Herzinfarkt-Vorbeugung mit Aspirin, Vitamine und Omega-3-Fettsäuren in der Kritik

Seit langem sollen Aspirin, Vitamine sowie Omega-3-Fettsäuren zur Herzinfarkt-Vorbeugung effektiv sein. Doch jüngste Studiendaten lassen Zweifel aufkommen.

Seit Jahrzehnten führen Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Statistik der Todesfälle an. Dabei bleiben die Zahlen seit Jahren stabil. Deswegen möchten Kardiologen bezugnehmend auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse die Herzinfarkt-Vorbeugung weiter anpassen, um die Herzinfarkt-Zahlen weiter zu senken.

 

Fakten und Mythen: Aspirin (ASS) für alle zur Herzinfarkt-Vorbeugung

Es wäre so einfach, wenn täglich eine Tablette Aspirin gegen Krebs sowie zur Schlaganfall- und Herzinfarkt-Vorbeugung effektiv sein könnte. Deswegen nehmen Millionen Amerikaner täglich ihr Aspirin. Darunter sind prominente Personen wie Regisseurlegende Steven Spielberg und der ehemalige Vizepräsident Al Gore. Auch in unseren Breiten setzten immer mehr Diabetiker und Patienten mit Bluthochdruck oder metabolischem Syndrom täglich Aspirin zur Schlaganfall- und Herzinfarkt ein.

Jedenfalls gilt die Behandlung mit dem Plättchenhemmer Acetylsalicylsäure (ASS) oder ähnlichen Wirkstoffen ein wichtiger Baustein für die Prävention und das Management von atherothrombotischen vaskulären Ereignissen. ASS kann die Gerinnselbildung und damit das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall vermindern. Allerdings erhöht der Wirkstoff gleichzeitig auch das Blutungsrisiko des Patienten.

 

Überwiegt bei Aspirin der Nutzen das Risiko?

„Leider nein“, sagt Prof. Dr. Dietmar Trenk, Leiter der Klinischen Pharmakologie am Universitäts-Herzzentrum Freiburg. „Die tägliche Tablette Aspirin bringt nichts für gesunde Menschen. Auch dann nicht, wenn sie erhöhtes Herzinfarkt-Risiko haben.“ Aspirin wirkt im übrigen auch nicht gegen das Krebsrisiko.

Trenk beruft sich auf drei große, im letzten Jahr abgeschlossene Studien, die mit diesem Mythos endgültig aufräumen. Das Risiko, Blutungen zu erleiden, ist dabei deutlich höher als der Nutzen, einen Herzinfarkt zu verhindern. „Das geschätzte jährliche Risiko für vaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfälle, oder Sterblichkeit war mit 1 % in den Studien deutlich niedriger als erwartet. Der Nutzen der Behandlung mit ASS in niedriger Dosierung (100 mg/Tag) war deshalb gering, und wurde durch vermehrte Blutungsereignisse erkauft“, sagt Trenk. Allerdings nach Herzinfarkt Aspirin ein Leben lang!

Anders allerdings bei Menschen, die schon einen Herzinfarkt hatten: In der Sekundärprävention empfehlen die Leitlinien der Fachgesellschaften die lebenslange Behandlung mit ASS. Das Risiko für einen weiteren Herzinfarkt oder Schlaganfall lässt sich damit um 2.5 % verringern. Hier überwiegt also der Nutzen für den Patienten das um etwa 0.4 % erhöhte Risiko für extrakranielle Blutungen eindeutig.

 

Mythos, dass Vitamine und Omega-3-Fettsäuren Herzinfarkt verhindern

Weil die Vitamine C, E und D entzündungshemmend wirken, hoffte man, damit auch Herzinfarkt und koronare Herzerkrankungen zu verhindern. „Leider negativ“, sagt Univ. Prof. Dr. Christoph Säly, Innere Medizin 1, Feldkirch. „Die Vitamine C, E und D bringen diesbezüglich nichts. Hohe Vitamin E-Gaben steigern möglicherweise sogar die Sterblichkeit.“

Ähnlich enttäuschend auch das Ergebnis mehrerer Studien, die die kardiologische Wirkung von Omega-3-Fettsäuren untersuchten. In Hinblick auf Herzinfarkt-Vorbeugung zeigte ein Gramm Omega-3-Fettsäuren pro Tag keine Wirkung.

Lediglich nach einem Herzinfarkt konnte das neuerliche Risiko mit einer speziellen, hochkonzentrierten Omega-3-Fettsäure-Arznei um 25 % gesenkt werden. „Aber da sind wir schon weit weg von Nahrungsergänzung“, sagt Säly. Weil Nahrungsergänzungsmittel in Bezug auf kardiovaskuläre Ereignisse entweder überhaupt keine oder keine gesicherte Wirkung haben, empfehlen die aktuellen ESC-Leitlinien, darauf zu verzichten und sich gesund zu ernähren.


Quelle: Innsbrucker Universitätsklinik für Kardiologie – 21. Kardiologie Kongress

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