Hidradenitis suppurativa – Vorteile der Operation als Erstlinientherapie

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Die Hautkrankheit Hidradenitis suppurativa beeinträchtigt die Lebensqualität der Patienten sehr. Hier sollten Ärzte die OP als Erstlinientherapie erwägen.

Bekanntlich verursacht Hidradenitis suppurativa – Akne inversa – bei betroffenen Patienten einen enormen Leidensdruck, der Alltag und Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Denn die negativen psychologischen und sozialen Auswirkungen sind ständige Begleiter dieser chronisch verlaufenden, entzündlichen Hauterkrankung. Dies gilt vor allem für schwere Krankheitsstadien, die für die behandelnden Ärzte eine enorme therapeutische Herausforderung darstellen. Dementsprechend groß ist die Bedeutung einer effektiven Erstlinientherapie.

Nun weisen die Ergebnisse einer aktuell publizierte, retrospektive Analyse darauf hin, dass möglicherweise die chirurgische Exzision einer Acne inversa, das operative Entfernen von Hautgewebe, die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern kann.

 

Akne inversa – Hidradenitis suppurativa

Hauptsächlich bezeichnen Dermatologen die Akne inversa vor allem als Hidradenitis suppurativa, die sie in drei Schweregrade einteilen. Wobei lange Zeit auch die Bezeichnung Verneuilsche Krankheit gängig war. Dies angelehnt an den französischen Dermatologen Aristide Verneuil, der Mitte des 19. Jahrhunderts (1854) diese chronisch verlaufende, entzündliche Hauterkrankung als Erster ausführlich beschrieb. Übrigens vermuten sehr viele Ärzte und Patienten nach wie vor fälschlicherweise, dass Hidradenitis suppurativa ein bakterielle Hauterkrankung ist.

Hidradenitis suppurativa betrifft meistens die Axillen und die Leisten, den Genitalbereich und das Perineum zwischen After und äußeren Geschlechtsteilen sowie das Gebiet um den After betroffen. Allerdings treten die Beschwerden von Patient zu Patient individuell auf. Häufig manifestieren sich auch entzündlichen Knoten sowie Abszesse und Fisteln, die im weiteren Krankheitsverlauf auch Narben bilden können.

Grundsätzlich verschreiben Dermatologen bei milder bis moderater Acne inversa sowohl topische als auch systemische Antibiotika. Zusätzlich ergänzen intraläsionale Kortikosteroide sowie Retinoide das medikamentöse Armamentarium. Eine chirurgische Exzision kommt eigentlich nur bei einem schwereren Verlauf infrage. Wenn allerdings die Erkrankung nach Absetzen der Medikamente wieder auftritt, empfehlen viele Ärzte ihren Patienten ebenfalls eine invasive Behandlung.

 

Vorteile der Operation bei Hidradenitis suppurativa als Erstlinientherapie

Die eingangs zitierte Studie hatte das Ziel, das postoperative Ergebnis nach einer umfassenden lokalen Entfernung von Hautgewebe zu bewerten. Ein Forscherteam wollte den postoperativen Verlauf und ein mögliches Wiederauftreten der Erkrankung sowie kosmetische Ergebnisse und Lebensqualität analysieren.

Deswegen untersuchten die Wissenschaftler retrospektiv 255 Patienten, die zwischen 2006 und 2015 operativ behandelt wurden. Dazu beantworteten die eingeschlossenen 103 Männer und 152 Frauen eine dementsprechende briefliche Befragung mittels Fragebogen.

Schließlich zeigte sich, dass die chirurgische Exzision der Acne inversa die Lebensqualität der Patienten deutlich verbesserte und nur wenige postoperative Komplikationen verursachen. Denn drei Viertel der Patienten beobachten gar keine postoperativen Komplikationen, mit Ausnahme von Postoperativen Schmerzen. Die große Mehrheit der Patienten (80%) war nach der Operation sehr zufrieden oder zufrieden. Deswegen würden auch 85% der Patienten die Operation anderen Patienten weiter empfehlen.

Literatur:

Kofler L, Schweinzer K, Heister M, Kohler M, Breuninger H, Häfner HM. Surgical treatment of hidradenitis suppurativa: an analysis of postoperative outcome, cosmetic results and quality of life in 255 patients. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2018 Sep;32(9):1570-1574. doi: 10.1111/jdv.14892. Epub 2018 Mar 23.

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Dr. Reinhold Lautner

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