Verursacht das Bakterium Helicobacter pylori Magenkrebs?

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Fast 90% der Magenkrebs-Patienten hatten zuvor eine Infektion mit diesem Bakterium Helicobacter pylori. Auch die Mikrobiota gilt als Ursache für Krebs.

Es war in den 1980iger Jahren ein purer Zufall, dass man das Bakterium Helicobacter pylori im Magen entdecken konnte. Damals ging die Fachwelt noch davon aus, dass im sauren Milieu der Magenschleimhaut keine Bakterien wachsen können. Der Pathologe Robin Warren und der medizinische Registrator Barry Marshall erhielten 2005 den Nobelpreis für ihre überraschende Entdeckung von Helicobacter pylori. Schließlich gründeten die beiden australischen Pioniere 1987 in Europa die renommierte Studiengruppe EHMSG zur Erforschung des Erregers. Wobei diese bis heute besteht. Heute weiss man, dass Infektionen mit dem Helicobacter pylori als wichtigster Risikofaktor für das Entstehen von Magenkrebs gelten.

 

Helicobacter pylori kann eine Entzündung, ein Geschwür oder Magenkrebs verursachen

Für die meisten Menschen ist eine Helicobacter-Infektion harmlos. Nur bei einem aus sechs Betroffenen verursacht der Helicobacter pylori eine Magenerkrankung wie einer Entzündung, einem Geschwür oder Magenkrebs. Die Übertragung folgt von Mensch zu Mensch. „Der gesteigerte Hygienestandard hat hierbei in den letzten Jahrzehnten zu einem Rückgang der Infektionsrate geführt. Auch die Behandlungsmöglichkeiten sind sehr gut, es gibt daher wesentlich weniger Magengeschwüre, die noch durch diesen Erreger verursacht sind“, erklärt Herbert Tilg. Die Behandlung der Infektion erfolgt mit mehreren Antibiotika.

„Dabei stellt die Bildung von Resistenzen derzeit eine der größten Herausforderung dar“, sagt Tilg. Mehrere Vorträge beim EHMSG-Meeting in Innsbruck beschäftigen sich daher mit diesem Thema. Auch der Forschungsbedarf ist noch sehr groß. „Wir können noch nicht vorhersagen, wer nach einer Helicobacter-Infektion erkrankt und wer nicht.“ Dabei ist diese Erkenntnis sehr wichtig, denn fast 90 Prozent der PatientInnen mit einem Magen-Karzinom hatten zuvor eine Helicobacter-Infektion.

 

Mikrobiota: Welche Rolle spielt die Keimwelt bei Krebserkrankungen?

Jeder Mensch hat rund ein Kilogramm an Keimen in seinem Darm. „Die Erforschung der Mikrobiota ist weltweit eines der wichtigsten Forschungsthemen. Es gibt zunehmend Hinweise, dass die gastrointestinale Mikrobiota auch bei verschiedenen Krebsformen im Verdauungstrakt, eine Rolle spielt“, sagt Herbert Tilg, Direktor der Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Vorsitzender der „Europäischen Helicobacter und Mikrobiota Studiengruppe“ (EHMSG). Weitere Forschungsergebnisse dazu tragen dazu bei, dass Krebserkrankungen der Speiseröhre, des Magen oder Dickdarms zukünftig besser therapiebar werden könnten.

 

Stuhltransplantationen bei Diabetes, Lebererkrankung und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Bei der Stuhltransplantation wird möglichst frischer Stuhl eines gesunden Menschen mit Kochsalzlösung erst verdünnt und dann gefiltert, um grobe Anteile zu entfernen und dann im Rahmen einer Darmspiegelung in den Verdauungstrakt eingebracht. „Wir haben hier die Hoffnung, dass wir zukünftig mit dieser Methode vielen Betroffenen helfen können. Nach neuesten Erkenntnissen könnten Patientinnen und Patienten mit Diabetes, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und mit Lebererkrankungen profitieren. Das ist ein aktuell sehr stark diskutiertes Thema in der Fachwelt, daher beschäftigen sich sehr viele der Vorträge bei unserem Meeting in Innsbruck mit Stuhltransplantationen.“ Derzeit wird diese Behandlungsmethode bereits bei einigen wenigen Darmerkrankungen erfolgreich angewendet. „Allerdings müssen wir noch besser verstehen, warum die Behandlung erfolgreich ist, bevor sie bei weiteren Erkrankungen eingesetzt werden kann“, sagt der Experte.

EHMSG

Seit 2018 ist Herbert Tilg, Direktor der Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Vorsitzender der „Europäischen Helicobacter und Mikrobiota Studiengruppe“ (EHMSG). Tilg ist derzeit der einzige Experte aus Österreich im Vorstand der EHMSG. Auf Grund der rasanten Forschungsergebnisse zur Keimwelt des Darms, hat sich das Forschungsziel der renommierten Vereinigung mittlerweile um das Themengebiet Mikrobiota erweitert.

Jährlich findet ein Treffen zu Helicobacter pylori und Mikrobiota statt, bei dem sich internationale Top-ExpertInnen über neue Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten austauschen. Dieses Meeting mit 500 bis 600 TeilnehmerInnen aus aller Welt findet vom 5. bis 7. September erstmals in Innsbruck statt.


Quelle: Medizinische Universität Innsbruck

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