Erkrankung der Leber: Hepatitis-E-Übertragung braucht man nicht fürchten

Vorbeugende Maßnahmen sind der beste Schutz gegen die Hepatitis E Übertragung. Eine kausale Therapie beu Infektionen mit dem Hepatitis-E-Virus gibt es bislang nicht. © molekuul.be / shutterstock.com

Im Grunde genommen muss man eine Hepatitis-E-Übertragung nicht fürchten, denn die Hepatitiserkrankung , der Erkrankung der Leber, ist eigentlich selbstlimitierend.

Wie A, B, C und D ist Hepatitis E im Grunde genommen eine infektiöse Hepatitiserkrankung – verursacht durch das Hepatitis-E-Virus (HEV). Bis heute gibt es keine kausale Therapie gegen Hepatitis E, doch grundsätzlich ist die Erkrankung selbstlimitierend, sie heilt also von selbst ab. Eine Krankenhausaufenthalt ist normalerweise nicht notwendig. Doch vor allem bei immungeschwächten Personen – beispielsweise durch HIV – und schwangeren Frauen ist große Vorsicht geboten. Besonders bei Überschwemmungen in Südostasien kann die Hepatitis E Übertragung epidemisch verlaufen, da die Viren durch Wasser übertragen werden. In unseren Breiten spielte eine Hepatitis E Übertragung bis dato aber keine große Rolle. In Nordafrika und Vorderasien gilt Hepatitis E als die zweithäufigste Hepatitiserkrankung.

Jedenfalls ist das Hepatitis-E-Virus eine der Hauptursachen für akute Hepatitis. Wobei die de facto globale Belastung nach wie vor unterschätzt wird. HEV-bedingte klinische Komplikationen werden häufig nicht erkannt und bei der Differentialdiagnose nicht berücksichtigt. Überzeugende Ergebnisse aus Studien legen nahe, dass HEV nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in Industrieländern klinisch relevant ist.

 

Jeder sechste Menschen in Mitteleuropa betroffen

Laut Robert-Koch-Institut hatten sich die Zahl der gemeldeten Hepatitis E-Fälle in Deutschland von 2013 auf 2014 stark erhöht (aktuell 661 Fälle). Der Grund dafür war nach Meinung der Experten aber nicht eine aktuelle starke Hepatitis E Übertragung, . Sondern die mittlerweile deutlich verbesserten diagnostischen Untersuchungsmethoden. Dennoch glaubt man, dass in unseren Breiten jeder sechste Mensch bereits mit dem Hepatitis E-Virus in Kontakt geraten ist. Man vermutet, dass in Mitteleuropa schon mehrere Jahre die Hepatitis E Übertragung durch kontaminiertes Schweine- und Wildfleisch erfolgt.

Dies widerlegt die herkömmliche Ansicht, dass bei uns Hepatitis E nur vereinzelt als importierte Reiseerkrankung oder als selten auftretende Infektion unbekannter Quelle vorkommt. Daher wird von den Experten empfohlen, dass man Patienten mit einer akuten Lebererkrankung zukünftig nicht nur auf Hepatitis A, B und C sondern auch auf Hepatitis E testet.

 

Hepatitis-E-Übertragung durch Vorbeugung vermeiden

Die WHO sieht in Maßnahmen zur Vorbeugung das effektivste Rezept gegen eine Hepatitis-E-Übertragung. Die Risiken für eine HEV-Infektion beziehungsweise einer Hepatitis E Übertragung kann man allgemein durch die Einhaltung von Qualitätsstandards verringern. Und zwar betrifft das vor allem Bereiche der öffentlichen Wasserversorgung und die Errichtung ordnungsgemäßer Entsorgungssysteme für sanitäre Abfälle. Dies gilt allerdings nur für schlechter entwickelte Regionen und trifft sicherlich nicht für Mitteleuropa zu, wo dies gegeben sein sollte.

Auf individueller Ebene kann das Infektionsrisiko reduziert werden durch ausreichende Hygiene wie Händewaschen und einem umsichtigen Umgang mit Lebensmitteln. In kritischen Ländern sollte auf den Konsum von Leitungswasser idealerweise verzichtet werden – auch auf den Konsum von Eis aus Leitungswasser.

Im Jahr 2011 hat man schließlich den erste Impfstoff gegen eine Hepatitis E-Infektion – mit den Markennamen Hecolin – in China zugelassen. Dieser ist zwar noch nicht global verfügbar. Dies könnte sich aber möglicherweise bald für viele gefährdete Länder ändern, betont die WHO.


Literatur:

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Qi Y, Zhang F, Zhang L, Harrison TJ, Huang W, Zhao C, Kong W, Jiang C, Wang Y. Hepatitis E Virus Produced from Cell Culture Has a Lipid Envelope. PLoS One. 2015 Jul 10;10(7):e0132503. doi: 10.1371/journal.pone.0132503. PMID: 26161670; PMCID: PMC4498737.


Quellen:

http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs280/en/

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