Personalisierte Medizin bei HIV-Infektion

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Ärzte können ihre Patienten, die sie sehr früh mit der HIV-Kombinationstherapie behandelten, im Verlauf der HIV-Infektion auf eine HIV-Monotherapie umstellen.

Seit über 20 Jahren hilft eine Kombinationstherapie aus drei Medikamenten den Patienten mit HIV-Infektion. Nun untersuchten Schweizer Forscher, ob bei Patienten mit früher HIV-Kombinationstherapie auch eine Monotherapie ausreicht. Dabei konnten sie weltweit zum ersten Mal zeigen, dass dies möglich ist. Ihre Studie ist ein Schritt in Richtung personalisierte Medizin in der Behandlung von Menschen mit HIV-Infektion. Schließlich könnte sie auch in der HIV-Medizin einen Paradigmenwechsel bringen.

 

HIV-Kombinationstherapie empfohlen

Seit einigen Jahren empfehlen Experten weltweit bei allen Menschen mit HIV-Infektion eine HIV-Kombinationstherapie. Diese soll das Immunsystem anhaltend stärken und das Fortschreiten zu AIDS verhindern. Schließlich soll die HIV-Kombinationstherapie auch das Risiko für sogenannte Nicht-AIDS Komplikationen wie Herzinfarkte sowie bestimmte Krebserkrankungen reduzieren.

Die lebenslange Einnahme der Medikamente kann allerdings mit Langzeitnebenwirkungen einhergehen und Organe wie Hirn, Herz und Niere schädigen. Es ist deshalb wünschenswert, nur so viele Medikamente wie nötig einzusetzen, um die HIV-Infektion im Körper in Schach zu halten.

Die Early Simplified Studie an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des USZ unter der Leitung von Prof. Huldrych Günthard und PD Dr. Dominique Braun hat untersucht, ob HIV-infizierte Menschen mit einer anti-HIV-Monotherapie, das heisst mit einer einzigen antiviralen Substanz, wirksam behandelt werden können. Damit sollen mögliche Langzeitnebenwirkungen der Kombinationstherapie reduziert und die Therapiekosten gesenkt werden. Frühere Studien hatten gezeigt, dass eine Monotherapie der Kombinationstherapie bezüglich Wirksamkeit unterlegen ist. Alle diese Studien wurden bei chronisch HIV-infizierten Patienten durchgeführt. In der Early Simplified Studie hingegen wurde eine neue Patientengruppe untersucht: Personen aus der Zurich Primary HIV Infection Study (ZPHI), die sich frisch mit HIV angesteckt hatten und bei denen die HIV-Kombinationstherapie innerhalb der ersten sechs Monate nach Ansteckung erfolgt war. Die Patienten mussten zudem unter der früh begonnenen Therapie mindestens ein Jahr eine unterdrückte HIV-Viruslast im Blut aufweisen.

 

Wirksame HIV-Monotherapie

Die Hypothese der Studienärzte war, dass die durch eine Frühtherapie verminderte Anzahl von schlafend-infizierten Zellen (sogenanntes latentes HIV Reservoir) eine Monotherapie möglich machen sollten. Es wurde in verschiedenen Studien schon früher gezeigt – auch in der ZPHI Studie, dass das latente Reservoir durch Frühtherapie um ca. einen Faktor 10 gesenkt werden kann. Ein kleineres HIV Reservoir geht einher mit einer geringeren genetischen Vielfalt und es kommt weniger zur Reaktivierung der latent HIV infizierten Zellen, was wohl der Grund ist, dass in dieser Gruppe HIV-infizierter die Monotherapie möglich ist. Insgesamt wurden 101 Patientinnen und Patienten in die Studie eingeschlossen.

Zwei Drittel erhielten eine Monotherapie sowie ein Drittel eine HIV-Kombinationstherapie. Die Zuteilung erfolgte per Zufall. Der Studienendpunkt war die Anzahl Patienten mit einer durchgehend unterdrückten HIV-Viruslast im Blut nach 48 Wochen. Bei einem Teil der Patienten wurde zudem mittels Lumbalpunktion eine Hirnwasserentnahme durchgeführt, um herauszufinden, ob das HIV unter der Monotherapie im Hirnwasser unterdrückt bleibt.

Am Studienende wiesen alle Patienten eine unterdrückte HIV-Viruslast im Blut und im Hirnwasser auf. Die Studie konnte somit zeigen, dass bei HIV-infizierten Personen, die ihre Kombinationstherapie innerhalb der ersten sechs Monate nach Ansteckung begonnen hatten und dabei mindestens ein Jahr lang eine unterdrückte HIV-Viruslast aufwiesen, eine Monotherapie gleich wirksam ist wie die bisher eingesetzte Kombinationstherapie.

 

Was sind die Erkenntnisse der Studie?

Erstens, dass eine personalisierte Therapie bei HIV-infizierten Patientinnen und Patienten möglich ist.

Zweitens, dass weltweit wahrscheinlich ein beträchtlicher Anteil an medikamentösen Übertherapien besteht. Dies wird möglicherweise über viele Jahrzehnte so bleiben, wenn keine weiteren Studien diese personalisierten Therapieansätze fokussieren.

Drittens, dass die Anzahl geeigneter Patienten für eine HIV-Monotherapie in den nächsten Jahre ansteigt, da die aktuellen Richtlinien weltweit den unmittelbaren Beginn einer HIV-Therapie empfehlen und deshalb der Anteil an früh behandelten Patienten stetig zunimmt. Die Studie soll über drei Jahre noch mehr Langzeitdaten gewinnen.

Literatur:

Non-inferiority of simplified dolutegravir monotherapy compared to continued combination antiretroviral therapy that was initiated during primary HIV infection: a randomized, controlled, multi-site, open-label, non-inferiority trial
https://academic.oup.com/cid/advance-article/doi/10.1093/cid/ciy1131/5269466

Quelle: UniversitätsSpital Zürich – www.usz.ch

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