HDL-Cholesterin – das gute – soll auch schlecht sein?

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Zu hohe HDL-Cholesterin-Werte sollen das Herzinfarkt- und Sterblichkeits-Risiko erhöhen. HDL-Cholesterin ist auch als »gutes« Cholesterin bekannt.

Laut einer neuen US-Studie – präsentiert am Europäischen Kardiologiekongress in München – sollen sehr hohe HDL-Cholesterin-Werte im Zusammenhang mit einem höherem Herzinfarkt- und Sterblichkeits-Risiko sein. Diese Ergebnisse haben umso mehr Aufsehen erregt, da ja bekanntlich HDL-Cholesterin als das gute Cholesterin angesehen wird. Ein dementsprechender älterer Artikel ist auf MEDMIX hier zu finden.

Die Studienergebnisse sind einerseits interessant, weil die vorliegende Daten vermuten lassen, dass wie eingangs erwähnt sehr hohe HDL-Cholesterin-Werte eventuell doch keine Schutzwirkung haben. Zum anderen muss aber darauf hingewiesen werden, dass in erster Linie Patienten mit bestehenden Herzkrankheiten untersucht wurden. Jedenfalls räumen die US-Wissenschaftler selbst ein, dass weitere Untersuchungen notwendig sind.

 

HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin

Da Cholesterin nicht wasserlöslich ist, kann es im Blut nicht frei transportiert werden. Deswegen wird es in der Leber in Lipoproteine eingebaut, um es mit deren Unterstützung befördern zu können. Die wichtigsten Transporttypen sind HDL (High Density Lipoproteins) und LDL (Low Density Lipoproteins):

  • LDL bringt Cholesterin zu Zellen mit hohem Cholesterinbedarf. Bei Überversorgung verbleibt überschüssiges LDL-Cholesterin im Blut, und so kann sich das Cholesterin in den Blutgefäßen ablagern. Frei Radikale attackieren das LDL, oxidieren es und machen es so zur Gefahr für den Organismus.
  • HDL-Cholesterin hingegen befördert das nicht benötigte Cholesterin zurück zur Leber, wo es vorwiegend in Gallensäuren umgebaut und über den Darm ausgeschieden wird. HDL soll auch das bereits in den Gefäßen abgelagerte Cholesterin (aus atherosklerotischen Plaques) wieder aufnehmen und somit Gefäßablagerungen entgegenwirken.

In Hinblick auf die neue Studie müssen diese Mechanismen im Detail weiter untersucht werden. Die Studie mit Erstautor Dr. Marc Allard-Ratick von der Emory University School of Medicine in Atlanta, USA, basiert auf der Emory Cardiovascular Biobank und untersuchte die Zusammenhänge zwischen HDL-Cholesterin-Werten und dem Infarkt- und Sterblichkeitsrisiko bei 5.965 Personen mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren, von denen die meisten bereits eine Herzkrankheit hatten.

Quellen:
ESC Abstract “Elevated HDL-C is associated with adverse cardiovascular outcomes”
Pressekonferenz; Is this really good for you? Challenging conventional wisdom
Session: HDL cholesterol – A moving target

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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