Herzkranke Schwangere: schon vor der Schwangerschaft angemessen handeln und beraten

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Herzkranke Schwangere haben höhere Risiken. Die aktuelle Leitlinie fordert eine Risikoeinschätzung und Beratung vor der Schwangerschaft für alle betroffenen Frauen.

Unter dem Strich sind viele Patientinnen mit Herzerkrankungen während ihrer Schwangerschaft einem höheren Risiko ausgesetzt. Dabei ist mit einem Auftreten von 5 bis 10% der Bluthochdruck die häufigste Herz-Kreislauferkrankung während der Schwangerschaft in Europa. Weiter führen in 1 bis 4% der Fälle eine andere mütterliche kardiovaskuläre Erkrankung zu Komplikationen in der Schwangerschaft kompliziert. Aufgrund intensiver Aufklärungsarbeit kennt man heutzutage allerdings die Herausforderungen, die Herzkranke Schwangere und ihre behandelnden Ärzten zu meistern haben.

 

Risikoeinschätzung und Beratung vor der Schwangerschaft für herzkranke Patientinnen

Unter dem Strich hat die neue Leitlinie für kardiovaskuläre Erkrankungen in der Schwangerschaft besonders große Bedeutung. Denn diese fordert eine Risikoeinschätzung und Beratung vor der Schwangerschaft für alle Frauen im gebärfähigen Alter, die an bekannten angeborenen Herzfehlern sowie bekannten oder vermuteten erworbenen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Aorta leiden. Zu den wichtigen Neuerungen der Leitlinie gehört auch die starke Betonung der WHO-Klassifikation zur Einschätzung des mütterlichen Risikos. Dieses gilt auch vor einer geplanten assistierten Reproduktionstherapie gilt.

 

Schwangerschaftsherzteams in Kliniken als Anlaufstelle für herzkranke Schwangere und ihre Ärzte

Wobei allgemein die Einführung von Schwangerschaftsherzteams mit verschiedenen Spezialisten in großen Kliniken wichtig ist. Herzkranke Schwangere und ihre Ärzte können sich dann bei Bedarf dort hinwenden. Alle Risikoschwangerschaften, dazu gehören auch alle Schwangerschaften bei Patientinnen mit mechanischen Herzklappen, sollte man unter Einbezug eines solchen Teams geplant werden.

 

Spezielle Empfehlungen

Erstmals unterscheidet man im Bereich der Herzklappenerkrankungen und der Thromboseprophylaxe bei Frauen mit mechanischen Klappenprothesen zwischen Frauen mit hohem und niedrigem Marcumar-Bedarf, um die Ziel-INR Werte zu erreichen.

  • Im ersten Fall sollten Ärzte ihre herzkranke Schwangere im ersten Trimester auf Heparin (LMWH oder UFH mit entsprechenden Kontrollen) umstellen.
  • Im zweiten Fall, bei niedrigem Marcumar-Bedarf, sollten die Betroffenen die bestehende Medikation weiterhin einsetzen.

Für die Therapie der seltenen peripartalen Kardiomyopathie zeigen neue Studienergebnisse mit Bromocriptin positive Effekte, so dass sich in diesem Bereich eine Verbesserung bei der Behandlung der lebensgefährlichen Erkrankung abzeichnet.

Heute gibt es weniger Vorbehalte gegen DES (im Vergleich zu BMS) bei akuten Koronarerkrankungen sowie Herzinfarkten. Allerdings liegen dafür keine harten Daten vor.

Bei Patientinnen mit Arrhythmien wurde ein konkretes Überwachungssystem in Abhängigkeit vom Risiko vorgeschlagen.

Weiter sollten Prä-Eklampsie-Patientinnen vorbeugend Aspirin einsetzen.

Jedenfalls sollten adipöse Patientinnen mit hohem Blutdruck adäquat die Gewichtszunahme kontrollieren.

Schließlic gabe es auch der Diagnose und Behandlung tiefer Venenthrombosen verschiedene Änderungen. So scheinen D-Dimere für die Diagnostik weniger zuverlässig zu sein als früher angenommen. Deswegen empfehlen Experten hierzu bildgebende Verfahren.

 

Kontrazeptiva

Übrigens bringen Kontrazeptiva mit Ethinylestradiol das höchste Risiko für Thrombosen. Daher sollten Frauen mit einem hohen Thromboserisiko diese nicht einsetzen. Außerdem können diese Substanzen den Blutdruck erhöhen. Deswegen sind sie auch bei bestehendem Bluthochdruck nicht zu empfehlen. Hingegen verhalten sich Kontrazeptiva, die lediglich Gestagene beispielsweise Desogestrel enthalten, neutral in Bezug auf Gerinnungsfaktoren, Blutdruck und Blutfette.

 

Medikamente für herzkranke Schwangere

Auch bei der Auflistung der Medikamente für herzkranke Schwangere gibt es Neuerungen. Bereits im Juni 2015 wurde die bisher verwendete FDA-Klassifikation (A – X Kategorien) durch die sogenannte „Pregnancy and Lactation Rule“ (PLLR) ersetzt. Die PPLR umfasst jetzt eine deskriptive Risikozusammenfassung für jedes Medikament und detaillierte Informationen zu Tierdaten und klinischen Studien. Die Leitlinienkommission hat sich daraufhin entschieden, Medikamente, die in der Leitlinie von 2011 noch nicht aufgeführt waren, nach den neuen Vorgaben zu beschreiben. Konkret heißt das, dass die bekannten Daten zu klinischen Studien und Tierexperimenten angegeben werden.

 

Der Schwangerschaftsabbruch bei zu hohem Risiko

Man sollte einen Schwangerschaftsabbruch dann diskutieren, wenn ein sehr hohes Sterberisiko für die Mutter oder das Kind besteht. Oder wenn schwere Missbildungen drohen. Dabei verursachen sowohl medikamentöse Verfahren als auch die Operation ähnliche Komplikationen. Risikopatientinnen gehören jedenfalls in ein erfahrenes Zentrum.

 

Die Reproduktionstherapie

Wichtig ist auch, dass die jeweiligen Spezialisten die Frauen mit Herzerkrankungen vor einer geplanten Reproduktionstherapie eingehend beraten.

Quelle:

Statement » Neue Therapie-Empfehlungen für Schwangere mit kardiovaskulären Erkrankungen «. Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek. Direktorin des Gender in Medicine an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. April 2019. Pressetext DGK 04/2019 der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

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About Author

Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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