Mit welcher Therapie Betroffene Hirsutismus am besten behandeln können

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Ann-Marie Nüsslein
Ann-Marie Nüssleinhttp://www.afcom.at
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Hirsutismus kann man mit Psychotherapie sowie mit der Kombination von Eflornithin und der Haarentfernung mit Laser (Laser-Epilation) am besten behandeln.

Als Hirsutismus bezeichnet man die hormonell bedingte »Vermännlichung« bei Frauen. Es kommt dabei zu starkem Haarwachstum bei Frauen oft im Gesicht, auf der Brust, auf Ober- und Unterschenkel sowie den Schultern und dem unterem Rückenbereich. Die Störung stellt für Frauen meistens eine große psychische Belastung dar. Die Ursachen können genetischer oder medizinischer Natur sein. Wobei bei Hirsutismus zuerst immer an ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) gedacht werden sollte.



 

Hirsutismus interdisziplinär behandeln

Die Behandlung von Hirsutismus ist eine interdisziplinäre Herausforderung, das heisst verschiedene Fachärzte sind gefordert. Es betrifft die Bereiche Dermatologie, Innere Medizin, Endokrinologie, Gynäkologie und Psychologie.

Zur Behandlung von Hirsutismus kommen lokal-physikalische (Haarentfernung) sowie verschiedene Medikamente zum Einsatz. Manche Präparate kann man entweder direkt auf die betroffen Körperstellen auftragen (topisch anwenden). Oder es gibt auch systemisch­ wirkende Therapien, das heisst man schluckt Tabletten.

Sehr gute Therapieergebnisse bringt eine Kombination von lokal eingesetztem Eflornithin als Creme und der Laser-Epilation. Wobei Experten eine zusätzliche psychotherapeutische Behandlung sehr empfehlen.

 

Lokale Therapie von ­Hirsutismus

Verschiedene Methoden der Epilation ermöglichen bei Hirsutismus betroffenen Frauen eine Verbesserung des ästhetischen Erscheinungsbildes und somit eine Steigerung der Lebensqualität. Welche Form der Epilation eingesetzt wird, hängt von der Körperregion, der Haarfarbe und nicht zuletzt von den finanziellen Möglichkeiten ab.

Mechanische Entfernung. Die mechanische Haarentfernung ist nur temporär erfolgreich und in der Regel zeitaufwendig. Dafür können Methoden wie die Pinzetten-Epilation, Rasur und Anwendung elektrischer Geräte zur Epilation ohne Rücksicht auf den Grad der Haarpigmentierung oder der Haarschaftdicke von der Betroffenen selbst angewandt werden.



Enthaarungscreme. Viele Betroffene setzen eine Enthaarungscreme ein. Deren einfache und effektive Anwendung führt zur Auflösung des Haares durch Trennung der Disulfid- und Peptid-Bindungen des Haarkeratins. Eine Enthaarungscreme (oder Haarentfernungscremes, -lotionen und -schäume) enthält 2 bis 4%iges Thioglykolat (Salz der Mercaptoessigsäure).

Bleichen. Auch Bleichen kann das ästhetische Erscheinungsbild verbessern, der unerwünschte Haarwuchs wird dadurch aber nicht beeinflusst. Die Bleichwirkung von Wasserstoffperoxid ist altbekannt, weiters kommen auch Kamillenextrakte bei Hirsutismus zum Einsatz.

 

Haarentfernung mit Gleichstrom oder Licht bzw. Laser

Bei der Haarentfernung mit Gleichstrom wird durch einen kurzen Stromstoß das Follikelepithel durch rasche Hitzeentwicklung an der unisolierten Nadelspitze thermisch koaguliert und damit das Haarwachstum längerfristig beeinträchtigt.

Die Nachhaltigkeit der aufwendigen Haarentfernung mit Gleichstrom hängt bei Hirsutismus von der Erfahrung und vom Geschick des Therapeuten ab. Denn zu lange und zu intensive Stromstöße können zu Verbrennungen der Haut und zu Narbenbildung führen.

Die permanente Haarentfernung mit Licht erfolgt heutzutage mit Laser- oder IPL-Geräten. Aufgrund der speziellen Wellenlänge im sichtbaren roten Bereich des Licht-Spektrums wird das Licht der Haarentfernungslaser speziell von dunklen Haarwurzeln absorbiert und kann durch Umwandlung von Lichtenergie in thermische Energie selektiv diese dunklen ­Absorber schädigen. Unpigmentierte Haare können auf diese Weise nicht entfernt werden.



