Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori nebst Antiobiotika

Experten empfehlen eine Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori auch für bestimmte Risikogruppen. © royaltystockphoto.com / shutterstock.com

Experten empfehlen eine Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori auch für bestimmte Risikogruppen. © royaltystockphoto.com / shutterstock.com

Im Grunde genommen empfehlen Experten eine Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori mit kombinierter Antibiotika-Gabe, um Komplikationen zu vermeiden.

Vor der Entscheidung zur Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori mittels Antibiotika-Gabe kann alternativ eine primäre Resistenztestung durchgeführt werden. Diese ist aufgrund der hohen Kosten und geringen Praktikabilität allerdings für die Praxis generell nicht machbar. Ohne vorherige Resistenztestung ist die beste Möglichkeit für die Erstlinientherapie ein sequenzielles Schema oder eine Vierfachtherapie (Quadrupeltherapie ohne Bismut). Die deutsche Leitlinie zur Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori wird aktuell übrigens gerade überarbeitet.

 

Magernkeim gegen viele Antibiotika resistent

Der Magenkeim Helicobacter pylori ist gegen viele Antibiotika resistent. Seine Spiralform macht ihn widerstandsfähig. Gelingt es, sie aufzulösen, könnte der Keim aussterben, hoffen amerikanische Forscher.

Das Bakterium Helicobacter pylori ist Hauptverursacher chronischer Entzündungen der Magenschleimhaut und für 70 Prozent aller Magenkrebsfälle verantwortlich. US-Forscher haben erstmals bewiesen, dass die spiralförmige, an einen Korkenzieher erinnernde Gestalt des Erregers essenziell für sein Überleben in der säurehaltigen Umgebung des Magens ist.

Helicobacter pylori ist auch weitverbreitet und besiedelt den Magen von mehr als der Hälfte der Weltbevölkerung, meistens verläuft eine Infektion völlig unbemerkt. In zehn bis 15 Prozent aller Fälle entstehen jedoch chronische Magenschleimhautentzündungen, die zu gefährlichen Geschwüren und Krebserkrankungen führen können. Zudem ist der Erreger höchst ansteckend, die genauen Übertragungswege sind noch nicht eindeutig geklärt.

Die Infektion erweist sich als sehr hartnäckig, wobei die Resistenz gegen eine zunehmende Zahl von Antibiotika die Behandlung zusätzlich erschwert. Lange Zeit wurde vermutet, dass die charakteristische korkenzieherartige Struktur des Bakteriums essenziell für eine erfolgreiche Besiedelung des menschlichen Magens ist.

Bei jedem Fünften mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori Infizierten kommt es im Verlauf des Lebens zu Magenbeschwerden oder zur Ausbildung von Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren. Doch auch wenn der Magenkeim keine Beschwerden verursacht, erhöht er langfristig das Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) empfiehlt eine Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori daher auch für bestimmte Risikogruppen.

 

Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori empfohlen

Das erste Zeichen einer Helicobacter-Infektion ist häufig eine Entzündung der Magenschleimhaut: die akute Gastritis. Geht diese – meist in der Kindheit unbemerkt – in eine chronische Entzündung über, kann es zu einer Reihe von Komplikationen kommen. Auf dem Boden der chronischen Gastritis entstehen bei jedem fünften Patienten Magenbeschwerden bis hin zu Geschwüren im Magen- und Zwölffingerdarm. Langfristig erhöht der Keim das Magenkrebsrisiko, und er ist auch für das MALT-Lymphom, einen seltenen Lymphdrüsenkrebs, verantwortlich.

Eine Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori – also dessen Beseitigung – lindert nicht nur die akuten Beschwerden bei einer Magenschleimhautentzündung, einem Magen- oder einem Zwöffingerdarmgeschwür. Sie hat auch das Potential, das Wiederauftreten von Geschwüren und die Entstehung eines Magenkarzinoms zu verhindern. Bei nahen Verwandten von Magenkrebspatienten oder bei Menschen, die bereits eine Krebserkrankung in der Frühphase durchgemacht haben. Und zwar auch dann, wenn die Patienten keine Beschwerden haben.

Übrigens zeigte unlängst eine große asiatische Metaanalyse, dass die Helicobacter pylori-Eradikationstherapie die Häufigkeit von Magenkrebs bei gesunden Personen und Patienten mit Magen-Neoplasie in ostasiatischen Ländern verringert. Es scheint auch zu einer Verringerung der durch Magenkrebs verursachten Sterblichkeit zu kommen.

