Hautinfektionen bei organtransplantierten Patienten

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Aufgrund der lebenslangen Immunsuppression stellen Hautinfektionen und an den Schleimhäuten eine Komplikation bei organtransplantierten Patienten dar.

Hautinfektionen bei organtransplantierten Patienten können bakteriellen oder viralen Ursprungs oder auch durch Pilze bedingt sein. Die Haut kann auch Ort einer Infektion mit echten Opportunisten sein. Meist handelt es sich dabei um Infektionen mit Pilzen, die unter normalen Umständen keinerlei humanpathogene Bedeutung haben.

Da Haut und Schleimhäute die erste Barriere gegen Infektionen darstellen, trägt auch jede Alteration dieser Barriere zum Risiko einer Infektion bei. Deshalb ist eine adäquate Hautpflege ebenso wichtig wie der Schutz vor Verletzungen.

 

Zur Sicherung der Diagnose Erreger breit abklären

Die Haut kann nicht nur der primäre Ort einer Infektion, sondern auch im Rahmen einer systemischen Infektion mitbeteiligt sein. Deshalb muss der Arzt unter Umständen einer solchen auch nachgehen. Einer adäquaten mikrobiologischen Diagnostik kommt in jedem Fall besondere Bedeutung zu.

Grundsätzlich muss immer ein Erregernachweis die Diagnose sichern. Dementsprechend muss man die Infektion unter Berücksichtigung aller möglichen, in Betracht kommenden Erreger breit abklären. Auch eine Hautbiopsie mit Erfassung subcutaner Bestandteile inklusive Spezialfärbungen ist hilfreich.

 

Bakterielle Infektionen

Abgesehen vom Auftreten des gesamten Spektrums an »normalen« Hautinfektionen, wie man sie auch beim immunkompetenten Patienten sieht (z.B. ein Erysipel oder eine Tinea), können Hautinfektionen bei immunsupprimierten, organtransplantierten Patienten schwerer bzw. ausgedehnter verlaufen oder auch schwieriger zu behandeln sein. Bakterielle Infektionen sind meist durch Strepto- und Staphylokokken bedingt und laufen in erster Linie als Furunkel, Abszesse, Weichteilinfektionen und Follikulitis ab.

 

Wenn Viren die Hautinfektionen verursachen

Mit der Dauer der Immunsuppression kommt es zu einer Zunahme der Prävalenz der Infektion mit humanen Papilloma-Viren, die zu ausgedehnten Warzen führen. Ebenso kommt es weiters zu einer Mollusca contagiosa, welche Pox-Viren verursachen, die sehr rezidivfreudig sein können. Von Bedeutung sind die Viren der Herpes-Gruppe, vor allem in der frühen Post-Transplantationsphase. Infektionen und eine Reaktivierung von Zytomegalieviren stellen weniger das Problem des Hautarztes dar.

Die Haut bzw. die Schleimhaut ist meist Ort der Reaktivierung von Herpes simplex und Varizella zos­ter-Viren, wobei im Szenario der Organtransplantation ungewöhnliche Lokalisationen, Manifestationen und persistierende Verlaufsformen möglich sind.

 

Pilzinfektionen

Die häufigsten Pilzinfektionen der Haut und Schleimhäute beim organtransplantierten Patienten sind Kandidosen, Erythrasma, Tinea versicolor sowie Dermatomykosen. Diese können ausgedehnter sein und etwa im Fall der Dermatophyteninfektion, lokal infiltrieren. Onychomykosen sind im Vergleich zu immunkompetenten Patienten nicht wesentlich häufiger anzutreffen.

Infektionen durch opportunistische Erreger sind meist durch Pilze bedingt, die einerseits als Saprophyten an der Schleimhaut vorkommen wie etwa Candida spp, oder aus der Umgebung stammen.

Zu diesen gehören zum Beispiel Aspergillus, Cryptococcus, Zygomezeten oder auch Scedosporium spp. Bei immunsupprimierten Patienten kann praktisch jeder saprophytäre Pilz zu einer Infektion der Haut führen. Entweder durch direkte Inokulation oder im Rahmen einer systemischen Infektion.

Gerade deshalb ist es auch so wichtig, alle möglichen diagnostischen Verfahren einzusetzen und auch an ungewöhn­liche, seltene Infektionen zu denken.

Literatur:

Ilyas M, Maganty N, Ginsberg Z, Sharma A. Skin Infections due to Bacteria in Solid Organ Transplant Recipients: A Review. Dermatology. 2017;233(5):358-365. doi: 10.1159/000484405. Epub 2018 Jan 10.

Ilyas M, Maganty N, Sharma A. Cutaneous infections from viral sources in solid organ transplant recipients. J Clin Virol. 2017 Dec;97:33-37. doi: 10.1016/j.jcv.2017.08.007. Epub 2017 Aug 18.


Quelle: Hautinfektionen bei organtransplantierten Patienten. Ao. Univ.-Prof. Dr. Alexandra Geusau. MEDMIX 9/2008

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Dr. Reinhold Lautner

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