 

Haarentfernung mit Licht mittels Laser-Epilation realisitisch einschätzen

Wichtig im Zusammenhang mit der Haarentfernung mit Licht mittels Laser-Epilation ist eine realistische Erwartungshaltung der Hirsutismus Betroffenen zu vermitteln, da Haarfollikel extrem regenerationsfreudige Strukturen sind.

Die einmalige Haarentfernung mit Licht mittels Laser-Epilation reicht praktisch nie aus, um die Haare bei Hirsutismud permanent loszuwerden. Unmittelbar nach einer Laser-Epilation ist die Haut im Behandlungsareal etwas gerötet und erhitzt. Hochenergetische Lasersysteme sind Medizinprodukte der Klasse IV und dürfen somit nur von ausgebildeten Medizinern bedient werden. Dabei sind strenge Sicherheitsvorkehrungen zu beachten.

IPL-Epilation. Der Begriff IPL (intensive pulsed light) bezeichnet Licht bestimmter breiterer Wellenlängenbereiche. Aufgrund des breiteren Lichtspektrums wirkt die IPL-Epilation weniger selektiv und kann ungewollte Nebenwirkungen wie Blasenbildung und Verbrennungsnarben (selten eine paradoxe Hypertrichose) auslösen. Die Sicherheitsbestimmungen sind aber nicht so streng wie bei der Haarentfernung mit Licht mittels Laser-Epilation (auch NichtmedizinerInnen dürfen es anwenden), wdurch die IPL-Epilation die am häufigsten verwendete Methode ist.

 

Topisch-pharmakologische Behandlung

Eflornithin gehört zu den topisch wirkenden Enzym-Inhibitoren. Es inhibiert das Enzym Ornithin-Decarboxylase, welches die für das Haarwachstum notwendige follikuläre Polyaminsynthese katalysiert. Eflornithin wird topisch als Creme angewendet. Die Wirkung wird klinisch nach zwei Monaten sichtbar, ist aber nicht anhaltend, sondern nur für die Dauer der Anwendung gegeben. Nebenwirkungen – Juckreiz und trockene Haut – sind selten. Eflornithin wirkt unabhängig von Haarfarbe und Ursache. Es kann als Monotherapie, aber auch in Kombination mit allen anderen Methoden eingesetzt werden.

 

Systemisch-pharmakologische Behandlung von Hirsutismus

Ziele der systemischen Behandlung des Hirsutismus sind die Regulation der hormonellen Dysbalance und die Verbesserung der klinischen Symptome. Dabei soll eine Senkung der Androgenproduktion und somit des Androgenspiegels, die Verstärkung der Bindung der Androgene an spezifische Plasmaproteine und die Blockade der Androgenwirkung auf Ebene der Zielgewebe erreicht werden. Viele Wirkstoffe kommen allerdings ohne zu Zulassung zum Einsatz.



Orale Antikonzeptiva (OAK) – Östrogen-Gestagen- bzw. Östrogen-Antiandrogen-Kombinationspräparate – sind in der Therapie von Hirsutismus und Akne etabliert. Weiters werden Spironolacton in einer Dosierung von 50 bis 200 mg/Tag und 5α-Reduktase-Hemmer Finasterid in einer Dosis von 2,5 mg/Tag zum Einsatz. Wobei Vorsicht geboten ist, da es bei männlicher Föten im Falle einer Schwangerschaft zur Feminisierung kommen kann.

Auch der Insulin-Sensitizer Metformin kommt in der Behandlung des Hirsutismus zur Anwendung. Während sie bei Diabetes mellitus den erhöhten Blutzucker-Spiegel senken, senken sie bei Nichtdiabetikern ausschließlich den Insulin-Spiegel, wobei es mit Normalisierung des Insulin-Spiegels zur Reduktion der Androgen-Biosynthese von Nebennierenrinde und Ovar kommt, was nach einiger Zeit das übermäßige Haarwachstum bei Hirsutismus verringert.

 

Low-Carb bei Hirustismus und Therapie-Kombinationen

Hirsutismus ist ein Symptom mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedingungen – eine bei Hirsutismus generell erfolgreiche Behandlung steht nicht zur Verfügung.

