmen.

Die Anzahl der neudiagnostizierten HIV-Infektionen in Österreich ist konstant, wie aus unserem jährlichen HIV-Update am Jahresanfang zu ersehen ist (zuletzt VEI 3/2016), und eine ähnliche Situation wird auch in anderen Ländern beobachtet. Trotz Aufklärungskampagnen, Präventionsmöglichkeiten bei der HIV- Übertragung, sowie der Verfügbarkeit der antiretroviralen Therapie, die wiederum zu einer massiven Verringerung der Übertragungswahrscheinlichkeit führt, gehen die HIV-Neuinfektionen nicht zurück. Eine weitere Strategie im Kampf gegen HIV-Infektionen ist nun die Präexpositionsprophylaxe – HIV-PrEP –, bei der HIV-negative Personen mit hohem HIV-Ansteckungsrisiko durch die prophylaktische Einnahme von antiretroviralen Medikamenten vor einer HIV-Infektion geschützt werden sollen.

 

HIV-PrEP mit Truvada – der Kombination von Emtricitabin und Tenofovir

Die amerikanische FDA – Food and Drug Administration – hat das antiretrovirale Medikament Truvada von Gilead Sciences (USA) bereits 2012 zur Präexpositionsprophylaxe zugelassen. Truvada besteht aus einer Kombination aus den beiden Substanzen Tenofovir Disoproxilfumarat und Emtricitabin, die beide schon seit Jahren für die HIV-Behandlung im Rahmen einer antiretroviralen Therapie eingesetzt werden.

Eine HIV-PrEP kommt nur für Personen mit einem nachgewiesenen negativen HIV-Status in Frage und ein initialer HIV-Test vor HIV-PrEP-Beginn sowie regelmäßige HIV-Folgetests sind obligat.

Zielgruppen einer HIV-PrEP sind HIV-negative Personen, die ein substantiell erhöhtes Risiko haben, sich mit HIV anzustecken, Dazu zählen HIV-serodiskordante Partner, MSM (Men, who have sex with men) oder intravenös Drogenabhängige. Mehrere Studien haben bereits gezeigt, dass die HIV-Neuinfektionen bei Personen, die eine HIV-PrEP erhielten, unter verschiedenen Studienbedingungen um 42 bis 86% gesenkt werden konnten.

 

HIV-PrEP mit über 500 HIV-negativen MSM

Zu den neuesten Studien zählt eine Publikation aus Großbritannien (McCormack S et al., Lancet, 2015), die an über 500 HIV-negativen MSM durchgeführt wurde. Eine Gruppe der Studienteilnehmer erhielt Truvada zur täglichen Einnahme, die andere Gruppe sollte das Medikament erst ein Jahr später erhalten.

Bei Männern, die Truvada sofort erhielten, wurden im ersten Jahr der Studienteilnahme drei HIV-Infektionen festgestellt. In der Gruppe, in der die Probanden keine HIV-PrEP erhielten, wurden 20 HIV-Infektionen dokumentiert. Bei einer kürzlich publizierten Studie aus Frankreich (Molina JM et al., NEJM 2015) wurde die Präexpositionsprophylaxe nicht kontinuierlich, sondern nur gezielt bei vorhersehbaren Sexualkontakten bei MSM gegeben (kurz vor Kontakt, und 24 sowie 48 Stunden nach der ersten Einnahme). In der Personengruppe, die Truvada erhielt, gab es im Verlauf der Beobachtungszeit zwei HIV-Infektionen. In der Gruppe, die statt Truvada ein Placebo erhielt, wurde in 14 Fällen eine HIV-Infektion festgestellt. In beiden Studien wurde eine relative Reduktion der Infektionsrate von 86 % errechnet.

 

Schutzwirkung durch die HIV-PrEP

Offenbar kommt es also bei verschiedenen Formen der HIV-PrEP zu einer deutlichen Schutzwirkung, aber nicht alle HIV-Infektionen können dadurch verhindert werden. Zum Teil kann das Versagen der HIV-PrEP vermutlich auch auf eine mangelnde Zuverlässigkeit bei der Medikamenteneinnahme zurückgeführt werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt derzeit, dass eine Präexpositionsprophylaxe Personen angeboten werden soll, die einem substanziellen HIV-Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. Es wird aber generell ausdrücklich betont, dass es sich bei der HIV-PrEP nur um eine zusätzliche Präventionsstrategie handelt, die neben den klassischen Maßnahmen der Prävention, wie der Benutzung von Kondomen, eingesetzt werden kann.

Die Anwendung einer Präexpositionsprophylaxe sollte nur unter medizinischer Begleitung und mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen (HIV-Test alle drei Monate, Kreatininuntersuchungen bei täglicher PrEP-Einnahme) erfolgen. Im Falle einer HIV-Infektion unter Truvada-Therapie, ist die Einnahme der HIV-PrEP sofort zu beenden, um das Risiko einer Resistenzentwicklung gegen einen der beiden Wirkstoffe zu verhindern.

Im August 2016 wurde Truvada auch in der EU zur Präexpositionsprophylaxe für Menschen mit hohem HIV-Ansteckungsrisiko zugelassen.

logo-virusepidemiologische-informationenQuelle:

VIRUSEPIDEMIOLOGISCHE INFORMATION” NR. 8 / 15. Karin Pollak und Prof. Dr. Elisabeth Puchhammer-Stöckl. Department für Virologie der Med. Universität Wien.

Latest News

Bilanzierte Diäten: diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke

Bilanzierte Diäten sind diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke. Nur geeignete Patienten sollten sie unter ärztlicher Aufsicht verwenden. Bilanzierte Diäten sind diätetische Lebensmittel...

Bludrucksenkung durch Magnesium: Zusatztherapie bei Bluthochdruck

Eine dosisabhängige Bludrucksenkung durch Magnesium ist beispielhaft, wie man eine medikamentöse Therapie durch Mikronährstoffe optimieren kann. Eine der Medikamentendosis angepasste Bludrucksenkung durch Magnesium unterstützt die medikamentöse antihypertensive Therapie. Der...

Sport und Bewegung bei Brustkrebs erhöht die Überlebenschancen

Sport und Bewegung verbessern bei Brustkrebs die Überlebenschancen. Auch wenn Frauen erst nach der Diagnose ausreichend körperlich aktiv werden. Im Grunde genommen kann ausreichend körperliche Aktivität,...

Parodontitis begünstigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Parodontitis kann direkten und indirekten Einfluss auf die Entstehung und das Fortschreitens von Arteriosklerose sowie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Herz-Kreislauferkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten chronischen...

Hexenschuss als Warnsignal für den Rücken mit stechenden Beschwerden

Der Hexenschuss ist Warnsignal für den Rücken, bei dem stechende Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule plötzlich auftreten, die oft auch anhalten. Ein Hexenschuss – auch als akute Lumbalgie...

More Articles Like This