Analkarzinom früh erkennen und behandeln

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Durch Früherkennung können HIV-infizierte Patienten ein Analkarzinom oder Gebärmutterhalskrebs häufig mit geringem Aufwand verhindern.

Unter dem Strich haben HIV-Infizierte im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein höheres Analkarzinom-Risiko. Denn durch die dauerhafte entzündete Schamregion mit Hochrisiko-HPV können sich Vorläuferläsionen entwickeln, aus denen infolge Krebs entstehen kann. Wobei etwa 90 Prozent der HIV-Infizierten zusätzlich mit Humanen Papillomviren (HPV) infiziert sind. Allerdings können bislang nur spezialisierten Zentren solche Analkarzinom-Vorstufen beziehungsweise Vorläuferläsionen diagnostizieren und behandeln.

 

HIV vervielfacht das Risiko für ein Analkarzinom

Ein Analkarzinom ist eine in der Allgemeinbevölkerung seltene onkologische Erkrankung. Pro Jahr erkrankt nur eine Person von 100.000 Menschen daran. Hingegen haben Patienten mit HIV ein 30- bis über 100-fach erhöhtes Risiko, bei ihnen entwickeln sich die Analkarzinom-Vorstufen mitunter rasch.
Die frühzeitige Diagnose und Behandlung dieser Vorläuferläsionen kann allerdings die Entstehung von Analkarzinomen verhindern. Deshalb wird HIV-Patienten empfohlen, vorbeugend regelmäßige proktologische Untersuchungen machen zu lassen, um auffällige Veränderungen rasch behandeln zu können.

 

Lokale Therapie mit topischer Trichloressigsäure

Beim Standardverfahren werden die Vorläuferläsionen operativ mit einem Elektrokauter abgetragen. Diese Methode bieten bislang jedoch nur in auf Proktologie spezialisierte Zentren mit entsprechender technischer Ausstattung an. Hingegen ist die lokale Behandlung mit Trichloressigsäure wesentlich weniger aufwendig. Diese Therapie wird bereits bei genitalen Feigwarzen erfolgreich eingesetzt und kann einfacher in der lokalen Arztpraxis durchgeführt werden.

Ob diese Methode mit Trichloressigsäure auch bei Analkarzinom-Vorläufern von HIV-Infizierten genauso wirksam wie die Elektrokaustik ist, will eine aktuell laufende, klinische Studie am Universitätsklnikum Essen klären. Wobei die sogenannte TECAIN-Studie – Wirksamkeit und Sicherheit der Therapie mit topischer Trichloressigsäure versus Elektrokauterisation von analen intraepithelialen Neoplasien bei HIV-positiven Patienten – im Oktober 2015 gestartet wurde. Eingeschlossen wurden dazu erwachsene HIV-infizierte Patienten mit Analkarzinom-Vorstufen festgestellt wurden.

 

Patienten mit HIV über Vorbeugung und Therapie besser informieren

Grundsätzlich sollten behandelnde Ärzte ihre HIV-Infizierten Patienten besser über Früherkennung und Behandlung von Analkarzinom und Vorläuferläsionen besser informieren. Denn diese sollten wissen, dass man ein Analkarzinom wie auch Gebärmutterhalskrebs mit vergleichsweise geringem Aufwand häufig verhindern könnte.

Quelle: Universitätsklinikum Essen

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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