Ernährungsumstellung auf ausgewogene, vitaminreiche, kohlenhydratarme, reduzierte Nahrung kann in Kombination mit Sport bzw. andauerndem Fitness-Training sehr gute Therapieergebnisse bei Hirsutismus bringen.

Weiters sollten mehrere Therapieoptionen miteinander kombiniert werden. Es bieten sich verschiedene Anwendungen an, wichtig ist die Kenntnis der Problematik des Hirsutismus. In klinischen Studien zeigte die Kombination von lokal angewandtem Eflornithin und Laser-Epilation die besten Ergebnisse.



 

Hypertrichose und Haarmenschen

Als Hypertrichose bezeichnet man ein überdurchschnittliches Haarwachstum im Vergleich zu anderen Menschen gleichen Alters, Geschlechts und gleicher Ethnie. Hypertrichose kann angeboren oder erworben sein, wobei die vererbte (kongenitale) Hypertrichose eher selten vorkommt.

Erworbene Hypertrichose. Die erworbene Hypertrichose erfordert eine genaue Erforschung der Ursache. Schuld für das übermäßige Haarwachstum können beispielsweise verschiedene Arzneimittel sein, wie Androgene, Gestagene, ­Minoxidil, Danazol, Glukokortikoide, Cyclosporin, ACTH, Diphenylhydantoin, ­Diazoxid und Valproinsäure.

 

Hirsutismus – unerwünschtes Haarwachstum bei Frauen

Die häufigste Form von unerwünschtem Haarwachstum betrifft Frauen mit Entwicklung eines männlichen Behaarungsmusters im Gesicht und in androgensensiblen Körperarealen. Speziell das bezeichnet man als Hirsutismus. Es wird angenommen, dass etwa jede 20. Frau davon betroffen ist.

 

Häufigste Ursache für Hirsutismus: das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS)

Neben seltenen zugrunde liegenden Erkrankungen wie Ovarial- und Nebennierentumoren, kongenitaler adrenaler Hyperplasie, Insulinresistenz-Syndromen und Morbus Cushing ist das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) mit über 70% am häufigsten für Hirsutismus verantwortlich.



Das polyzystische Ovarsyndrom ist eine der häufigsten hormonellen Auffälligkeiten bei über 10% junger Frauen, die unter Zyklusstörungen, Haut- und Haar-Problemen und unerfülltem Kinderwunsch leiden (beim Auftreten von Hirsutismus sollte das polyzystische Ovarsyndrom auch bei Frauen mit normalem Zyklus in Erwägung gezogen werden).

Zyklusstörungen beim polyzystischen Ovarsyndrom treten typischerweise schon früh in der Pubertät auf, wobei oft eine sogenannte Oligomenorrhö – das bedeutet weniger als neun Menstruationszyklen pro Jahr – vergesellschaftet ist.

Zusätzlich zur Zyklusstörung zeigen sich die Zyklen oft ohne Eisprung (anovulatorisch), was zu sehr starken Blutungen und einem erhöhtes Risiko für ein Endometriumkarzinom führen kann.

 

Hirsutismus, Glukosetoleranzstörung und Diabetes

30–40 % der betroffenen Frauen haben eine Glukosetoleranzstörung, und etwa 10 % haben einen bestehenden Diabetes mellitus Typ 2 früh in der vierten Lebensdekade. Weiter können z. B. Schwangerschaft (Gestationsdiabetes) oder die Verabreichung von Glukokortikoiden eine bereits vorhandene, jedoch noch kompensierte Insulinresistenz demaskieren.

Das polyzystische Ovarsyndrom beeinträchtigt verständlicherweise die Psyche der betroffenen Frau auf sehr negative Weise. Das durch Hirsutismus negativ beeinträchtigte Aussehen, Hautprobleme wie Akne, die Zyklusstörungen sowie der unerfüllte Kinderwunsch verursachen in der Regel große psychische Probleme.

Eine psychosomatische Behandlung ist angezeigt, um die Einschränkung der Lebensqualität zu verbessern und das Auftreten von Depressionen und Ängsten abzuschwächen.




Quellen und weitere Informationen zu Hirsutismus:

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Polyzystisches-Ovarsyndrom.134722.0.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3002408/

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2856356/

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12738163

https://www.nlm.nih.gov/medlineplus/ency/article/003148.htm

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