 

Eradikation nach über einem Jahr Protonenpumpenhemmer

Auch Menschen, die länger als ein Jahr Protonenpumpenhemmer beziehungsweise Protonenpumpeninhibitoren einnehmen, sollten den Magenkeim entfernen lassen. Denn die Behandlung mit diesen Säureregulatoren führt auf Dauer zu einer Atrophie oder zu einer Intestinalen Metaplasie der Magenschleimhaut. Diese nicht mehr rückbildungsfähigen Veränderungen erhöhen wiederum das Magenkrebsrisiko. Protonenpumpeninhibitoren, kurz „PPI“, hemmen die Bildung von Magensäure. Ärzte verschreiben sie häufig zur Behandlung der Refluxkrankheit, also bei Sodbrennen.

Auch bei Patienten, die ein erhöhtes Risiko für Magenblutungen mitbringen, sollten Ärzte eine Helicobacter-Behandlung erwägen. Die dauerhafte Einnahme von ASS oder bestimmten Rheumamedikamenten, den nicht-steroidalen Antirheumatika, sollte Anlass sein, über eine vorsorgliche Beseitigung des Keims nachzudenken. Denn die Beseitigung des Keims kann das Risiko für Magenblutungen senken.

Voraussetzung für eine Behandlung sei der Nachweis des Keims. Da kein Testverfahren hundertprozentig sicher ist, sollten zwei Tests positiv ausfallen. Die aktuelle Version der Leitlinie lässt jedoch auch eine Ausnahme zu. Wenn der Keim bei einer Magenschleimhautentzündung in einer Gewebeprobe nachgewiesen wird, sind weitere Tests nicht mehr nötig.

 

Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori erfolgversprechend

Die Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori ist heute in der Regel erfolgreich. Sie erfordert jedoch die Mitarbeit und die Geduld des Patienten, der mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen muss. Standard ist eine Tripeltherapie aus zwei Antibiotika und einem Protonenpumpeninhibitor.

Wenn der Keim gegen eines der Antibiotika resistent ist, dann sollten Ärzte zu einer Therapie mit vier Wirkstoffen wie der Bismut-basierten Quadrupeltherapie greifen. Dies betrifft häufig Menschen mit Migrationshintergrund oder Patienten, die zuvor schon mit Clarithromycin oder einem verwandten Antibiotikum behandelt wurden. In diesen Fällen ist das Risiko hoch, dass die klassische Tripeltherapie nicht anschlägt.

Mit der aktuellen Leitlinie liegt ein gut funktionierendes Konzept zum Umgang mit Helicobacter vor, das sich an den aktuellen Erkenntnissen zur Eradikationstherapie bei Helicobacter pylori orientiert.

 

Helicobacter pylori-Eradikationstherapie bei immunthrombozytopenischer Purpura

Bei von der chronischen Immunthrombozytopenie Betroffenen Patienten konnten man häufig Infektionen des Magens mit Helicobacter pylori beobachten. Wobei hier die Evidenz bezüglich der Wirksamkeit der Helicobacter pylori-Eradikationstherapie bei chronischer immunthrombozytopenischer Purpura (cITP) im Kindesalter an sich sehr schwach ist. Eine aktuelle Studie lässt bei pädiatrischen cITP-Patienten jedoch sehr wohl ein Ansprechen vermuten, das dem der erwachsenen Bevölkerung entspricht und weniger Nebenwirkungen aufweist als andere Behandlungen.


Literatur:

Ikuse T, Toda M, Kashiwagi K, Maruyama K, Nagata M, Tokushima K, Ito N, Tokita K, Kyodo R, Hosoi K, Jimbo K, Kudo T, Shimizu T. Efficacy of Helicobacter pylori Eradication Therapy on Platelet Recovery in Pediatric Immune Thrombocytopenic Purpura-Case Series and a Systematic Review. Microorganisms. 2020 Sep 23;8(10):E1457. doi: 10.3390/microorganisms8101457. PMID: 32977477.

Ford AC, Yuan Y, Moayyedi P. Helicobacter pylori eradication therapy to prevent gastric cancer: systematic review and meta-analysis. Gut Published Online First: 23 March 2020. doi: 10.1136/gutjnl-2020-320839

Nirzar S. Parikh; Rajni Ahlawat. Helicobacter Pylori. StatPearls [Internet]. Last Update: January 9, 2019.

Du LJ, Chen BR, Kim JJ, Kim S, Shen JH, Dai N. Helicobacter pylori eradication therapy for functional dyspepsia: Systematic review and meta-analysis. World J Gastroenterol. 2016 Mar 28;22(12):3486-95. doi: 10.3748/wjg.v22.i12.3486. PMID: 27022230; PMCID: PMC4806206.


Quelle: www.dgvs.de

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