Haut als Spiegel der Seele: Haut und Psyche hängen sehr zusammen

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Haut und Psyche hängen eng zusammen. Die Haut gilt als der Spiegel der Seele. Jede dritte Hautkrankheit tritt gemeinsam mit einem psychischem Leiden auf.

Unter dem Strich belgen zahlreiche Beschwerden den starken Zusammenhang zwischen der Haut und der Psyche. Dazu gehören exemplarisch beispielsweise die Nesselsucht als Folge unterdrückter Wut sowie die Neurodermitis durch zu viel Stress.



Jedenfalls hat eine Vielzahl von Hauterkrankungen seelische Ursachen. Dementsprechend zeigen Untersuchungen, dass etwa 30% der Patienten mit Hautkrankheiten auch Anzeichen oder Symptome von psychischen Problemen haben. Deswegen sollten vor allem auch Hautärzte (Dermatologen) mit den Grundlagen von psychiatrischen Störungen sehr vertraut sein. Denn das hilft dann dabei, dass man bei betroffenen Patienten psychische Störungen erkennen kann. Und das hilft den Arzt dann wiederum, den Patienten angemessen beraten und behandeln zu können.

Im Grunde genommen ist jedenfalls die Wechselwirkung zwischen Haut und Psyche sehr komplex. Deswegen ist ist es auch schwer zu unterscheiden, ob das Hauptproblem die Haut oder die Psyche betrifft. Manchmal ist das klinische Bild eine Folge von Wechselwirkungen zwischen den beiden und auch anderen Faktoren. Die Wechselwirkungen zwischen Haut und Psyche sind auch in Geschichte, der Kunst und der Literatur gut bekannt.
Der berühmte französische Psychoanalytiker Didier Anzieu sprach übrigens auch vom Haut-Ich. So sollte eine effektive psychoanalytische Behandlung dabei helfen, dass man eine Heilung von Hautschäden erreichen kann.

 

Jeder dritte Hautkranke leidet unter psychischen Problemen

Eine große internationale, europäische Studie belegte unlängst, dass fast jeder dritte Hautkranke auch unter psychischen Problemen leidet. In Anbetracht der Ergebnisse forderten Experten, dass Hautärzte bei der Behandlung von Hautkrankheiten auch an mögliche gleichzeitig auftretende seelische Erkrankungen denken sollten.

In den vergangenen Jahrzehnten haben Hauterkrankungen immer mehr zugenommen. Die Neurodermitis oder die Schuppenflechte (Psoriasis) sind heute beispielsweise zu Volkskrankheiten. Wobei die Hautleiden meistens vererbt werden. Doch darüber, ob und wann sie ausbrechen, entscheiden viele Faktoren mit. Dazu gehört vor allem auch die psychische Verfassung.

 

Internationale Studie zum Zusammenhang von Haut und Psyche

Die Wissenschaftler haben in dreizehn europäischen Staaten insgesamt rund 3600 Menschen mit Hautkrankheiten befragt, um dem Zusammenhang von Haut und Psyche zu untersuchen. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass 29 Prozent der Hautkranken gleichzeitig auch an einer psychischen Erkrankung litten. Zum Vergleich: In der Kontrollgruppe, die aus 1400 Menschen ohne Hautkrankheiten bestand, lag der Anteil bei nur 16 Prozent. Die Forscher stellten außerdem fest, dass der Anteil von Menschen mit Depressionen unter den Hautkranken mehr als doppelt so hoch war, und Angsterkrankungen oder Suizidgedanken anderthalbmal so häufig vorkamen wie in der Kontrollgruppe. In einem so großen Umfang war der Zusammenhang von Haut und Psyche vor dieser Arbeit nicht nachgewiesen worden.

 

Bessere Behandlung durch das Berücksichtigen von Haut und Psyche

Wenn eine Hauterkrankung auf psychische Probleme zurückgeht, dann müssen diese für eine effektive Behandlung auch therapeutisch berücksichtigt werden. Vor allem bei allergischen Hauterkrankungen gibt es auch zunehmend Hinweise auf seelische Ursachen.



Die Neurodermitis kann sich durch belastenden Stress verschlimmern. Die unterdrückte Wut kann sich wiederum in Nesselsucht äußern. Für all das sind vermutlich die Neuropeptide verantwortlich. Diese Botenstoffe schüttet unser Körper in Stress-Situationen aus. Und sie können dann durch die Nervenbahnen bis zu den Organen gelangen und dort Entzündungen verstärken.

 

Die Haut als Spiegel der Seele

Gerade die Haut als Spiegel der Seele reagiert häufig als Überdruckventil der Psyche. Dadurch können auch allergische Reaktionen entstehen. Für die Hautbeschwerden und die Allergien ist der Bezug zu psychischen Leiden sehr stark. Jedenfalls gelten vor allem auch schwerwiegende Lebensereignisse als die großen Risikofaktoren. Das sind beispielsweise die Trennung der Eltern oder der Tod eines Elternteils.

Solche Ereignisse in der Schwangerschaft oder in der frühen Kindheit erhöhen auch das Risiko für spätere allergische Erkrankungen der Kinder. Deswegen sollte man in solchen frühkindlichen Fällen gegebenenfalls auch frühzeitig die Psyche mitbehandeln. Damit erhöht sich die Chance, dass das seelische Leid nicht eine Allergie oder eine Hauterkrankung verursacht.

Literatur:

Werbart A. The Skin is the Cradle of the Soul. Didier Anzieu on the Skin-Ego, Boundaries, and Boundlessness. J Am Psychoanal Assoc. 2019 Feb;67(1):37-58. doi: 10.1177/0003065119829701.

Dalgard F, Gieler U et al (2014). The psychological burden of skin diseases: a cross-sectional multicenter study among dermatological out-patients in 13 European countries. Journal of Investigative Dermatology, published online 5 February 2015.

Beltraminelli H, Itin P. Skin and psyche from the surface to the depth of the inner world. J Dtsch Dermatol Ges. 2008 Jan;6(1):8-14. Epub 2007 Sep 17.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM)

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